Brüssel und Berlin fordern Aufklärung von Facebook im Datenskandal

Menlo Park/London (APA/dpa) - Die EU und Deutschland fordern im Skandal um die unerlaubte Nutzung von Facebook-Nutzerdaten Aufklärung. EU-Justizkommissarin Vera Jourova pochte auf eine Erklärung des US-Unternehmens: "Ich verlange von Facebook weitere Klarstellungen, etwa inwieweit europäische Nutzer betroffen sind", sagte sie der "Bild am Sonntag". Der Missbrauch von Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern durch die Firma Cambridge Analytica im US-Wahlkampf sei "völlig inakzeptabel".

An diesem Montag empfängt die deutsche Justizministerin Katarina Barley (SPD) in Berlin Vertreter des sozialen Netzwerks. Vor rund einer Woche war bekanntgeworden, dass sich die britische Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica unerlaubt Zugang zu einigen Daten von Millionen Facebook-Profilen verschafft hat. Mit Hilfe dieser Daten sollen amerikanische Wähler im US-Präsidentschaftswahlkampf zugunsten von Donald Trump gezielt mit unerlaubter Wahlwerbung beeinflusst worden sein.

In Großbritannien gibt es dem "Guardian" zufolge zudem Hinweise, dass Cambridge Analytica enge Verbindungen zu der kanadischen Datenanalyse-Firma AggregateIQ hatte, die beim Referendum über den EU-Austritt Großbritanniens eine wichtige Rolle gespielt hat. Die Brexit-Kampagne des heutigen Außenministers Boris Johnson - "Vote Leave" - hat demnach 40 Prozent ihres Budgets in die Arbeit von AggregateIQ gesteckt. Einem ehemaligen Brexit-Wahlkämpfer zufolge soll über eine gesonderte Scheinkampagne sogar noch mehr Geld nach Kanada geflossen sein. Johnson bestreitet das. Die britische Wahlkommission ermittelt bereits, ob "Vote Leave" die gesetzlichen Obergrenze für Wahlkampfausgaben überschritten hat.

Im Zusammenhang mit den von Cambridge Analytica erlangten Facebook-Daten ließ die britische Datenschutzbehörde ICO in der Nacht zum Samstag die Londoner Zentrale durchsuchen. Man werde nun Beweise sichern, auswerten und bewerten, bevor Schlüsse gezogen würden, hieß es in einer Mitteilung.

Facebook hatte zuletzt erklärt, Cambridge Analytica habe unrechtmäßig erhaltene Nutzerdaten entgegen früheren Zusicherungen nicht gelöscht. Dass die Firma Daten abgegriffen hatte, wusste das weltgrößte Online-Netzwerk seit 2015 - die Firma hatte sich aber mit der Zusicherung zufrieden gegeben, dass die Daten gelöscht worden seien. Die Nutzer wurden nicht informiert, was Facebook-Gründer und Chef Mark Zuckerberg als Fehler bezeichnete. Er betonte, dass die Software-Schnittstellen, die einer Umfrage-App einen so breiten Zugriff auf Nutzerdaten überhaupt möglich machten, bereits 2014 dichtgemacht worden seien.

Dennoch leidet das Facebook-Image. Erste Unternehmen kehren dem weltgrößten Online-Netzwerk zumindest zeitweise den Rücken - etwa der Elektroauto-Hersteller Tesla und die Raumfahrt-Firma SpaceX des Unternehmers Elon Musk, der sich schon öfter öffentlich mit Zuckerberg gestritten hat. Auch Mozilla, der Entwickler des Web-Browsers Firefox, kündigte an, keine Werbung mehr auf Facebook zu platzieren, bis die Firma Datenschutz-Einstellungen verbessere. Das Online-Netzwerk mit über zwei Milliarden Nutzern verdient praktisch sein gesamtes Geld mit Werbeanzeigen.

Im Konkurrenz-Netzwerk Twitter macht seit Tagen der Hashtag "#deletefacebook" ("lösche Facebook") die Runde. Er wurde auch von WhatsApp-Mitgründer Brian Acton aufgegriffen, der seine Messaging-App einst für rund 22 Milliarden Dollar an Facebook verkauft hatte und bis vor kurzem dort auch beschäftigt war.

Ende Mai tritt die neue europäische Datenschutzgrundverordnung in Kraft, die unter anderem eine deutliche Erhöhung von Geldstrafen vorsieht. Das werde eine abschreckende Wirkung haben, sagte die deutsche Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff der "Welt am Sonntag". Allerdings könne kein Gesetz Datenmissbrauch komplett verhindern.

Angesichts des Facebook-Skandals sieht der Präsident des deutschen Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik, Arne Schönbohm, Verbesserungsbedarf. Das Beispiel zeige, "dass der Schutz in der Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen noch höherer Qualität bedarf", sagte er der "Rheinischen Post" (Samstag). Der Fall gehöre aufgeklärt und transparent gemacht. Die Möglichkeit einer Beeinflussung von Wahlen in Deutschland erkennt Schönbohm nach eigenem Bekunden indes nicht. "Wir haben in Deutschland im Vorfeld vergangener Bundestags- und Landtagswahlen Schutzmaßnahmen ergriffen, um Datenmissbrauch, wie er im Zuge der US-Wahl erfolgt sein soll, zu vermeiden."

Zürich/Tokio (APA/Reuters) - Die japanische Hitachi verhandelt einem Zeitungsbericht zufolge mit ABB über den Kauf von Teilen oder der ganzen Stromnetz-Sparte des Schweizer Elektrokonzerns. Die Verhandlungen seien in einem ziemlich fortgeschrittenen Stadium, schreibt die "Financial Times" (Montagsausgabe) mit Verweis auf Insider. Es sei allerdings nicht sicher, ob sich die Parteien auch einigten.
 

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Hitachi will ABB-Stromnetz-Sparte kaufen - Zeitung

Wien (APA) - Klein, flink, umweltfreundlich - und mitunter störend. Die zum Verleih angebotenen, elektrisch angetriebenen Tretroller sorgen in Wien für Ärger bei manchen Passanten. Vor allem in der Innenstadt ist die Bezirksvorstehung immer wieder mit Beschwerden konfrontiert. Nun hat man mit Betreibern geredet, die erste Maßnahmen angekündigt haben. Sie schränken etwa das Parken ein.
 

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Leih-Scooter in Wien - Anbieter schränken Nutzung partiell ein

Ingelheim/Darmstadt (APA/dpa) - Ein Balancierband zwischen Bäumen, Sitzsäcke, darum herum mehrere Hütten: Das seit rund einem Jahr bestehende digitale Labor "BI X" bei Boehringer Ingelheim sieht gar nicht wie das Gelände eines Pharma-Unternehmens aus. Dort, wo früher die Gästekantine untergebracht war, basteln nun IT-Fachleute an neuen Produktideen - jenseits von Pillen oder Kapseln.
 

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Tablette und Tablet - Pharmakonzerne basteln an digitaler Zukunft