Chinas Zentralbank pumpt Milliarden in den Geldmarkt

Peking/Shanghai - Chinas Zentralbank legt nach und greift der schwächelnden Wirtschaft mit weiteren Maßnahmen unter die Arme. Die Währungshüter stützten am Mittwoch den Interbanken-Geldmarkt mit sogenannten kurzfristigen Liquiditätsgeschäften (SLO) in Höhe von 140 Mrd. Yuan (19,01 Mrd. Euro).

Diese Kredite, die nach sechs Tagen fällig werden, haben einen durchschnittlichen Zinssatz von 2,3 Prozent, wie die Notenbank mitteilte. Sie hatte die SLOs 2013 eingeführt, um ihren geldpolitischen Werkzeugkasten zu erweitern.

Erst am Dienstag hatte die Zentralbank die Leitzinsen gesenkt - und zwar zum fünften Mal seit November. Zudem bekommen Geschäftsbanken künftig mehr Freiraum bei der Kreditvergabe, was die nach den USA weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft ankurbeln soll. Schlechte Konjunkturdaten nährten zuletzt die Sorge, dass die Regierung in Peking ihr Wachstumsziel von sieben Prozent in diesem Jahr verfehlen könnte - es wäre ohnehin das geringste Plus seit einem Vierteljahrhundert. In der Folge brachen die chinesischen Börsen ein und setzten auch den weltweiten Finanzmärkten stark zu.

Trotz der Zinssenkung beruhigten sich die Aktienanleger in Fernost kaum. Der Leitindex der Börse Shanghai ging am Mittwoch 1,3 Prozent schwächer aus dem Handel, nachdem er in einem stark schwankenden Handel zeitweise mehr als vier Prozent im Plus gelegen hatte. Der Shanghai/Shenzhen-Index verlor 0,6 Prozent. Beide Barometer brachen allein in den vergangenen fünf Handelstagen um mehr als 20 Prozent ein.

Die jüngsten geldpolitischen Schritte könnten allerdings die Zinsmarge der Geschäftsbanken belasten, wie aus einem Bericht des Handelshauses Citic hervorgeht. Dabei haben Chinas Geldhäuser ohnehin damit zu kämpfen, dass das Kreditgeschäft immer weniger profitabel, dafür aber risikoreicher wird. Die fünf größten Institute dürften höhere notleidende Darlehen und geringeres Gewinnwachstum vermelden, wenn sie diese Woche neue Geschäftszahlen vorlegen.

Die Institute versuchen unterdessen mehr Geld mit Gebühren zu verdienen, welche bisher 20 bis 30 Prozent ihrer gesamten Einnahmen ausmachen. "Einige Bank-Manager sagen, sie zielen auf einen Anteil von 40 bis 50 Prozent", sagte Xingyu Chen, Analyst beim Wertpapierhändler Phillip Securities in Hongkong. Erträge, die nicht über Zinsen eingespielt werden, fallen etwa im Investmentbanking an, in der Vermögensverwaltung oder bei Depotgebühren.

Ein heikles Thema ist der Abfluss von Investorengeld, vor allem nach der jüngsten Yuan-Abwertung, die die Märkte überrascht hat. "Es ist klar, dass sich der Kapitalabfluss kurzfristig beschleunigen wird, egal, was China mit dem Yuan macht", warnte Oliver Barron vom Beratungshaus NSBO Beijing.

Derweil nimmt die Börsenaufsicht nach den heftigen Kursturbulenzen verstärkt Aktienhändler wegen des Verdachts illegaler Geschäftspraktiken ins Visier. Acht Mitarbeiter des landesweit größten Handelshauses Citic werden Verstöße gegen die Börsenregeln vorgeworfen, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Citic sei über das Vorgehen nicht informiert worden, erklärte das Unternehmen in einer Mitteilung an die Hongkonger Börse.

Auch gegen Journalisten gehen die Behörden vor. Einem Reporter des angesehenen Wirtschaftsmagazins Caijing wird wie anderen Verdächtigen die Verbreitung von Falschinformationen vorgeworfen. Ferner schränkten die Behörden für 164 Investoren den Handel am Terminmarkt für einen Monat ein. Ziel sei es, "Spekulation" einzudämmen.

Brüssel (APA/Reuters) - Der Defizitstreit zwischen der EU-Kommission und der italienischen Regierung verschärft sich. Die Brüsseler Behörde wird den Budgetentwurf aus Rom für das kommende Jahr ablehnen, wie der "Spiegel" am Mittwoch unter Berufung auf den deutschen EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger (CDU) berichtete.
 

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EU-Kommission weist Italiens Haushaltsentwurf zurück

Washington/Peking (APA/dpa) - US-Präsident Donald Trump hat ein neues Mittel gefunden, um China im Handelsstreit unter Druck zu setzen. Auf Anraten seines Wirtschaftsberaters Peter Navarro wolle Trump ein 144 Jahre altes Postabkommen aufkündigen, schrieb die "New York Times" am Dienstag unter Berufung auf hochrangige Regierungskreise.
 

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Trump könnte 144 Jahre altes Postabkommen mit China beenden

Wien (APA) - Im Korruptionsprozess gegen Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser, Ex-FPÖ-Generalsekretär Walter Meischberger, dessen früheren Anwalt Gerald Toifl und andere ging es heute am 57. Prozesstag einmal mehr darum, wem welche Konten gehörten. Kein leichtes Unterfangen, wie schon Meischberger beim Auffliegen des "Buwog-Skandals" anmerkte.
 

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Grasser-Prozess - "Wird alles etwas schwierig zu erklären"