Cobin Claims: Wienwert ließ Anleger über das Hauptrisiko im Unklaren

Wien (APA) - Nach Meinung des Anlegerschützer-Vereins Cobin Claims ist den Wienwert-Investoren bei den Anleiheemissionen das Hauptrisiko nicht in adäquater Form dargestellt worden, nämlich dass die Zeichner vielfach ein Equity-, also Eigenkapitalrisiko zu tragen haben und es sich nicht um einen besicherten Bond handelt. Das angekündigte Sanierungsverfahren begrüßt der Verein, ist aber zum Geschäftsmodell skeptisch.

Neben der Sanierung des Unternehmens wünscht man sich eine "intelligente gerichtliche oder außergerichtliche Durchsetzung der Ansprüche" der Anleihenzeichner, wie Cobin-Claims-Obmann Oliver Jaindl im APA-Gespräch sagte - "außergerichtlich bringt sicher mehr". Auch sollten die Anleger möglichst unbürokratisch Anschluss auch an ein allenfalls folgendes Strafverfahren erhalten.

Es sollte möglichst rasch einen detaillierten Finanzstatus für die demnächst offiziell insolvente WW Holding AG und auch ihrer Tochter Wienwert AG geben. Als erstes müsse der Masse- oder Sanierungsverwalter die Deckungslücke bei der WW Holding AG eruieren, danach werde man prüfen müssen, wann überhaupt wirtschaftlich die tatsächliche Insolvenz eingetreten ist. "Die Wienwert AG wiederum, die ja ebenfalls zwei Anleihen begeben und bereits im ersten Halbjahr 2017 die Hälfte des Grundkapitals verloren hat, ist ebenfalls nicht isoliert zu betrachten, da nicht auszuschließen ist, dass diese Gesellschaft Finanzmittel an die WW Holding AG ausgereicht hat", betont man beim Verein. Abgesehen davon habe auch eine WW 5 WH 150 GmbH Anleihen emittiert.

Cobin Claims hat nach eigenen Angaben schon ein Drittel der insgesamt - mit 35 Mio. Euro - betroffenen 900 Anleger hinter sich versammelt, nach letztem Stand mehr als 310. Dass die angestrebte Sanierung ohne Eigenverwaltung (wodurch nur 20 statt 30 Prozent Mindestquote nötig sind) auch wirklich gelingen kann, ist für Jaindl noch nicht ausgemachte Sache, "hier habe ich noch Bauchweh". Denn der Berater PwC habe schon früher nur maximal 14 Prozent Quote für ein Insolvenzszenario ermittelt, also den Verlust von sechs Siebenteln. Positiv wäre aus Sicht des Anleger-Verein, wenn der angestrebte neue Wienwert-Eigentümer, der mit Hochdruck gesucht wird und in wenigen Wochen gefunden sein soll, "alle offenen Forderungen übernimmt und es höhere Quoten gibt".

Das jetzige Wienwert-Management - im Frühjahr 2016 zur Sanierung eingesetzt - "soll konstruktiv an der Aufklärung der früheren Vorkommnisse mitarbeiten", verlangt Jaindl: "Denn die zentrale Frage ist: Wo ist das Geld hin? Wie konnte man binnen sieben Jahren derart horrend hohe Summen verbrennen - noch dazu in einem boomenden Immobilienmarkt?" Wahrscheinlich werde man nur in einem Strafverfahren über Geldflussanalysen klären können, wohin das Geld gewandert ist.

Aktuell sind ja noch insgesamt 16 Anleihen mit einem Zeichnungsvolumen von rund 35 Mio. Euro ausständig, wobei allein von 2010 bis Frühjahr 2016 in Summe 39,2 Mio. Euro eingesammelt wurden, bis Ende 2016 weitere 7,5 Mio. Euro. Rückzahlungen gab es zugleich bis Frühjahr 2016 laut dem Wienwert-Vorstand 5,2 Mio. Euro und im restlichen Jahr 2016 weitere 6,3 Mio. Euro.

Man habe die Bonds als "topsolide" dargestellt, viele Anleger seien davon ausgegangen, dass es trotz hoher Zinsen grundbücherliche Sicherheiten gebe. Die Verwendung von Anleiheerlösen als Eigenkapital in Untergesellschaften zur Darstellung von Kreditverhältnissen für (durch Pfandrechte besicherte) Banken sei nie klar kommuniziert worden. Die Anleger hätten auch keine risikoadäquate Verzinsung ihres Kapitaleinsatzes erhalten. Und für die zwei Emissionen des Jahres 2017 müsste es aus Sicht des Cobin-Claims-Obmanns überhaupt einen Rückabwicklungsanspruch geben.

"Ein reines Vermietungsmodell halte ich als Konzept für eine Rückführung der Anleihetranchen für nicht tragbar", sagte der Gutachter und Cobin-Claims-Vorstand Manfred Biegler zur APA. Problematisch erscheine hier vor allem ein typisches Problem bei Immobiliengesellschaften: Durch die Vermietungserlöse werde zwar regelmäßig Liquidität in der Gesellschaft geschaffen, aber diese sei aufgrund der Abschreibungen und Buchwertabgänge regelmäßig bilanziell nur zum Teil ausschüttbar. Sollen überhaupt Anleihetranchen rückgeführt werden, so werde man vielfach um Verkäufe des Vermietungsobjektes nicht herumkommen. "Fraglich ist daher, wie die WW Holding AG zur erforderlichen Liquidität gelangen will", so Biegler.

Für Erstaunen auch beim Anleger-Verein sorgt die "Gegenforderung" der Wienwert-Gründer und Co-Eigentümer über 4,5 Mio. Euro, nachdem diese die von der Unternehmensgruppe verlangten gut 2 Mio. Euro nicht fristgerecht bis zum vierten Quartal 2017 gezahlt haben. Ursprünglich hatten die Gründer nach Darstellung des Vorstands sogar 6 Mio. Euro Schulden offen, die sich durch den mit 3,124 Mio. Euro abgegoltenen Erwerb der Markenrechte verringerten.

"Wenn sich die plötzlich neu auftretende Gegenforderung über vergangene Jahre erstreckt hat, dann wären diese nicht bilanziell erfasst worden und daher alle betroffenen Jahresabschlüsse falsch", meint Experte Biegler. Auch die Verzinsungsabrede für die ausgereichten Gesellschaftskredite an den Vorstand sieht er skeptisch. "Entweder holt man hinsichtlich der ausgereichten Gesellschafterkredite entsprechende Besicherungen ein, oder der Zinssatz entspricht einer marktkonformen Risikoausprägung. Beides war hier nicht der Fall."

Davos/Moskau (APA/AFP) - Russlands Regierungschef Dmitri Medwedew hat mit einem Boykott des Weltwirtschaftsforums in Davos im Jänner gedroht, sollten wichtige russische Geschäftsleute dort nicht willkommen sein. Er reagierte damit am Dienstag auf einen Pressebericht. Demnach sollen auf Druck der USA mehrere russische Geschäftsleute gebeten worden sein, im kommenden Jahr nicht an der Konferenz in Davos teilzunehmen.
 

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Russland droht mit Boykott des Weltwirtschaftsforums

Wien (APA) - Am vierten Tag des Telekom/Valora-Prozesses gegen die Ex-Lobbyisten Peter Hochegger und Walter Meischberger sowie den Ex-Telekom-Austria-Vorstand Rudolf Fischer ging es heute viel um einen Mann, der gar nicht angeklagt ist: Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (ÖVP/FPÖ), für den die Telekom beispielsweise Umfragen zu seinem Image und Privatleben bezahlte.
 

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Telekom/Valora - Privatflug mit Grasser, Weitflug mit Hühnern

Brüssel (APA/AFP) - Die EU-Kommission hat einen Notfallplan für den Fall eines Scheiterns der Brexit-Verhandlungen verabschiedet. Er enthält "eine begrenzte Zahl von Notfallmaßnahmen in vorrangigen Bereichen", wie die EU-Behörde am Dienstag mitteilte.
 

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EU veröffentlicht Notfallplan für Scheitern von Brexit-Verhandlungen