Dänemark will bis 2050 ein "grüner Staat" und CO2-neutral werden

Kopenhagen (APA) - Mit der "State of Green"-Philosophie - die auch ein PPP-Unternehmen mit tatkräftiger Unterstützung des dänischen Industrieverbandes ist - will Dänemark Vorreiter in Energieeffizienz, CO2-Neutralität und Ressourcennutzung sein. Ziel bis 2050 ist es, den Ausstieg aus der Nutzung fossiler Brennstoffe zu schaffen. Die Gegebenheiten sind in Dänemark und Österreich oft deckungsgleich.

"State of Green" ist eine Art grüne Marke des kleinsten skandinavischen Landes, das unter diesem Titel seine Energiebeschaffung und den -verbrauch binnen 30 Jahren komplett umstellen will. Im "House of Green" in Kopenhagen gleich neben dem Tivoli geben sich Delegationen aus aller Welt die Klinke in die Hand, 189 im Jahr, und stetig steigend, sagte Cecilie Buch Thomsen von "State of Green", die über die dänische "Green Transition" informiert. In der Organisation sind 600 Gruppierungen aus Kommunen, der Regierung, der Wirtschaft und aus Institutionen zusammengefasst, die u.a. ihr Know-how vernetzen.

Seit 1980 ist die dänische Wirtschaft laut Buch Thomsen um 80 Prozent gewachsen, ohne dass sich der gesamte Inlandsenergieverbrauch geändert hätte. Das soll auch so bleiben, bis der Übergang zu einer grünen und ressourceneffizienten Wirtschaft erreicht ist, die völlig unabhängig von fossilen Brennstoffen agiert. Im Bereich Heizen und Heißwasser für Haushalte etwa hat man sich früher als alle anderen Länder für zentrale gemeinschaftliche Heizsysteme auf Fernwärmebasis (64 Prozent aller Haushalte, davon 55 Prozent auf Basis erneuerbarer Energien wie Solarthermie) entschieden. Die eine Zersiedelung stark hemmende dänische Raumordnung und der hohe Isolierungsgrad dänischer Häuser tun ihr Übriges in Richtung hohe Energieeffizienz. Und: Dänemark kann auf emissionsfreie Stromgewinnung durch beständige Windkraft setzen.

Zum Vergleich: In Österreich ist der gesamte Inlandsenergieverbrauch seit 1980 um rund 45 Prozent gewachsen, von 990 Petajoule auf 1.435 PJ. Zwischen 2009 und 2016 ist der Verbrauch allerdings mit rund 1.435 PJ annähernd gleich geblieben, bei einer vergleichbaren wirtschaftlichen Entwicklung, wie die Energieagentur Steiermark mitteilte.

Österreich hat ähnliche Ziele wie "State of Green" mit der Energie- und Klimastrategie 2030, in der die Reduktion der Treibhausgasemissionen um 36 Prozent gegenüber 2005 sowie eine Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien von momentan 34 Prozent auf 45 bis 50 Prozent angepeilt wird. Strom soll dabei - bilanziell über ein Jahr gesehen - zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen wie Wasserkraft stammen, was von dänischen Gesprächspartnern auch stets als größter Vorteil Österreichs wie bei Dänemark die Windkraft betont wird. Allerdings sind in der "Mission 2030" im Gegensatz zum dänischen "State of Green"-Programm wenige konkrete Maßnahmen definiert.

Die Steiermark hat ebenfalls ihre "Klima- und Energiestrategie Steiermark 2030" und ebenso die Senkung der Treibhausgase um 36 Prozent sowie die Steigerung der Energieeffizienz um 30 Prozent und die Anhebung des Anteils erneuerbarer Energien auf 40 Prozent festgeschrieben. Den Beschlüssen sollen regelmäßig Aktionspläne folgen, der erste ist in Ausarbeitung, Projekte wie "Big Solar" bei Graz, die Gewinnung von Fernwärme aus Solarthermie nach dänischem Vorbild, sollen die Steiermark wie Dänemark bis 2050 CO2-neutral und unabhängig von fossilen Energien machen, umriss LHStv. Michael Schickhofer (SPÖ) in Kopenhagen das Langzeitziel.

In einem Bereich hat Österreich im Vergleich zu Dänemark schon seit Jahren die Nase vorne: In Kopenhagen wurde erst 2017 die rigorose Trennung von Plastikabfall vom Haushaltsmüll eingeführt.

Kopenhagen als Großstadt dient im Rahmen der Strategie sozusagen als großes Labor - in neuen Stadtteilen, die aus alten Industrievierteln geschaffen werden - testet man den Verbund von klimaneutralen Technologien wie u.a. Kühlung mit Meerwasser, Installation von Solarpaneelen in neuen Stadtteilen: Das neue Schauspielhaus etwa am Hafen nahe dem königlichen Schloss wird über ein wie Flügel funktionierendes System von aufklappenden Fenstern gelüftet. Wie auch bei der gegenüber auf der Insel Holmen gelegenen neuen "Operaen" sorgt Meerwasser für Kühlung, die durch das Publikum erwärmte Luft bei Vorstellungen am Abend wird zur Heizung tagsüber verwendet. Im Park am St. Annae-Platz sind die Rasenflächen etwas abgesenkt worden, um als eine Art Retentionsbecken bei den auch in Koenhagen immer heftiger ausfallenden Niederschlägen zu dienen. Zudem spart das zurückgehaltene Wasser Mittel für die Bewässerung grüner Flächen. Als Einzelmaßnahmen mögen diese Projekte niedlich wirken, aber wenn sie wie in Kopenhagen flächendeckend angegangen werden, ist die Ersparnis bei einer 613.000-Einwohner-Stadt beachtlich.

Die früheren Hafen- und Industriegegenden Nordhavn und Sydhavn sollen in attraktive und CO2-neutrale Wohnviertel umgewandelt werden, in denen alle lebensnotwendige Infrastruktur binnen 400 Meter Umkreis und somit bequem per Rad, zu Fuß oder mit Öffis in fünf Minuten erreichbar sein soll. Dies soll den innerstädtischen Autoverkehr unter 25 Prozent gegenüber heutzutage bringen.

Nordhavn soll als "Stadt am Wasser" hohe Lebensqualität für 40.000 Bewohner mit gleich vielen Arbeitsplätzen bringen. Strom, Wärme und Kälte sollen nachhaltig erzeugt werden, Smart Meter lassen den zu jeder Tageszeit erforderlichen Verbrauch vorausberechnen, worauf sich wiederum die Energieerzeuger untereinander aus Windkraft, Biomasse und Solartechnologie einstellen können. Gemeinsame Energieversorgungssysteme werden stufenartig in Gebäude und Stadtstrukturen integriert, es werden bewährte Technologien verwendet, neue schrittweise erprobt.

Dem neuen Stadtteil soll man Futurismus nicht ansehen - er soll geschichtsträchtige Gebäude neuer Nutzung zuführen und mit Inseln, großen Grünbereichen, Kanälen und Uferpromenaden Wohnen am Meer und gleichzeitig in der Stadt ermöglichen. Die Fast Lanes für Fahrräder ermöglichen jetzt schon ein Erreichen des Zentrums in zehn Minuten. Ein weiteres "grünes" Stadtentwicklungsprojekt am 330.000 Quadratmeter großen Gelände der 2009 nach Frederiksborg abgesiedelten Brauerei Carlsberg wird eine Mischung aus sanierten Altbauten, Neubauten und neuen Gewerbebauten für Unternehmen, Einzelhändler, Kultur- und Sporteinrichtungen beinhalten. Der Plan mit Fahrradstraßen Niedrigenergiehäusern und Anbindung an das Fernwärmesystem in Kopenhagen wurde 2009 beim World Architecture Festival in Barcelona mit dem Preis für den Besten Masterplan ausgezeichnet. In Graz hat man mit den Reininghausgründen ebenfalls einer ehemaligen Brauerei in der Stadt eine ähnliche Ausgangsposition - was seit Jahren hier fehlt, sind allerdings ernsthaft ambitionierte Pläne und deren Umsetzung.

In Dänemark herrscht laut Vertretern von "State of Green" ein Allparteien-Konsens der politischen Parteien in Hinblick auf das Ziel 2050. Über den Weg dorthin und die zu ergreifenden Maßnahmen herrschen je nach bevorstehender Parlamentswahl offenbar unterschiedliche Ansichten. "Aber das Thema Energieunabhängigkeit und CO2-Emissionsfreiheit steht immer an der Spitze der Prioritäten dänischer Bürger. Da können auch Terroranschläge oder Migration nichts daran ändern", ist sich Kenneth Meldgaard Larsen von "Energieeffektive Gebäude" sicher.

Leverkusen/St. Louis (APA/dpa) - Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer kann mit der Integration des übernommenen US-Saatgutunternehmens Monsanto beginnen. Mit dem nun vollzogenen Verkauf von Geschäftsteilen an den deutschen Konkurrenten BASF sind die Voraussetzungen erfüllt, wie Bayer am Donnerstag mitteilte. Bayer ist bereits seit dem 7. Juni alleiniger Eigentümer von Monsanto.
 

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Bayer beginnt mit Monsanto-Integration

New York/Palo Alto (Kalifornien) (APA/Reuters) - Tesla-Chef Elon Musk und seinem Unternehmen drohen nach Einschätzung von Rechtsexperten keine drakonischen Strafen für die womöglich voreilige Ankündigung eines Börsenabschieds per Twitter.
 

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Experten - Tesla-Chef kann auf Milde der Börsenaufsicht hoffen

Wolfsberg (APA) - Das australische Unternehmen European Lithium, das auf der Koralpe im Süden Österreichs Lithium abbauen möchte, ist auf Investorensuche. Die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft (AG) und ein Listing im amtlichen Handel an der Wiener Börse seien geplant, hieß es in einer Aussendung am Donnerstag. Seit Oktober 2017 notiert European Lithium bereits am Dritten Markt der Wiener Börse.
 

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European Lithium will in amtlichen Handel an Wiener Börse