Deutsche-Bank-Chef Cryan will nicht nur Sanierer sein

Der Brite John Cryan spricht nicht nur Deutsch, er liest auch deutsche Schlagzeilen. "Eine deutsche Zeitung hat mich 'Der eiskalte Aufräumer' genannt", erzählt der Deutsche-Bank -Chef am Donnerstag. "Hoffentlich hat meine Frau das nicht bemerkt." Hinter dem Scherz, der auf der Bilanz-Pressekonferenz des Instituts in Frankfurt für Gelächter sorgt, verbirgt sich eine Sorge, die Investoren und Mitarbeiter umtreibt. Kann Cryan, der als Finanzchef schon die Schweizer UBS nach der Finanzkrise umgekrempelt hat, Banken nur sanieren? Oder ist er auch der Richtige, um eine Vision zu entwerfen und Mitarbeiter zu motivieren?

Der 55-Jährige spricht das Thema offen an. "Manchmal gehe ich am Abend nach Hause und sage meiner Frau: 'Ich würde mir wünschen, dass die Leute daran glauben, dass ich eine Bank nicht nur sanieren, sondern auch führen kann." Angesichts eines Rekordverlustes von fast sieben Milliarden Euro und Stellenstreichungen sei es aber nun mal schwer, "zu lächeln und über die Visionen der Bank zu sprechen". Er freue sich aber bereits darauf, Deutschlands größtes Geldhaus zu führen, wenn es das Gröbste hinter sich habe. "Nicht jeder Tag ist einfach, aber wir sehen Licht am Ende des Tunnels."

Cryan hat im Sommer 2015 das Ruder von seinem glücklosen Vorgänger Anshu Jain übernommen. In den ersten Monaten wird er von Medien und Investoren gefeiert, weil er Probleme klar anspricht und beim Ausmisten keine Rücksicht nimmt. Dass er mit seiner Halbglatze, seiner leisen Stimme und seiner bedächtigen Art mehr an einen Buchhalter erinnert als an einen charismatischen Konzernlenker, ist den meisten anfangs egal.

Doch mittlerweile droht die Stimmung zu kippen. Der Vorstandsvorsitzende müsse aufhören, das Institut schlechtzureden, fordern Mitarbeiter und Investoren. Er sei schließlich nicht Oppositionsführer, sondern Chef der Bank. Gute Mitarbeiter dürfe er nicht vergraulen, sondern müsse ihnen eine Perspektive aufzeigen, um sie an Bord zu halten.

"UNSERE MITARBEITER SIND ERSTKLASSIG"

Cryan hat sich die Kritik offenbar zu Herzen genommen. Am Donnerstag benennt er zwar erneut Versäumnisse und Herausforderungen. Aber er verteilt auch Lob. Im Zahlungsverkehr und der Handelsfinanzierung habe die Bank ein Rekordergebnis eingefahren. Auch in der Vermögensverwaltung laufe das Geschäft gut. "Unsere Mitarbeiter sind erstklassig", sagt Cryan. "Während einige sich möglicherweise entscheiden, die Bank zu verlassen, ist die große Mehrheit bereit, die notwendigen Veränderung anzugehen." Er hoffe, die geringen Bonuszahlungen in diesem Jahre seien "nicht zu demotivierend" für die Belegschaft.

Die Deutsche Bank sei mit ihren vier Geschäftssparten gut positioniert, antwortete Cryan auf die Frage nach seiner Vision. Ziel sei es, im Kredit- und Kapitalmarktgeschäft zu den führenden internationalen Instituten zu gehören. In Deutschland wolle das Geldhaus eine Universalbank bleiben und in die Weiterentwicklung seines Geschäfts investieren.

Investoren hat Cryan damit bisher nicht überzeugt, die Aktie hat seit seinem Amtsantritt deutlich verloren. Der Brite will sich davon jedoch nicht aus der Ruhe bringen lassen. In der Vergangenheit habe das Institut teilweise Entscheidungen getroffen, um den Aktienkurs kurzfristig nach oben zu treiben, sagt Cryan. Er halte von solchen Maßnahmen aber nichts und setze stattdessen auf nachhaltige Verbesserungen in den kommenden Jahren. Aber auch das Nachtreten gegen seine Vorgänger verbindet der Vorstandschef mit einer positiven Botschaft. "Ich bin nicht erfreut über den Aktienkurs der Deutsche Bank. Aber ich bin froh, bei der Deutschen Bank zu arbeiten."

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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