Deutsche Wirtschaft fürchtet Milliardenminus im Russland-Geschäft

Moskau/Berlin (APA/Reuters) - Die deutsche Wirtschaft rechnet für dieses Jahr mit weiteren milliardenschweren Einbußen im Russland-Geschäft. Die Exporte dürften um fast 15 Prozent oder knapp 4 Mrd. Euro einbrechen, prognostiziert der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

"Davon werden insbesondere Spitzenexportbranchen wie die Automobilindustrie oder der Maschinenbau betroffen sein", sagte DIHK-Außenhandelschef Volker Treier am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Bereits 2014 waren die Ausfuhren um rund 20 Prozent gefallen.

Ein Grund für die negative Entwicklung ist der Kursverfall der Landeswährung Rubel. "Damit gehen enorme Kaufkraftverluste russischer Abnehmer einher", sagte Treier. "Zudem entfaltet sich die Wirkung der dritten Sanktionsstufe der EU gegen Russland erst in diesem Jahr voll." Bisher habe der Warenaustausch zu einem großen Teil noch auf Verträgen basiert, die vor Verhängung dieser Sanktionen wegen der Ukraine-Krise geschlossen wurden. "Außerdem deutet das politische Umfeld derzeit kaum auf eine Lockerung der Sanktionen hin", sagte der Experte. Im Gegenteil: Die EU erwägt sogar eine erneute Verschärfung.

Bremsspuren dürfte auch die jüngste Absenkung der Bonität Russlands auf Ramschniveau durch Ratingagenturen hinterlassen. "Das wird auch die Finanzierungskosten für deutsche Russlandlieferanten erhöhen und damit die Geschäfte unlukrativer machen", ergänzte Treier.

Der DIHK geht aber davon aus, dass die Einbußen im Russland-Geschäfte wettgemacht werden können. So habe der Maschinenbau dort zwar im Vorjahr rund 1,1 Mrd. Euro weniger eingenommen. Dem stehe aber ein Plus bei den Verkäufen in die USA, nach Großbritannien und nach China von 1,8 Mrd. Euro gegenüber. "In diesem Jahr liegen die Wachstumstreiber für den deutschen Export vornehmlich in den USA, aber auch in südostasiatischen Märkten und in Indien", sagte Treier.

Russland gehörte lange Zeit zu den am schnellsten wachsenden Auslandsmärkten für Deutschland. Bis 2012 legten die Ausfuhren dorthin um bis zu 31 Prozent jährlich zu, ehe erst die schwache Konjunktur und dann die Ukraine-Krise für deutliche Rückgänge im Handel mit dem einst elftgrößten deutschen Exportkunden sorgten.

Steyr Motors fährt in die Pleite - und will neu durchstarten

Bonität

Steyr Motors fährt in die Pleite - und will neu durchstarten

EZB-Chef Draghi: Über Reformen und das Ende von Anleihenkäufen

Wirtschaft

EZB-Chef Draghi: Über Reformen und das Ende von Anleihenkäufen

Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

Newsticker

Novartis investiert 200 Mio. Euro in Tiroler Standorte