Deutsche Regierung sieht weiter deutliche Ost-West-Unterschiede

Berlin (APA/dpa/Reuters) - Trotz Fortschritten beim wirtschaftlichen Aufholprozess in den ostdeutschen Ländern sieht die deutsche Regierung nach wie vor deutliche Unterschiede zum Westen. 28 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung hätten sich die Lebensverhältnisse im Osten weiter angenähert, heißt es im Jahresbericht der Regierung zum Stand der Deutschen Einheit.

Allerdings liege der Osten etwa beim Lohnniveau und der Wirtschaftskraft im Vergleich zum Westen weiter zurück, heißt es in dem der Deutschen Presse-Agentur vorliegenden Bericht, mit dem sich das Kabinett am Mittwoch befasst.

Die Löhne stiegen in Ostdeutschland 2017 mit 3,9 Prozent zwar stärker als im gesamten Bundesgebiet mit 2,3 Prozent und liegen mittlerweile bei 98 Prozent des Westniveaus", heißt es in dem Bericht. Das Durchschnittsniveau der tatsächlich gezahlten Löhne - nicht nur der Tariflöhne - liege allerdings bei nur 82 Prozent des Westniveaus.

Außerdem mangle es an Konzernzentralen großer Unternehmen. Noch immer sei eine deutlich geringere Exportorientierung der ostdeutschen Wirtschaft festzustellen.

Der Strukturunterschied zum Westen schlage sich in den ostdeutschen Ländern etwa in geringeren Forschungs- und Innovationsaktivitäten sowie in einer weniger ausgeprägten Internationalisierung nieder. "Niedrigere Produktivität und fehlende Spitzengehälter treten hinzu", heißt es in dem Bericht.

Der Anfang der 1990er-Jahre erfolgte, teilweise "dramatische Rückgang" der Kinderzahl sowie die damals starke Abwanderung vor allem junger, gut qualifizierter Menschen habe langfristige Nachwirkungen, so die Autoren. Trotz eines Anstiegs der Geburtenrate nehme die Einwohnerzahl, insbesondere die Zahl der Erwerbsfähigen, weiter ab.

Die Alterung schreite schneller voran als in den westdeutschen Ländern. Die im Vergleich zum Westen Deutschlands ungünstigere Altersstruktur und die in vielen ostdeutschen Gegenden geringere Siedlungsdichte begrenzten bereits heute die Zahl der Fachkräfte.

Der Ostbeauftragte der Regierung, Wirtschafts-Staatssekretär Christian Hirte, sieht in dem Bericht aber zugleich Fortschritte im Osten. So habe sich der Arbeitsmarkt positiv entwickelt. Bei der Arbeitslosenquote betrug demnach die Differenz zum Westen Anfang der 2000er-Jahre noch mehr als 10 Prozentpunkte, 2017 nur noch 2,3 Prozentpunkte.

Außerdem heißt es, Ostdeutschland sei vor allem stark bei der Erforschung von Schlüsseltechnologien. Nahezu die Hälfte aller Beschäftigten in Ostdeutschland seien Frauen. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sei im Osten deutlich einfacher möglich.

"Trotz aller Erfolge sehen wir ein hohes Maß an Unzufriedenheit und Sorge", erklärte Hirte mit Blick auf die Stimmung im Osten. Nötig seien deshalb klare Signale, dass die Politik weiterhin die Entwicklung in Ostdeutschland voranbringen wolle. In den fünf ostdeutschen Bundesländern (ohne Berlin) lebt etwa ein Sechstel der deutschen Gesamtbevölkerung von 82,5 Millionen.

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