Credit-Suisse-Chef gerät zunehmend in Erklärungsnot

Ein Milliarden-Verlust, taumelnde Märkte und desillusionierte Anleger: Nicht einmal vier Monate, nachdem der neue Credit Suisse -Chef mit Pauken und Trompeten eine neue Strategie verkündete, gibt Tidjane Thiam schon Durchhalteparolen aus. "Wir müssen die Nerven behalten", sagte der Ivorer. "Die größte Gefahr für eine Firma ist es, sich von kurzfristige Faktoren treiben zu lassen." Doch die Botschaft, dass alles auf Kurs ist, kommt nicht richtig an. Immer mehr Analysten fragen sich, ob die nach der UBS zweitgrößte Schweizer Bank die mittelfristigen Ziele auch tatsächlich erreicht. Die Folge: Die Investoren flüchten in Scharen - die Credit-Suisse-Aktie stürzte auf den tiefsten Stand seit 1992 ab.

Der bei seiner Ernennung im Vorjahr als Sanierer gefeierte Thiam verkündete am Donnerstag den ersten Jahresverlust des Instituts seit 2008. Vor allem Abschreibungen auf der überteuerten Übernahme der US-Investmentbank Donaldson, Lufkin & Jenrette sowie schleppende Geschäfte im Investmentbanking brockten dem Unternehmen 2015 einen Fehlbetrag von 2,94 Milliarden Franken ein. "Es ist nie erfreulich, Verluste zu haben, aber sie sind verdaubar", sagte er. Sein vielgescholtener Vorgänger Brady Dougan hatte vor einem Jahr immerhin einen Gewinn von 1,9 Milliarden Franken präsentiert. Auch bei der Deutschen Bank verschlingen die Aufräumarbeiten des neuen Konzernlenkers John Cryan viel Geld. Vergangenen Monat mussten die Frankfurter einen Rekordverlust von fast sieben Milliarden Euro melden.

HANDELSGESCHÄFT LÄUFT BESONDERS SCHLECHT

Analysten wie Javier Lodeiro von Safra Sarasin gehen davon aus, dass Thiam im Zuge seines Großreinemachens insgesamt eher etwas mehr Belastungen verbuchte, als absolut nötig gewesen wäre. Doch selbst ohne die zahlreichen Sonderfaktoren fiel der Abschluss deutlich unter den Analystenerwartungen aus. Denn auch im Tagesgeschäft kommt Credit Suisse nicht auf Touren. Die Gesamterträge schrumpften im Schlussquartal um ein Drittel. Das werteten Experten als alarmierend, weil Thiam den angepeilten Gewinnsprung vor allem dank Wachstum und weniger durch Einsparungen erreichen will.

Besonders mies schnitt das Handelsgeschäft ab. Wie schon die Abschlüsse von Goldman Sachs und anderen US-Banken gezeigt haben, läuft der Anleihenhandel so schlecht wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Aber auch im Geschäft mit reichen Privatkunden, die im Zentrum der neuen Strategie Thiams stehen, hakt es. In zwei der drei Vermögensverwaltungsdivisionen musste die Bank im Schlussquartal Milliarden-Abflüsse verdauen, nur in Asien konnte das Institut mehr Geld einsammeln.

Wie der Erzrivale UBS leidet auch die Credit Suisse darunter, dass viele Kunden die Lust auf Börsengeschäfte verloren haben. Und eine schnelle Verbesserung ist nicht in Sicht. "Das Umfeld hat sich im vierten Quartal 2015 deutlich verschlechtert", räumte Thiam ein. Es sei nicht absehbar, wann sich die negativen Trends an den Finanzmärkten abschwächten. Als Reaktion drückt bei den Einsparungen aufs Tempo.

Ohne Wachstum liegt sein Ziel eines Vorsteuergewinns von neun bis zehn Milliarden Franken aber außer Reichweite. Angesichts der Krise in China und der kollabierenden Rohstoffmärkte sieht sich Thiam indes scharfem Gegenwind ausgesetzt. "Um nur schon in die Richtung der angestrebten Ziele zu kommen, benötigt die CS den Rückenwind der Märkte", erklärte ZKB-Analyst Andreas Brun. "Die Zielerreichung per 2018 scheint unrealistischer denn je." Thiam gab sich indes unbeirrt. Credit Suisse habe immer noch 35 Monate Zeit.

GREIFEN HEDGE FONDS AN?

Dabei hat sich noch eine neue Front aufgetan. Trotz der Kapitalerhöhung im Dezember liegt die Kernkapitalquote bei lediglich 11,4 Prozent. Bei dieser Zahl, die die Widerstandskraft gegen Finanzmarktstürme widergibt, liegt Credit Suisse deutlich hinter der UBS. Auf der Pressekonferenz musste sich Thiam bereits der Frage stellen, ob er eine weitere Kapitalerhöhung ausschließen könne. Er wich der Frage aus und erklärte, der im kommenden Jahr anstehende Teil-Börsengang der Schweiz-Tochter des Konzerns dürfte bis zu vier Milliarden Franken in die Kasse spülen und fungiere als Sicherheitsnetz.

Die Bilanz ist von besonderes Bedeutung für die Bank, weil Thiam im riskanten Investmentbanking weiter große Räder drehen will. Credit Suisse hat das Geschäft zwar eingedampft, von einem Ausstieg will sie aber nichts wissen. "Wir werden das Kind nicht mit dem Bade ausschütten", sagte der Manager. Die Wette, dass sich der Handel und das Kapitalmarktgeschäft längerfristig als Gewinnbringer erweisen, wird Thiam auch in Zukunft immer wieder begründen müssen. Mit dem Einbruch des Aktienkurses um rund 13 Prozent auf 14,35 Franken ist nicht ausgeschlossen, dass Credit Suisse Hedgefonds anlockt, die mit aggressiven Methoden auf eine Aufspaltung des Konzerns drängen könnten. "Es gibt genug Aktivisten, die sich solche Situationen genau anschauen", erklärte ein Investmentbanker.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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Novartis investiert 200 Mio. Euro in Tiroler Standorte

Rom/Menlo Park (APA) - Nachdem die US-Internetriesen Google und Amazon wegen vermuteter Steuerhinterziehung ins Visier der italienischen Justiz geraten sind, hat sich Facebook mit Italiens Steuerbehörden auf die Zahlung von 100 Mio. Euro geeinigt, um ein Steuerverfahren abzuschließen. Die Mailänder Justiz hatte dem E-Commerce-Riesen Steuerhinterziehung in Höhe von 300 Mio. Euro vorgeworfen, so italienische Medien.
 

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Facebook einigt sich mit italienischem Fiskus und zahlt 100 Mio. Euro