CEO-Umfrage von PwC: Reformstau bremst Wirtschaftsstandort Österreich

Die österreichischen Unternehmenslenker schätzen die wirtschaftlichen Aussichten und die künftige Entwicklung noch pessimistischer ein als ihre ausländischen Kollegen. Dafür machen sie vor allem den Reformstau verantwortlich. Und die Rahmenbedingungen hierzulande verschlechtern sich weiter, warnten IV-Präsident Georg Kapsch und Aslan Milla von PwC Österreich am Mittwoch.

In erster Linie strukturelle Schwächen, Überregulierung und starke Steuerbelastung, zugleich wenig Bewegung und wenig Innovation führten die befragten heimischen 32 Top-CEO als Negativ-Punkte ins Treffen - weltweit hat die Beratergruppe 1.400 Firmenchefs interviewt. Damit bestätige sich für Österreich das, "was wir leider schon seit Jahren erleben - und die Rahmenbedingungen werden noch schlechter", sagte Milla vor Journalisten.

IV-Präsident Kapsch bezeichnete den CEO-Befund als "horribel". Dass unser Land international verglichen weiter hinten liege, müsse die heimische Politik einmal "aufwachen" lassen. "Österreich wird schlechter, schlechter, schlechter - egal welche Studie sie sehen. Das muss man ernst nehmen", forderte der Chef der Kapsch-Firmengruppe. Dies sage er nicht im eigenen Unternehmensinteresse, sondern weil ihm die Absicherung des Standorts ein Anliegen sei. Aus Unsicherheit seien die Betriebe zurückhaltend. Kapsch: "Wir stehen zu diesem Standort, und wir wollen ihn erhalten. Wir trauen uns aber nicht zu investieren, weil wir nicht wissen, wie sich die Rahmenbedingungen weiterentwickeln."

Die großen Reformthemen wie Föderalismus, Sozialpartnerschaft, Sozialversicherung, Gesundheitswesen werde man vorerst aber "nicht angreifen", fürchtet Kapsch; hier sieht er übrigens weniger den Bund als primär die übrigen Gebietskörperschaften gefordert. Auch Reformen im Pensionssystem seien nötig. Doch zu Steuerthemen erwartet er nicht, "dass noch große Schritte in dieser Legislatur kommen" - obwohl eine echte Steuerstrukturreform ausständig sei und die kalte Progression als schleichende Enteignung weg gehöre. Auch PwC-Experte Milla sieht die "Reise" bei den Steuern in Österreich in die falsche Richtung gehen. "Die jetzige Regierung wird das nicht angehen", meinte er, "aber die nächste Regierung wird es angehen müssen." Denn ein vereinfachtes Steuersystem fehle noch immer, schließlich sei die letzte Steuerreform nur eine Tarifreform gewesen, ist sich Milla mit Kapsch einig.

Bei den Hoheitsverwaltungsausgaben pro Kopf liege Österreich - kaufkraftbereinigt - mit 1.270 Euro jährlich um die Hälfte über dem EU-Schnitt von 850 Euro, "das sollte uns zu denken geben", meinte Kapsch. Es gehöre der Förderdschungel durchforstet - das IV-Steuerkonzept sehe hier die Streichung von 2 Mrd. Euro vor, erinnerte er. Die Transferleistungen - an Unternehmen, aber auch für Soziales - seien in den letzten Jahrzehnten spürbar gestiegen, die öffentlichen Investitionen dagegen gesunken. "Ein Drittel der netto verfügbaren Einkommen kommt schon aus Transfers, das ist ungesund für ein Land - das gehört treffsicherer gemacht."

Von den "sehr vielen guten Ideen" des Verfassungskonvents sei nichts umgesetzt worden, bedauerte der IV-Präsident. Und zu Arbeitsrecht oder Arbeitszeit gebe es "nur Blockaden". "Wir können uns nicht an den Rahmenbedingungen der 1970er und 1980er Jahre orientieren", fügte Kapsch in dem Zusammenhang hinzu. Ideen wie Wertschöpfungsabgabe, Vermögenssteuer, sechste Urlaubswoche (für alle) "verschrecken jeden Investor", warnte er: "Wir können über die noch relativ hohe Industriequote froh sein und über engagierte Unternehmer, sonst wären wir dort wo Griechenland ist."

Dem bereits neunzehnten Annual Global CEO Survey von PwC zufolge rechnen weltweit nur mehr 27 Prozent der Unternehmenschefs mit einer Verbesserung des globalen Wachstums in den kommenden zwölf Monaten - im Vorjahr waren es noch 37 Prozent. Und von den österreichischen CEO, für die es erstmals eine Detailauswertung gab, glauben aktuell 31 Prozent an globales Wirtschaftswachstum 2016. Nur 38 Prozent der heimischen Befragten sehen mehr Wachstumschancen als noch drei Jahre zuvor (weltweiter Schnitt 60 Prozent), dagegen 59 Prozent einen ernstzunehmenden Zuwachs an Bedrohungen für das eigene Unternehmen, wie es heißt.

Als größtes Ärgernis wird laut PwC die steigende Steuerbelastung empfunden - in Österreich sorgen sich 81 Prozent der Unternehmen darüber, in Deutschland nur 41 Prozent. Auch Überregulierung und die Reaktion der Regierung auf das Budgetdefizit und die Schuldenlast würden die heimische Wirtschaft (zu 78 Prozent) in Alarmbereitschaft versetzen, so das Beratungsunternehmen.

Ins eigene Unternehmen hätten die österreichischen CEO dagegen deutlich mehr Vertrauen als in die Weltwirtschaft und den heimischen Standort. 44 Prozent seien "sehr zuversichtlich", dass ihr Unternehmen 2016 weiter wächst, damit liege unser Land über dem globalen Schnitt von 35 Prozent und weit vor Deutschland mit 28 Prozent. Allerdings sei der Ausblick für die nächsten drei Jahre etwas gedämpfter als jener für die nächsten zwölf Monate, erklärt PwC.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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Novartis investiert 200 Mio. Euro in Tiroler Standorte

Rom/Menlo Park (APA) - Nachdem die US-Internetriesen Google und Amazon wegen vermuteter Steuerhinterziehung ins Visier der italienischen Justiz geraten sind, hat sich Facebook mit Italiens Steuerbehörden auf die Zahlung von 100 Mio. Euro geeinigt, um ein Steuerverfahren abzuschließen. Die Mailänder Justiz hatte dem E-Commerce-Riesen Steuerhinterziehung in Höhe von 300 Mio. Euro vorgeworfen, so italienische Medien.
 

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Facebook einigt sich mit italienischem Fiskus und zahlt 100 Mio. Euro