Credit Suisse muss im Kampf gegen Geldwäscherei nachsitzen

Zürich (APA/awp/sda) - Ob bei der FIFA, prominenten Ölkonzernen oder einem Spitzenpolitiker: Die Credit Suisse hat über Jahre zu wenig genau hingesehen. Die Finanzmarktaufsicht Finma fordert nun weitere Verbesserungen bei den bankinternen Kontrollen. Ein Aufpasser soll die Umsetzung bei der Schweizer Großbank überwachen.

Die Credit Suisse kam den Sorgfaltspflichten bei der Geldwäschereibekämpfung nur mangelhaft nach und hat Schwächen in der Organisation, wie die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma am Montag mitteilte. Die Bank habe allerdings bereits seit Ende 2015 die sogenannte Compliance gestärkt und "substanziell verbessert".

Bereits ergriffene Schritte müssten jedoch noch schneller umgesetzt werden. Zudem ordnet die Finma zusätzliche Maßnahmen an.

Die Großbank selbst betont, dass die untersuchten Fälle noch aus den Jahren 2006 bis 2014 stammten. Man habe die Mängel von sich aus gemeldet, mit der Finma kooperiert und proaktiv Maßnahmen zur Abhilfe ergriffen, schrieb die CS am Montag in einer eigenen Mitteilung.

Zwei Enforcementverfahren schloss die Firma in diesem Monat ab. So gab es bei der Großbank Fehlverhalten im Kontext von mutmaßlichen Korruptionsfällen rund um den Fußballverband FIFA, den brasilianischen Ölkonzern Petrobras sowie den venezolanischen Ölkonzern PDVSA.

In Sachen Fifa, Petrobras und PDVSA klärt die Aufsichtsbehörde seit 2015 bei mehreren Schweizer Banken, ob Kunden in diese Fälle involviert waren und ob sich die Banken korrekt verhalten haben. Die Verfehlungen seien bei der CS über Jahre hinweg und wiederholt aufgetreten, schrieb die Finma. Überdurchschnittlich viele Mängel fanden sich bei Geschäftsbeziehungen der ehemaligen CS-Tochter Clariden Leu.

Das zweite Verfahren betrifft "eine für die Bank bedeutende Geschäftsbeziehung mit einer politisch exponierten Person". Hier habe die CS insbesondere Mängel im Kontrollsystem und im Risikomanagement aufgewiesen, so die Finma. Die Bank habe die Risiken dieser Geschäftsbeziehung über Jahre weder angemessen erfasst noch überwacht.

Der betraute (und inzwischen strafrechtlich verurteilte) Kundenberater verletzte wiederholt und aktenkundig Compliance-Vorschriften. Anstatt ihn jedoch rechtzeitig zu disziplinieren, wurde er mit hohen Entschädigungen und positiven Mitarbeiterbeurteilungen honoriert.

Bekanntlich wird einem ehemaligen Vermögensverwalter der CS vorgeworfen, in Genf rund 100 Millionen Franken (88,70 Mio. Euro) veruntreut zu haben, namentlich zu Ungunsten des georgischen Ex-Premierministers Bidsina Iwanischwili und russischer Kunden.

Die Credit Suisse muss jetzt ihre Kontrollen anpassen und beweisen, dass Geschäftsbeziehungen und Transaktionen mit erhöhten Risiken angemessen erkannt, kategorisiert, überwacht und dokumentiert werden. Ein unabhängiger Beauftragter wird dies überprüfen.

So verlangen die Bankenaufseher, dass bis Ende 2019 sämtliche Rollen und Beziehungen eines Kunden für alle relevanten Stellen innerhalb der Bank auf Knopfdruck sichtbar sein müssen. Die Credit Suisse ist seit 2015 daran, eine solche Gesamtsicht zu implementieren.

Insgesamt hat sich bei der Bank seither einiges beim Thema Compliance getan. Im Oktober 2015 gliederte die Bank etwa den Bereich "Legal and Compliance" auf und schuf die eigenständige Funktion "Group Compliance and Regulatory Affairs", die direkt dem CEO unterstellt ist. In weniger als drei Jahren seien zudem über 800 zusätzliche Spezialisten eingestellt worden.

Fast zeitgleich lobte zudem Konzernchef Tidjane Thiam die Fortschritte der Bank in Sachen Compliance: "Seit meinem Beginn haben wir die Kosten um 4 Mrd. Franken reduziert, sind bei der Risikokontrolle jedoch keine Kompromisse eingegangen." Die verschiedenen Maßnahmen hätten zu nachhaltigen Verbesserungen in der Organisation geführt, sagte Thiam im Interview mit der "NZZ am Sonntag". Und: "Da man im Bereich Compliance jedoch nie genug tun kann, werden wir weiter darin investieren."

Auch auf Gewinnebene zeigte sich Thiam zuversichtlich: Für die nächsten zwei Jahre sei ein Gewinn zwischen 5 und 6 Mrd. Franken realistisch.

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