Deutsche Gazprom-Tochter Wingas bleibt nach Rekordabsatz vorsichtig

Die deutsche Gashandelsgesellschaft Wingas hat 2015 so viel Gas verkauft wie noch nie. "Wir haben im letzten Jahr 630 Milliarden Kilowattstunden abgesetzt, eine Steigerung um 26,8 Prozent", sagte der Chef der Tochter des russischen Gazprom-Konzerns, Gerhard König, in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters.

Ursache hierfür sei eine stärkere Nachfrage wegen der kühleren Witterung gewesen. Zudem habe das Unternehmen verstärkt Gas über kurzfristige Handelsplattformen in Deutschland, den Benelux-Staaten und Großbritannien verkauft. Eine Prognose für 2016 sei aber schwierig. "Der Erdgasmarkt an sich stagniert europaweit. Wenn wir unseren sehr guten Absatz von 2015 nahezu wiederholen könnten, wäre ich auch zufrieden."
Auch beim Umsatz habe Wingas 2015 mit 14,4 Mrd. Euro einen Rekord eingefahren, sagte der Manager, der den Konzern seit 2009 führt. Das Umsatzplus von gut 14 Prozent macht allerdings im Vergleich zum Absatzwachstum deutlich, dass die Preise weiter stark gesunken sind. Im Zuge des Ölpreisverfalls sind die Gaspreise in den vergangenen zwölf Monaten um etwa ein Drittel geschrumpft. Ergebniszahlen veröffentlicht Wingas nicht.
Das Unternehmen ist eine hundertprozentige Tochter von Gazprom, seitdem die Russen im vergangenen Jahr die restlichen 50 Prozent der Wingas-Anteile von BASF übernommen haben. Gazprom wolle über Wingas in Deutschland und Europa seine Geschäfte ausbauen, sagte König. Der Kasseler Konzern mit rund 550 Mitarbeitern konkurriert mit der E.ON -Tochter Uniper, RWE und der ostdeutschen VNG. In Deutschland war der Gasverbrauch im vergangenen Jahr um fünf Prozent auf 866 Milliarden Kilowattstunden gestiegen. Wingas beliefert keine Haushaltskunden, sondern Stadtwerke, regionale Versorger, Industriebetriebe oder Kraftwerke.
"Wir wollen in Deutschland und Europa wachsen", erklärte König. Wingas habe bisher in Deutschland einen Marktanteil von rund 20 Prozent. "Wir sehen noch Luft nach oben." Der Konzern habe dabei vor allem Stadtwerke und Industriekunden im Blick. Auch in europäischen Ländern, in denen die Gesellschaft einen Anteil von etwa zehn Prozent habe, etwa in Österreich oder in der Tschechischen Republik, wolle das Unternehmen zulegen. Interessante Märkte seien auch die Niederlande, Belgien und Großbritannien. In Deutschland verkaufe Wingas bis jetzt mehr als die Hälfte seines Erdgases.
Aus Russland bezieht Wingas nach eigenen Angaben weniger als 50 Prozent des Brennstoffs. Vorbehalte gegenüber einer zu starken Abhängigkeit Europas von russischem Gas weist der Manager zurück. Derzeit liege der europäische Importanteil aus Russland bei 30 Prozent. Die europäische Eigenproduktion sei zwar genauso hoch, gehe aber zurück. "Ohne Russland wird im Erdgasbereich nichts gehen."

Der südafrikanische Steinhoff-Großaktionär Christo Wiese kappt nach seinem Rücktritt als Verwaltungsratschef weitere Verbindungen zu dem angeschlagenen Handelsriesen. Wiese sagte am Freitag den Verkauf der Einzelhandelskette Shoprite an Steinhoffs Afrika-Tochter STAR ohne Angabe von Gründen ab.
 

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Steinhoff-Großaktionär sagt Milliarden-Firmenverkauf ab

Der kriselnde Möbelhändler Steinhoff - Muttergesellschaft von Kika/Leiner - lässt seinen Ankündigungen Taten folgen und versilbert Anteile an der südafrikanischen Investmentgesellschaft PSG Group. So habe das Unternehmen 20,6 Millionen Aktien oder 9,5 Prozent der Anteile an PSG verkauft, teilte Steinhoff am Freitag mit.
 

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Steinhoff verkauft Anteile an südafrikanischer Investmentgesellschaft

Am Mittwoch ist die Air-Berlin-Tochter Niki pleitegegangen. Noch gibt es eine leise Hoffnung, die Firma zu erhalten. Unterdessen fischen Konkurrenten bereits nach den hoch qualifizierten Niki-Mitarbeitern. Und auch die Kunden können hoffen, dass sie nicht um ihr Geld umfallen. Die deutsche Regierung muss aber einen Teil ihres 150 Mio. Euro schweren Überbrückungskredits für Air Berlin abschreiben.
 

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Niki-Pleite - Chancen für Mitarbeiter und letzte Hoffnung für Firma