Britischer Wirtschaftsmotor stottert - Spanischer brummt noch

London/Paris/Madrid (APA/Reuters) - Großbritannien hat zu Jahresbeginn einen Konjunktureinbruch erlitten, während Nachbar Frankreich mit einem Dämpfer davonkam. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte auf der Insel in den ersten drei Monaten des Jahres nur noch um 0,1 Prozent zu, wie das Statistikamt (ONS) am Freitag auf Basis vorläufiger Daten mitteilte.

Dies ist das niedrigste Tempo seit Anfang 2012. Premierministerin Theresa May ließ verlauten, das Wachstum sei zwar enttäuschend. Dennoch sei die Wirtschaft fundamental stark.

Auch Frankreich verlor an Fahrt. Die Wirtschaft wuchs jedoch noch schneller als jenseits des Ärmelkanals: Das BIP stieg um 0,3 Prozent zum Vorquartal. Ende 2017 war die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone noch um 0,7 Prozent gewachsen. Der Internationale Währungsfonds erwartet, dass Großbritannien heuer mit einem Plus beim BIP von 1,6 Prozent deutlich hinter Frankreich zurückfällt, dem ein Plus beim BIP von 2,1 Prozent zugetraut wird.

Der Brexit hat laut Notenbankchef Mark Carney die "Höchstgeschwindigkeit" der Wirtschaftsleistung im Vereinigten Königreich gedrosselt, das einst eines der am schnellsten wachsenden Industrieländer der Welt war. Das änderte sich mit dem EU-Ausstiegsvotum der Briten vom Sommer 2016, das zu einer Schwächung der Landeswährung Pfund führte und die Inflation anheizte. Angesichts der Konjunkturabschwächung und einer abflauenden Inflation hat die Notenbank eine für Mai ins Auge gefasste Zinserhöhung offenbar abgeblasen und den Finanzmärkten jüngst einen entsprechenden Fingerzeig gegeben.

Laut Ökonom Jacob Deppe von der Handelsplattform Infinox dürften die auf "breiter Front" erkennbaren konjunkturellen Schwächezeichen die Notenbank vorsichtig machen: "Eine Zinserhöhung im Mai scheint jetzt wohl nicht mehr in Frage zu kommen." Zu dem niedrigen Wachstum in Großbritannien trugen teilweise aber auch die starken Schneefälle bei, die insbesondere Einzelhandelsgeschäfte und der Bau zu spüren bekamen. Ende Februar und Anfang März hatten von den Briten als "Biest aus dem Osten" gefürchtete Winterstürme mit Eis und Schnee die Insel heimgesucht.

Vor solchen Widrigkeiten des Wetters blieb Spanien, eines der am schnellsten wachsenden Euro-Länder, verschont. Das Bruttoinlandsprodukt stieg von Jänner bis März das dritte Quartal in Folge um 0,7 Prozent. Wer die Statistik weiter durchforstet, findet jedoch auch in dem EU-Südland ein Anzeichen für eine langsamere konjunkturelle Gangart: Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum gab es einen Anstieg von "lediglich" 2,9 Prozent - den kleinsten seit drei Jahren.

In Deutschland stehen die BIP-Daten erst Mitte Mai an. Die Forscher des Berliner DIW erwartet eine Abkühlung auf 0,4 Prozent nach 0,6 Prozent Ende 2017. "Die deutsche Wirtschaft geht etwas vom Gas", betonte DIW-Konjunkturchef Ferdinand Fichtner. Im Februar kam es wegen der Grippewelle, vieler Streiktage und überdurchschnittlich vieler Ferientage zu Produktionsausfällen. Diese dürften in den darauffolgenden Monaten laut DIW nachgeholt werden.

München (APA/Reuters) - Siemens kauft das US-Technologieunternehmen Austemper Design Systems, einen jungen Softwareanbieter für Sicherheitsanwendungen. Mit der Übernahme könne Siemens sein Angebot an Kunden ergänzen, die sich mit autonomem Fahren sowie der Digitalisierung von Produktionsbetrieben und Infrastruktur beschäftigen, teilte das Unternehmen mit. Die Details der Übernahme würden nicht bekannt gegeben.
 

Newsticker

Siemens kauft US-Technologie-Start-up

Washington (APA/AFP/Reuters) - "Baut sie hier!": US-Präsident Donald Trump hat im Handelsstreit mit der EU erneut mit Strafzöllen auf europäische Auto-Importe gedroht. Wenn die Europäische Union nicht "bald" ihre langjährigen Zölle und Barrieren für US-Produkte "niederbricht und beseitigt", würden die USA einen 20-prozentigen Tarif auf alle aus der EU eingeführten Autos verhängen, schrieb Trump am Freitag auf Twitter.
 

Newsticker

Trump droht wieder mit Zöllen auf EU-Autos: "Baut sie hier!"

Brüssel (APA/dpa/Reuters) - Mit Zöllen auf amerikanische Produkte wie Whiskey, Jeans, Motorräder und Erdnussbutter hat die EU im Handelsstreit mit den USA zurückgeschlagen. Die Vergeltungszölle sind in der Nacht zum Freitag in Kraft getreten. Auf europäische Verbraucher dürften bei einigen Produkten Preiserhöhungen zukommen.
 

Newsticker

Zölle auf US-Produkte in Kraft: Einige Produkte dürften teurer werden