Cybercrime-Netzwerk zockte österreich- und weltweit Bankkunden ab

Wien - Ein von der Ukraine aus operierendes Cybercrime-Netzwerk hat tausende Bankkunden weltweit abgezockt. In Österreich gibt es mindestens 200 Schadensfälle mit einem Volumen von rund 1,2 Millionen Euro, gab das Bundeskriminalamt (BK) am Donnerstag mit Vertretern von Europol, Eurojust und den Strafverfolgungsbehörden fünf weiterer europäischer Länder in Wien bekannt. Die Ermittlungen gehen aber weiter.

Die Kriminellen verwendeten Hackerprogramme, um in Online-Banking-Systeme einzudringen, dort Trojaner zu installieren und damit die Sicherheitseinrichtungen der Finanzinstitute zu zerstören. In Österreich sollen alle Großbanken betroffen gewesen sein. Jeder der Cyberkriminellen hatte eine spezielle Aufgabe und die Gruppe war an der Beschädigung von zehntausenden Computern beteiligt, wobei es durch das Stehlen von Zugangsdaten auch zur Geldwäsche mittels "Geldmühlen-Netzwerken" gekommen sei.

Mit Computer-Schadprogrammen wie "Spyeye", "ICE IX" und "Citadel" wurden TAN-Codes (Transaktionsnummern für das Online-Banking) ausspioniert. Die Beschuldigten tätigten mit den gephishten Daten Überweisungen auf eigene Konten. Mittelsmänner, sogenannte Finanzagenten oder "Money Mules", transferierten das Geld nach Osteuropa weiter.

Ins Rollen kam der Fall bereits 2011 durch eine Anzeige eines Geschädigten aus Salzburg. Um der internationalen Dimension gerecht zu werden, wurde 2013 unter der Leitung der Staatsanwaltschaft Wien ein "Joint Investigation Team", kurz JIT Mozart, gegründet, unter Einbindung von Belgien, Finnland, Großbritannien, den Niederlanden und Norwegen und unterstützt durch Europol und Eurojust - das bisher größte JIT überhaupt.

Insgesamt wurden bisher rund 60 Beschuldigte ausgeforscht bzw. festgenommen, zuletzt gab es am 18. und 19. Juni fünf Festnahmen in der Ukraine. Zuvor war im März ein als Drahtzieher geltender Verdächtiger ausgeforscht worden. Das Strafverfahren in Österreich richtet sich gegen 55 Beschuldigte. Ihnen wird vorgeworfen, als via Spam-Mails angeworbene "Finanzagenten" ihre Konten für Überweisungen zur Verfügung gestellt zu haben. Lang zeigte sich "überrascht über die Bereitschaft einer relativ großen Anzahl an Personen" in Österreich, sich an solchen Geldwäschesystemen zu beteiligen. Der bis jetzt erwiesene Gesamtschaden liegt bei zwei Millionen Euro.

Abgeschlossen ist die Arbeit der Ermittler nicht: "Es ist wahrscheinlich, dass wir erst im ersten Viertel dieses Falles stehen", meinte Lang: Von rund 17 Terabyte an sichergestellten Daten, das seien 20 bis 40 Millionen Seiten, wurden bisher rund 1,7 Terabyte ausgewertet. Der Akt der Staatsanwaltschaft Wien ist 58 Bände, also ungefähr 30.000 Seiten dick. Ermittelt wird wegen des Verdachts des betrügerischen Datenverarbeitungsmissbrauchs, der kriminellen Organisation und des schweren Betrugs.

Wien (APA) - Der frühere Lobbyist und FPÖ-Politiker Walter Meischberger hält seine Anklage in der Causa Telekom Austria/Parteienfinanzierung für parteipolitisch motiviert und wehrt sich gegen den Vorwurf der Geldwäsche. Das geht laut einem Bericht des "Standard" (Wochenendausgabe) aus den "ergänzenden Ausführungen" seines Rechtsanwalts zum Einspruch gegen die Anklageschrift hervor.
 

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Telekom-Anklage: Meischberger wehrt sich gegen Geldwäschevorwurf

Berlin/Washington (APA/Reuters) - Der deutsche Wirtschaftsstaatssekretär Matthias Machnig hat nach Gesprächen in den USA die Hoffnung auf eine gütliche Beilegung der handelspolitischen Streitigkeiten zwischen beiden Ländern genährt. "Es gibt eine konstruktive Grundhaltung", sagte er am Freitag nach seinen Unterredungen mit hohen Vertretern der US-Regierung und der Wirtschaft.
 

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Deutscher Politiker: Entspannter im Handelsstreit mit USA

Air Berlin - Unterlegene Bieter zürnen, Arbeitnehmer in Sorge

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