Deutsche Wirtschaft stellt sich auf tristen Herbst ein

(APA/Reuters) - Der deutschen Wirtschaft steht angesichts zahlreicher internationaler Krisenherde ein trüber Herbst bevor: Die Stimmung in den Chefetagen sank im September bereits den fünften Monat in Folge und ist nun so schlecht wie seit knapp eineinhalb Jahren nicht mehr. Der ifo-Geschäftsklimaindex fiel überraschend deutlich um 1,6 auf 104,7 Punkte.

Auch die Erwartungen sind trist. "Der deutsche Konjunkturmotor läuft nicht mehr rund", sagte der Präsident des Münchener ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn. Die am Mittwoch veröffentlichten Daten basieren auf einer Umfrage unter 7.000 Managern in Deutschland.

Die Führungskräfte schätzen nicht nur die Geschäftslage schwächer ein, sie bewerten auch die Aussichten so schlecht wie seit Ende 2012 nicht mehr. In allen wichtigen Branchen trübte sich das Klima ein - vom Handel bis zum Bau und den Dienstleistern. Besonders leidet aber die exportabhängige Industrie, der die Ukraine-Krise und die Russland-Sanktionen sowie die schwache Konjunktur in Europa zu schaffen machen. "Vom Auslandsgeschäft werden kaum noch Zuwächse erwartet", erklärte Sinn.

Trotz der schlechten Nachrichten zogen die Aktienkurse an. Denn mit der drohenden Flaute in Deutschland steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) noch mehr Geld in die Wirtschaft pumpt - etwa durch ein umfangreiches Ankaufprogramm von Anleihen. "Der EZB-Rat vertritt einhellig die Auffassung, dass die zur Verfügung stehenden Werkzeuge allesamt genutzt werden können", sagte EZB-Präsident Mario Draghi.

Für die deutsche Wirtschaft zahlt sich die Flut billigen Geldes dagegen nicht aus, befürchtet Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe: "Für unsere Unternehmen hat das keine Folgen, weil sie kein Liquiditätsproblem haben". Für das zu Ende gehende dritte Quartal rechnet er kaum noch mit Wachstum in Deutschland. "Es wird um die Null sein", sagte der Konjunkturexperte. "Es gibt kaum Lichtblicke. Die Wirtschaft in der Europäischen Union ist weiter am Kränkeln, und die Ukraine-Krise sorgt für eine generelle Unsicherheit.

Beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) wird das ähnlich gesehen. "Die Bremsspuren in der Konjunktur werden tiefer", sagte Chefvolkswirt Alexander Schumann. "Das schwächere Exportgeschäft schlägt zunehmend auch auf die Investitionen durch." Dazu komme die Verunsicherung, wie sich die vielen Krisenherde weiter entwickeln. "Das Wachstum scheint zu versiegen, trübe Herbststimmung legt sich über die Konjunktur", sagte auch Ökonom Holger Sandte von der Nordea-Bank. "Ein Einbruch der Wirtschaftsaktivität ist zwar nicht zu befürchten, markantes Wachstum aber auch nicht in Sicht."

Dass Deutschland im Vergleich zu den meisten anderen europäischen Ländern noch ganz gut dasteht, ist vor allem dem robusten Arbeitsmarkt, steigenden Löhnen und der geringen Inflation zu verdanken. Experten fordern aber, dass die Bundesregierung mehr tun muss. "Sie sollte sich überlegen, wie sie die Investitionsbedingungen verbessern kann", sagte Nordea-Analyst Sandte. "Langfristig würden auch deutlich höhere öffentliche Investitionen in die Infrastruktur viel nutzen."

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) war im Frühjahr überraschend um 0,2 Prozent geschrumpft. Der Bundesverband der Deutschen Industrie senkte seine Wachstumsprognose für 2014 bereits von 2,0 auf 1,5 Prozent. Die Industriestaaten-Organisation OECD befürchtet, dass es auch 2015 nicht zu einem größeren Plus reichen wird.

Madrid (APA/Reuters) - Die Korrektur der Bilanz für 2017 versetzt den Aktien von Dia einen weiteren Schlag. Die Titel der hoch verschuldeten spanischen Supermarktkette fielen am Montag um mehr als 20 Prozent auf ein Rekordtief von 0,70 Euro.
 

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Spanische Supermarktkette Dia musste Bilanz 2017 korrigieren

München (APA/dpa/Reuters) - Die US-Kartellbehörde FTC hat die milliardenschwere Fusion des deutschen Industriegaseherstellers Linde mit dem US-Konkurrenten Praxair zum weltgrößten Industriegase-Konzern unter Auflagen genehmigt. Das teilte die Behörde am Montag mit.
 

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USA genehmigen Linde-Praxair-Fusion unter Auflagen

Wien (APA) - Die Wettbewerbsbehörde (BWB) will stärker gegen unfaire Geschäftspraktiken zwischen großen und kleinen Betrieben vorgehen. "Die Benachteiligung von marktschwachen Vertragspartnern kann zu Wettbewerbsverzerrungen führen", sagte BWB-Chef Theodor Thanner am Montag bei der Präsentation eines "Fairnesskatalogs für Unternehmen".
 

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BWB will schärfer gegen unfaire Geschäftspraktiken vorgehen