Deutsche Industrieaufträge steigen kräftig - "Kein Befreiungsschlag"

Berlin (APA/Reuters) - Nach vier Rückgängen in Folge hat die deutsche Industrie im Mai überraschend viele Aufträge an Land gezogen. Das Neugeschäft stieg um 2,6 Prozent zum Vormonat und damit deutlich stärker als erwartet, wie das Wirtschaftsministerium am Donnerstag mitteilte.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) bezeichnete den Anstieg zwar als erfreulich. "Aber es ist noch kein Befreiungsschlag", sagte DIHK-Außenwirtschaftsexperte Ilja Nothnagel. Die Verunsicherung wegen des Zollstreits mit den USA sei groß. Der von US-Präsident Donald Trump angezettelte Konflikt sorgte auch dafür, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) seine Konjunkturprognose für Deutschland um 0,3 Punkte auf 2,2 Prozent Wirtschaftswachstum 2018 senkte.

Die Industrie hat eine längere Durststrecke hinter sich. Dazu hätten etwa die Schwäche der globalen Wirtschaft und die Verunsicherung durch den Handelsstreit beitragen, erklärte das Ministerium. Es rechnet damit, dass es in den nächsten Monaten moderat bergauf geht. Auch die Experten der Commerzbank setzen darauf, dass sich die Industrieproduktion demnächst stabilisiert. Bankhaus-Lampe-Chefökonom Alexander Krüger sieht die Auftragszahlen als klares Lebenszeichen. "Der Aufschwung lebt, er hat das beste aber hinter sich." Dies sehen viele Fachleute ähnlich. Forschungsinstitute haben deshalb jüngst ihre Konjunkturprognosen für 2018 auf unter zwei Prozent gesenkt.

Vor allem der Zollstreit mit den USA macht den Firmen Kopfschmerzen. "Bei einem Handelskonflikt können die Unternehmen nicht mehr sicher sein, ob sich das Wachstum in wichtigen Märkten positiv weiterentwickelt", sagte DIHK-Experte Nothnagel. Die Auslandsnachfrage der Industrie stieg im Mai insgesamt um 1,6 Prozent. Dabei erhöhten sich die Bestellungen aus der Eurozone kräftig um 6,7 (April: minus 7,8) Prozent, während das Geschäft mit dem Rest der Welt um 1,3 (April: plus 5,9) Prozent nachließ. Die Inlandsnachfrage kletterte um 4,3 Prozent.

Die erfolgsverwöhnten deutschen Maschinenbauer mussten im Mai allerdings einen Rückschlag hinnehmen. Die Bestellungen gingen nach Angaben des Branchenverbands VDMA zum Vorjahresmonat um ein Prozent zurück. Die Konjunktur der Maschinen- und Anlagenbauer laufe aber weiter rund. "Die Unternehmen könnten mehr produzieren, wenn sie genug Fachkräfte fänden."

Der IWF sagt Deutschlands Wirtschaft mittel- und langfristig erhebliche Wachstumsprobleme voraus. Der Fonds erhöhte zwar seine Prognose für 2019 leicht auf 2,1 Prozent. Danach dürfte es aber stetig bergab gehen - bis auf 1,1 Prozent 2023. Wegen der Alterung der Gesellschaft und schwacher Produktivität sollte die Politik das Wachstumspotenzial stärken, rät der IWF. Der Staat solle noch stärker investieren, vor allem in Aus- und Weiterbildung sowie in Zukunftsbereiche der Wirtschaft. Er müsse das Umfeld für private Investitionen verbessern und das Arbeitskräfte-Angebot erhöhen.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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Novartis investiert 200 Mio. Euro in Tiroler Standorte

Rom/Menlo Park (APA) - Nachdem die US-Internetriesen Google und Amazon wegen vermuteter Steuerhinterziehung ins Visier der italienischen Justiz geraten sind, hat sich Facebook mit Italiens Steuerbehörden auf die Zahlung von 100 Mio. Euro geeinigt, um ein Steuerverfahren abzuschließen. Die Mailänder Justiz hatte dem E-Commerce-Riesen Steuerhinterziehung in Höhe von 300 Mio. Euro vorgeworfen, so italienische Medien.
 

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Facebook einigt sich mit italienischem Fiskus und zahlt 100 Mio. Euro