Credit Suisse will Verlustjahre hinter sich lassen

Zürich (APA/Reuters) - Nach drei Jahren mit tiefroten Zahlen sieht sich die Credit Suisse an einem Wendepunkt. Dank Fortschritten bei dem Ende 2015 angestoßenen Konzernumbau steuert die zweitgrößte Schweizer Bank im laufenden Jahr erstmals seit 2014 wieder auf einen Gewinn zu. Das neue, vor allem auf reiche Privatkunden ausgerichtete Geschäftsmodell greife, sagte Konzernchef Tidjane Thiam.

"Es war harte Arbeit und es gibt immer noch viel zu tun", erklärte er. "Aber viele Indikatoren zeigen in die richtige Richtung." Das Jahr habe gut begonnen. Dies gelte insbesondere für das Handelsgeschäft, in dem die Erträge in den ersten sechs Wochen zweistellig zugelegt hätten.

Im vergangenen Jahr wies die Credit Suisse nochmals einen Verlust von 983 Millionen Franken (853 Mio. Euro) aus. In den beiden Vorjahren hatte das Institut in Summe bereits rund 5,6 Milliarden Franken verloren. Schuld an dem neuen Fehlbetrag ist allerdings die US-Steuerreform, die zu einer Sonderbelastung von rund 2,3 Milliarden Franken führte und auch bei den Abschlüssen der Rivalen Deutsche Bank, UBS oder den großen amerikanischen Instituten Bremsspuren hinterließ. Auf ihre Boni verzichten müssten die Manager und Mitarbeiter dennoch nicht, weil sie nicht für die Steuerpolitik von US-Regierung verantwortlich gemacht werden könnten, sagte Thiam.

Denn im Tagesgeschäft lief es der Credit Suisse dank etwas höherer Einnahmen, vor allem aber tiefen Einschnitten bei den Kosten, deutlich besser als noch im Vorjahr. Der Vorsteuergewinn kletterte auf 1,8 Milliarden Franken. Dennoch hat die Bank noch einen langen Weg vor sich. Bis 2020 peilt Credit Suisse eine Gewinnsteigerung auf fünf bis 5,5 Milliarden Franken an. Mirabaud-Fondsmanager Thomas Jäger sieht die Bank auf gutem Weg: "Sie machen große Schritte nach vorne bei der Kostenbasis und in einem guten Umfeld sollten sie überproportional profitieren, wenn es bei den Erträgen bergauf geht." Andere Investoren sahen das ähnlich, die Credit-Suisse-Aktien kletterten auf 3,2 Prozent.

In vier von fünf Divisionen verbesserte Credit Suisse das Ergebnis. Den größten Sprung machte dabei der Wertpapierhandel, der trotz einer geschrumpften Angebotspalette bei den Kunden gut ankomme, erklärte Thiam. Der ehemalige Versicherungsmanager hat die Risiken des Konzerns vor allem im Handel drastisch reduziert und das Unternehmen ganz auf Superreiche ausgerichtet, bei denen die Bank ihre Stärken ausspielen könne.

"Wir sind gut im Investmentbanking und in der Vermögensverwaltung und diese Kunden nutzen beides", erklärte Thiam. So könne die Bank etwa einem Unternehmer, der seine Firma mit Hilfe der Credit Suisse an die Börse gebracht habe, die Verwaltung des mit der Transaktion erlösten Geldes übernehmen. Über drei Viertel der neu eingesammelten Vermögen stammten von Personen mit mindestens 50 Millionen Franken. Vor zwei Jahren entfielen erst rund die Hälfte der Neugelder auf Superreiche.

Mit der engen Verzahnung von Vermögensverwaltung und Beratung hat die Bank offenbar einen Nerv getroffen, denn das Institut wuchs zuletzt schneller als der Erzrivale UBS. "In der Erfolgsrechnung sehen wir nach wie vor Anzeichen, dass es im Asset-Gathering-Geschäft der CS deutlich besser läuft als bei der UBS", erklärte ZKB-Analyst Javier Lodeiro.

Während die Credit Suisse positiv überraschte, sorgte die ebenfalls in einem tiefgreifenden Umbau steckende Deutsche Bank mit ihrer Jahresbilanz Anfang des Monats für Ernüchterung. Konzernchef John Cryan musste einräumen, dass 2018 die Kosten mit 23 Milliarden Euro um eine Milliarde Euro über dem Ziel liegen werden. Das strategische Problem bei den Frankfurtern: Sie sind stark vom Anleihen-Geschäft abhängig, das sich seit Jahren im Krebsgang befindet. Und in einem zweiten wichtigen Standbein, dem Geschäft mit deutschen Privat- und Firmenkunden, erlitt die Bank zuletzt einen Gewinneinbruch.

Frankfurt/London/Brüssel (APA/Reuters) - Die Regierungskrise in Großbritannien hält Anleger von Engagements an den Aktienmärkten ab. Der Dax schloss am Freitag knapp im Minus mit 11.341 Punkten und auch der EuroStoxx50 gab auf 3184 Zähler nach. Auch die Wiener Börse hat knapp im Minus geschlossen. Der ATX fiel 1,01 Punkte oder 0,03 Prozent auf 3.134,10 Einheiten. Der US-Standardwerteindex Dow Jones kam ebenfalls kaum vom Fleck.
 

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Brexit-Chaos macht Anlegern weiter zu schaffen

Washington (APA/Reuters) - Die US-Notenbank Fed steuert laut ihrem Vizechef Richard Clarida auf einen Zinssatz zu, der die Konjunktur weder hemmt noch fördert. Sich auf einem solchen "neutralen" Niveau zu bewegen, sei sinnvoll, sagte der Währungshüter am Freitag dem Sender CNBC. Er sei nicht der Meinung, dass die Erhöhungen der Fed zu weit gingen oder zu schnell vollzogen würden.
 

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Vizechef der US-Notenbank für Zinserhöhungen mit Augenmaß

Rom (APA) - Der italienische Premier Giuseppe Conte plant ein Treffen mit EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker, um ihm zu erklären, warum Italien an seinem umstrittenen Haushaltsplan festhält. Anfang nächster Woche werde er Kontakt zu Juncker aufnehmen, berichtete Conte am Freitag im Gespräch mit Journalisten in Rom.
 

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Italien-Budget: Conte plant nächste Woche Treffen mit Juncker