Deutsche Großkonzerne gehen im Ausland wieder auf Beutezug

(Reuters) - Erstmals seit der Finanzkrise gehen deutsche Großkonzerne wieder massiv im Ausland auf die Pirsch nach Zukäufen. In den ersten neun Monaten des Jahres hat sich das Volumen von Akquisitionen deutscher Firmen außerhalb Deutschlands auf 60,3 Milliarden Dollar fast vervierfacht, wie aus den am Donnerstag veröffentlichten Daten des Informationsdienstleisters Thomson Reuters hervorgeht. Insgesamt waren Firmen aus Deutschland seit Jahresbeginn als Käufer oder Verkäufer an Übernahmen im Wert von 171,6 Milliarden Dollar beteiligt, das sind 87 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Allein im dritten Quartal war das Transaktionsvolumen vorläufigen Zahlen zufolge mit 88,3 Milliarden Dollar so groß wie seit 2007 nicht mehr, vor dem Ausbruch der Finanzkrise.
Das freut auch die Investmentbanker: "Man hat lange nicht geglaubt, dass auch aus Deutschland heraus große strategische Transaktionen wieder kommen würden", sagt Berthold Fürst, der das Geschäft in Deutschland für die Deutsche Bank leitet. "Übernahmen wie die des US-Autozulieferers TRW durch ZF Friedrichshafen sind der Beleg dafür, dass es doch passiert." Mit 12,9 Milliarden Dollar ist TRW die drittgrößte Übernahme in diesem Jahr, bei der ein deutscher Konzern mitmischt. Das passt zur Beobachtung von Jens Maurer, dem M&A-Chef von Morgan Stanley für den deutschsprachigen Raum: "Die USA zählen auch dieses Jahr noch immer zu den wichtigsten Zielmärkten für deutsche Firmen."
An der Tabellenspitze steht das 35 Milliarden Dollar schwere Angebot der französischen Iliad für die Telekom-US-Tochter T-Mobile US - doch ob die Franzosen zum Zuge kommen, ist mehr als ungewiss. In der vielbeachteten Deutschland-Rangliste der Investmentbanken verhilft der Vorstoß dem Iliad-Berater BNP Paribas in diesem Jahr bisher zum ersten Platz. Knapp dahinter folgen Deutsche Bank und Goldman Sachs, die im vergangenen Jahr nach neun Monaten geführt hatte, sowie Morgan Stanley.

Am Kredit- und am Anleihemarkt ist die Deutsche Bank in Deutschland auch in diesem Jahr bisher die Nummer eins, bei Kapitalerhöhungen und Aktienplatzierungen haben Goldman Sachs, Merill Lynch und JPMorgan sie aber auf Platz vier verdrängt.
Weltweit ist Goldman Sachs die unangefochtene Nummer eins im M&A-Geschäft. Die US-Banker haben bei 287 Übernahmen im Wert von mehr als 770 Milliarden Dollar beraten, die Deutsche Bank ist Achter. Goldman Sachs profitiert davon, dass vor allem in den USA das Geschäft auf Hochtouren läuft. Deutschland hinkt auch im europäischen Vergleich noch hinterher. Doch das muss nicht so bleiben, wie Wolfgang Fink meint, der das Investmentbanking von Goldman in Deutschland leitet: "Der Blick nach vorne spricht auch hierzulande für eine nachhaltige Wiederbelebung des M&A-Markts."
Denn auch an der Börse kämen Fusionspläne derzeit gut an, sagt Fürst von der Deutschen Bank: "Selbst bei anspruchsvollen Bewertungen begrüßen Investoren in der Regel strategisch überzeugende Übernahmen." In drei von vier Fällen sei die Aktie des Käufers in diesem Jahr nach der Ankündigung eines Zukaufs gestiegen - zum Teil deutlich.
Der Mittelstand traut sich Übernahmen dagegen noch nicht recht zu: Das Volumen kleinerer Firmenkäufe in Deutschland stieg bis Mitte September nur um fünf Prozent. "Das zeigt, dass die Zuversicht der Großunternehmen bei mittelständischen Unternehmen erst noch vollständig ankommen muss", sagt Morgan-Stanley-Banker Maurer.

Brüssel (APA/Reuters) - Der Defizitstreit zwischen der EU-Kommission und der italienischen Regierung verschärft sich. Die Brüsseler Behörde wird den Budgetentwurf aus Rom für das kommende Jahr ablehnen, wie der "Spiegel" am Mittwoch unter Berufung auf den deutschen EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger (CDU) berichtete.
 

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EU-Kommission weist Italiens Haushaltsentwurf zurück

Washington/Peking (APA/dpa) - US-Präsident Donald Trump hat ein neues Mittel gefunden, um China im Handelsstreit unter Druck zu setzen. Auf Anraten seines Wirtschaftsberaters Peter Navarro wolle Trump ein 144 Jahre altes Postabkommen aufkündigen, schrieb die "New York Times" am Dienstag unter Berufung auf hochrangige Regierungskreise.
 

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Trump könnte 144 Jahre altes Postabkommen mit China beenden

Wien (APA) - Im Korruptionsprozess gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser, Ex-FPÖ-Generalsekretär Walter Meischberger, dessen früheren Anwalt Gerald Toifl und andere ging es heute am 57. Prozesstag einmal mehr darum, wem welche Konten gehörten. Kein leichtes Unterfangen, wie schon Meischberger beim Auffliegen des "Buwog-Skandals" anmerkte.
 

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Grasser-Prozess - "Wird alles etwas schwierig zu erklären"