Deutsche Energiewirtschaft zögert immer mehr beim Kraftwerksbau

Hannover - Die deutschen Strom-Konzerne stellen den Bau neuer Kraftwerke wegen der Energiewende zunehmend in Frage. Bei gut der Hälfte der geplanten Neubauten fehle inzwischen eine konkrete Investitionszusage, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Stromlobbyverbandes BDEW, Hildegard Müller, am Montag auf der Hannover Messe.

Insgesamt seien derzeit 74 Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 33.000 Megawatt geplant, genehmigt oder im Bau. Bei 39 Projekten sei die Umsetzung jedoch nicht sicher. Vor einem Jahr standen 32 Vorhaben auf der Kippe, 2013 sogar nur 22.

"Wenn es politisch so weiter geht wie bisher, dann wird es keine neuen, modernen Kraftwerke geben", sagte Müller. "Es gibt einfach keine Investitionsanreize, auch wenn die Politik immer betont, dies ändern zu wollen." Das Gegenteil sei mit den bisher bekannt gewordenen Plänen der Fall.

Laut Müller liegen der Bundesnetzagentur Anträge auf die Stilllegung von rund 50 Kraftwerken vor. Es sei davon auszugehen, dass wegen der fehlenden Wirtschaftlichkeit weitere Anlagen abgeschaltet würden, erklärte sie. In einigen Jahren könne dies die Versorgungssicherheit gefährden, insbesondere wenn 2022 das letzte Atomkraftwerk in Deutschland vom Netz gehe.

Die Energiewirtschaft trifft mit ihrer Forderung nach Hilfen für die schwächelnden Gas- und Kohlekraftwerke auf wenig Gegenliebe bei der deutschen Regierung. Die Versorger fordern, dass die Anlagen, die im Gegensatz zu Ökostromanlagen rund um die Uhr laufen können, zusätzlich in einem sogenannten Kapazitätsmarkt vergütet werden. Kritiker einer solchen Regelung weisen darauf hin, dass es derzeit Überkapazitäten bei den Kraftwerken gibt, die nicht künstlich am Leben gehalten werden sollten. Thesen von einer "Kraftwerkslücke" seien übertrieben.

Den großen Versorgern wie E.ON und RWE, aber auch vielen Stadtwerken macht die Energiewende schwer zu schaffen. Durch den Ausbau des Ökostroms und der Überkapazitäten bei den Kraftwerken sind die Strom-Großhandelspreise auf den tiefsten Stand seit Jahren gefallen. Den Versorgern brechen deshalb die Gewinne weg. E.ON schrieb 2014 einen Rekordverlust von gut 3 Mrd. Euro. RWE ächzt unter Milliardenschulden. RWE ist in Österreich maßgeblich an der Kärntner Kelag beteiligt, im Aufsichtsrat sitzt der frühere ÖVP-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel.

Der kriselnde Möbelhändler Steinhoff - Muttergesellschaft von Kika/Leiner - lässt seinen Ankündigungen Taten folgen und versilbert Anteile an der südafrikanischen Investmentgesellschaft PSG Group. So habe das Unternehmen 20,6 Millionen Aktien oder 9,5 Prozent der Anteile an PSG verkauft, teilte Steinhoff am Freitag mit.
 

Newsticker

Steinhoff verkauft Anteile an südafrikanischer Investmentgesellschaft

Am Mittwoch ist die Air-Berlin-Tochter Niki pleitegegangen. Noch gibt es eine leise Hoffnung, die Firma zu erhalten. Unterdessen fischen Konkurrenten bereits nach den hoch qualifizierten Niki-Mitarbeitern. Und auch die Kunden können hoffen, dass sie nicht um ihr Geld umfallen. Die deutsche Regierung muss aber einen Teil ihres 150 Mio. Euro schweren Überbrückungskredits für Air Berlin abschreiben.
 

Newsticker

Niki-Pleite - Chancen für Mitarbeiter und letzte Hoffnung für Firma

Die Telekomaufsicht weicht Regelwerk das unter Barack Obama erst beschlossen wurde. Der Rechtsstreit ist damit programmiert, es wird mit Klagen von vielen Interenetkonzernen gerechnet.
 

Newsticker

US-Behörde kippt Netzneutralität - Rückschlag für Google & Co