CA Immo: Wir sind keine Heuschrecke

Wien - Der Übernahmekampf zwischen CA Immo und Immofinanz tobt derzeit an mehreren Fronten - und es gibt auch schon einen klaren Gewinner: "Die Juristen freuen sich darüber", sagte CA-Immo-Finanzchef Florian Nowotny am Montag bei einem Pressegespräch in Wien. Gerungen wird aber nicht nur vor Gericht. Die CA Immo versucht auch mit Zeitungsinseraten, die Immofinanz-Aktionäre auf ihre Seite zu ziehen.

"Wir haben rechtliche Schritte eingeleitet, weil der Herr Zehetner (Immofinanz-Chef, Anm.) Aussagen getätigt hat, wo er uns quasi Rechtsbruch unterstellt hat", sagte CA-Immo-Vorstandschef Bruno Ettenauer. Insbesondere habe Eduard Zehetner den Vorwurf erhoben, dass die CA Immo Meldepflichten bezüglich des Aktienbestandes nicht eingehalten habe. "Da müssen wir klagen" um Glaubwürdigkeit zu bewahren, so Ettenauer. Darüber hinaus habe man die Übernahmekommission und die Finanzmarktaufsicht (FMA) mit der Frage der Zulässigkeit des Aktienrückkaufs durch die Immofinanz befasst.

Die Immofinanz wiederum hat die CA Immo beim Handelsgericht Wien geklagt. Der Vorwurf: Die CA Immo habe ein von beiden Unternehmen unterzeichnetes Stillhalteabkommen gebrochen, wonach es beide Unternehmen unterlassen müssen, Anteile am jeweils anderen Unternehmen zu erwerben. Mit der Klage will die Immofinanz verhindern, dass die CA Immo bei der außerordentlichen Hauptversammlung der Immofinanz am Freitag (17. April) ihre Stimmrechte ausüben kann. CA-Immo-Chef Ettenauer hat bereits angekündigt, gegen die auf der Tagesordnung stehenden geplanten Satzungsänderungen stimmen zu wollen.

"Ich kann mich nicht erinnern, dass es in Österreich eine ähnlich spannende Hauptversammlung gab, vor allem nicht bei so einem großen Unternehmen", sagte Nowotny. Wichtig sei vor allem die geplante Satzungsänderung, wonach künftig für die meisten Entscheidung nicht mehr eine einfache Mehrheit ausreichen soll, sondern eine 75-Prozent-Mehrheit erforderlich wird. "Das kann nicht im Interesse der Aktionäre sein", so Nowotny. Allerdings führt auch die CA Immo die gleiche Schwelle von 75 Prozent ein, das habe der Kernaktionär O1 beantragt um "Waffengleichheit herzustellen", sagte Ettenauer, "in solchen Situationen schaukelt sich das auf".

Dass die geplante Senkung der Beteiligungsschwelle für ein verpflichtendes Übernahmeangebot von 30 auf 15 Prozent nicht ungewöhnlich sei, wie von der Immofinanz behauptet, bestreitet Ettenauer. "Das ist komplett außerhalb des Marktstandards." In Österreich hätten nur Erste Bank und Wienerberger niedrigere Schwellen, nämlich 20 Prozent. Beide hätten diese Schwellen eingeführt, "ohne dass ein konkretes Übernahmeangebot laufen würde".

Den Vorwurf, das Stillhalteabkommen mit der Immofinanz gebrochen zu haben, weist der CA-Immo-Chef zurück. "Das Stillhalteabkommen ist nie in Kraft getreten, weil es keinen Austausch von sensiblen Daten gab." Es sei richtig, dass eine Stillhalte-Klausel im Zuge der Gespräche zwischen Immofinanz und CA Immo Anfang 2014 vereinbart worden sei, für den Fall dass es im Zuge dieser Gespräche zum Austausch vertraulicher Informationen kommen würde - dazu sei es aber nie gekommen.

Dass auch die Immofinanz das in Wahrheit so sehe, beweise die Tatsache, dass die Immofinanz schon im Sommer 2014 im Rahmen des Tenderverfahrens der Bank-Austria-Anteile an der CA Immo ein verbindliches Angebot abgegeben habe. Auch das am 23. März 2015 angekündigte Gegenoffert der Immofinanz an die Aktionäre der CA Immo wäre ja ein Bruch des Stillhalteabkommens, argumentierte Ettenauer. In Wahrheit versuche die Immofinanz nur, die Aktionäre ihm Rahmen der Hauptversammlung mundtot zu machen.

Dem Immofinanz-Vorstand wirft Ettenauer vor, das Neutralitätsgebot zu verletzen, indem es sich gegen die Beteiligung der CA Immo zur Wehr setze. Der Vorstand habe als weitere Abwehrmaßnahme in der sensiblen Phase des Übernahmeangebots "ein extrem aggressives Aktienrückkaufprogramm gestartet". Seither, also ab dem 1. April, sei der Kurs der Immofinanz-Aktie über die von der CA Immo angebotenen 2,80 Euro gestiegen, "um den Aktionären zu suggerieren, dass das der Marktpreis wäre". Ein noch heiklerer Punkt sei nach österreichischem Aktienrecht, dass Geld nur dann an Aktionäre zurückgegeben werden dürfe, wenn es aus ausschüttbaren Erträgen stammt. In ihrem Bericht zum dritten Quartal habe die Immofinanz aber selbst erklärt, nicht sicher zu sein, ob es ausreichend Bilanzgewinn für eine Dividendenausschüttung geben werde. Das müsse sich die FMA nun näher anschauen.

Dennoch zeigte sich Nowotny zuversichtlich, dass eine Zusammenarbeit nach Beendigung der aktuellen Auseinandersetzung möglich sein werde. "So groß sind die atmosphärischen Gräben nicht, wie sie jetzt erscheinen." Auch müsse man bedenken, "dass vielleicht die CA Immo nicht die schlechteste Alternative" im Vergleich zu einem Finanzinvestor sei. "Die CA Immo ist keine Heuschrecke."

Eine Fusion sei derzeit ohnehin kein Thema, da sie auch Kosten verursachen würde, so Ettenauer. "Die Immofinanz ist derzeit nicht so aufgestellt, dass eine Fusion mit uns Sinn machen würde." Dafür habe man einen Horizont von drei bis fünf Jahren.

Der südafrikanische Steinhoff-Großaktionär Christo Wiese kappt nach seinem Rücktritt als Verwaltungsratschef weitere Verbindungen zu dem angeschlagenen Handelsriesen. Wiese sagte am Freitag den Verkauf der Einzelhandelskette Shoprite an Steinhoffs Afrika-Tochter STAR ohne Angabe von Gründen ab.
 

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Steinhoff-Großaktionär sagt Milliarden-Firmenverkauf ab

Der kriselnde Möbelhändler Steinhoff - Muttergesellschaft von Kika/Leiner - lässt seinen Ankündigungen Taten folgen und versilbert Anteile an der südafrikanischen Investmentgesellschaft PSG Group. So habe das Unternehmen 20,6 Millionen Aktien oder 9,5 Prozent der Anteile an PSG verkauft, teilte Steinhoff am Freitag mit.
 

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Steinhoff verkauft Anteile an südafrikanischer Investmentgesellschaft

Am Mittwoch ist die Air-Berlin-Tochter Niki pleitegegangen. Noch gibt es eine leise Hoffnung, die Firma zu erhalten. Unterdessen fischen Konkurrenten bereits nach den hoch qualifizierten Niki-Mitarbeitern. Und auch die Kunden können hoffen, dass sie nicht um ihr Geld umfallen. Die deutsche Regierung muss aber einen Teil ihres 150 Mio. Euro schweren Überbrückungskredits für Air Berlin abschreiben.
 

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Niki-Pleite - Chancen für Mitarbeiter und letzte Hoffnung für Firma