Deutsche Bank gerät wegen Info-Lecks unter Druck

Frankfurt - Der Deutschen Bank steht nach Informationen aus Finanzkreisen neuer Ärger mit der deutschen Finanzmarktaufsicht BaFin ins Haus. Weil nun schon seit längerem immer wieder vertrauliche Informationen insbesondere zur Strategiediskussion nach außen sickern, wird die heimische Finanzaufsicht wohl eine Untersuchung starten, wie mehrere Insider der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch sagten.

Die Deutsche Bank will sich deshalb vorbeugend selbst auf die Suche nach undichten Stellen im Konzern machen, um mit der Behörde zu kooperieren.

Ein Banksprecher sagte, es sei noch keine interne Prüfung gestartet worden. "Gleichwohl müssen wir uns aber darauf sehr intensiv vorbereiten", erklärte er. "Denn es ist damit zu rechnen, dass externe Untersuchungen der BaFin über Unregelmäßigkeiten bei der Veröffentlichung kapitalmarktrelevanter Informationen im Rahmen des Strategieprozesses zu erwarten sind." Die BaFin lehnte eine Stellungnahme ab. Der Deutsche Journalisten-Verband bemängelte die Kommunikationspolitik der Bank.

Deutschlands größtes Geldhaus arbeitet seit Monaten an einer neuen Strategie, mit der die chronische Renditeschwäche überwunden werden soll. Insidern zufolge waren zuletzt noch zwei Modelle in der engeren Wahl: eine Abspaltung des kompletten Privatkundengeschäfts oder nur ein Verkauf der seit 2010 zum Konzern gehörenden Postbank. Beides würde eine deutliche Schrumpfkur bedeuten, zumal die Neuaufstellung mit signifikanten Stellenstreichungen einhergehen soll. Die Investmentbank muss wohl ebenfalls Federn lassen.

Die finale Entscheidung im Aufsichtsrat wird an diesem Freitag erwartet. Alles deutet im Moment darauf hin, dass es zur "kleinen" Lösung kommt - einer Trennung von der Postbank. Das berichten unisono Personen, die mit den Beratungen vertraut sind. Unter anderem das "manager magazin", der "Spiegel", das "Handelsblatt" und Reuters haben wiederholt exklusiv über Meilensteine im Strategieprozess berichtet - und sich dabei auf eben solche Insider berufen. Offiziell hat sich die Bank nie zu intern diskutierten Modellen geäußert, sondern stets erklärt, die neue Strategie werde im zweiten Quartal präsentiert. Aufsichtsratschef Paul Achleitner machte seinem Ärger über die anhaltenden Informationslecks im März auf einer Konferenz in Berlin Luft: "Den Prozess dürfen Sie sich nicht zerlegen lassen, nur weil da draußen alle möglichen Leute hyperventilieren."

Der Deutsche Journalisten-Verband forderte das Institut auf, offen und nachvollziehbar über seine strategischen Überlegungen zu informieren, "statt Nachrichten zu unterdrücken", wie ein Sprecher des Verbandes erklärte. "Wenn Medien von Bankmitarbeitern informiert wurden, dann doch nur deshalb, weil die Deutsche Bank ihre Informationspolitik als ,closed shop' betreibt. Wer Journalisten als Gegner sieht, hat die Rolle der Medien im demokratischen Staat nicht verstanden."

Die BaFin treiben aber nicht nur die Lecks in der Strategiedebatte um, wie einer der Insider berichtete. In der Vergangenheit habe es beim Branchenprimus immer wieder Fälle gegeben, wo kapitalmarktrelevante Informationen durchsickerten, obwohl sie bis zur offiziellen Veröffentlichung eigentlich strengster Geheimhaltung unterliegen - etwa das Stresstest-Ergebnis im vergangenen Herbst.

Ärger mit der BaFin ist die Deutsche Bank gewöhnt. So liefen beispielsweise schon Sonderprüfungen wegen der Verstrickung in den Skandal um manipulierte Zinsen (Libor) und wegen mutmaßlicher Bilanztricksereien. In der Libor-Affäre wird der Abschlussbericht der deutschen Aufsicht im Mai oder Juni erwartet. Eine milliardenschwere Strafe der angelsächsischen Regulierer könnte noch in dieser Woche kommen.

Der kriselnde Möbelhändler Steinhoff - Muttergesellschaft von Kika/Leiner - lässt seinen Ankündigungen Taten folgen und versilbert Anteile an der südafrikanischen Investmentgesellschaft PSG Group. So habe das Unternehmen 20,6 Millionen Aktien oder 9,5 Prozent der Anteile an PSG verkauft, teilte Steinhoff am Freitag mit.
 

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Steinhoff verkauft Anteile an südafrikanischer Investmentgesellschaft

Am Mittwoch ist die Air-Berlin-Tochter Niki pleitegegangen. Noch gibt es eine leise Hoffnung, die Firma zu erhalten. Unterdessen fischen Konkurrenten bereits nach den hoch qualifizierten Niki-Mitarbeitern. Und auch die Kunden können hoffen, dass sie nicht um ihr Geld umfallen. Die deutsche Regierung muss aber einen Teil ihres 150 Mio. Euro schweren Überbrückungskredits für Air Berlin abschreiben.
 

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Niki-Pleite - Chancen für Mitarbeiter und letzte Hoffnung für Firma

Die Telekomaufsicht weicht Regelwerk das unter Barack Obama erst beschlossen wurde. Der Rechtsstreit ist damit programmiert, es wird mit Klagen von vielen Interenetkonzernen gerechnet.
 

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US-Behörde kippt Netzneutralität - Rückschlag für Google & Co