Daimlers Zetsche - ohne Schlips zu digitalen Märkten

Bei Terminen an Weiberfastnacht lassen Manager ihre teuren Krawatten gerne zu Hause, um sie vor der Schere zu retten. In Stuttgart auf der Jahrespressekonferenz von Daimler geht die Gefahr von närrischen Attacken gegen Null, und Konzernchef Dieter Zetsche kommt aus ganz anderen Gründen ohne Schlips aufs Podium: Der offene Hemdkragen soll den anstehenden Kulturwandel bei dem Autopionier symbolisieren.

Seit der Konzernchef mit seinen Vorstandskollegen bei einem Besuch im Silicon Valley im Sommer die flauschig-coole Atmosphäre der amerikanischen Internet- und Technologiefirmen erlebt hat, will er die Führungskultur bei Daimler umkrempeln. Statt Hierarchien und Tunnelblick sollen Beteiligung und Mitdenken regieren. Daimler soll sich fit machen für das digitale Zeitalter, in dem die IT-Konzerne Google und womöglich auch Apple mit autonom fahrenden Autos den traditionellen Autobauern Konkurrenz machen wollen.

"Wir sehen das als ganz große Chance, die die Kräfteverhältnisse in der Industrie neu aufmischen wird", sagte Zetsche am Donnerstag. Da sich die Welt der digitalen Dienste in den USA entwickelt habe, müsse sich der deutsche Autobauer von dieser Dynamik etwas abschauen. "Deswegen halten wir es für unsere Aufgabe, diese kulturellen Elemente auch in unserem Unternehmen zu entwickeln", ergänzte er. Deshalb rief er das Projekt "Leadership 2020" ins Leben, bei dem auch die Führung gleich andere Wege gehe. Der Vorstand setze sich nicht zusammen und definiere von oben, wie die Führungskultur von morgen aussehen solle. Weltweit holte Zetsche eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von 140 Führungskräften zusammen, die ihren Ideen nun freien Lauf lassen sollen.

Neues Herangehen erprobt der Konzern auch in Berlin, wo die Start-up-Szene besonders aktiv ist. In einem Gemeinschaftsbüro in Kreuzberg tüfteln Daimler-Mitarbeiter zusammen mit externen Beratern an neuen Lösungen für Logistik-Dienstleister, die Vans wie den Mercedes-Sprinter einsetzen. Sie sollen nicht von schwerfälligen Konzernstrukturen erdrückt werden, sondern frei gestalten und schnell entscheiden können. Der legere Auftritt mit offenem Hemdkragen und oft auch in Jeans und Pullover unterstreicht die neue Gelassenheit beim Premiumhersteller. Auch das Ergebnis zu "Leadership 2020" lässt Zetsche gelassen auf sich zukommen: "Ich kann nicht sagen, was rauskommen wird - wir sind nicht im 'driver's seat'."

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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