Brexit lässt bei vielen Briten die Zuneigung zu Europa erwachen

Wien/London (APA) - Während in der britischen Regierung noch über die richtige Strategie für den Abschied von der EU gestritten wird, erstarkt unter vielen Briten vor dem Brexit die Zuneigung zu Europa. Denn nun sei klar, dass es ans Eingemachte geht. "Und wenn es ans Eingemachte geht, dann merkt man, wie wahnsinnig wichtig die EU ist", stellte Thomas Wieser, Koordinator der Eurogruppe, im Gespräch mit der APA fest.

"So europäisch haben sich die Engländer seit Jeanne d'Arc nicht mehr gefühlt", formuliert Wieser launig. Sogar ein international sensationell vernetztes und dank Englisch mit einem Sprachvorteil startendes Land wie Großbritannien merke zunehmend, welch hoher Anteil des Exporterfolgs und des Wirtschaftswachstums vom "gemeinsamen Schirm der EU abhängt". Man müsse sich die Frage stellen, ob China in zehn Jahren noch die aktuellen Spielregeln für den internationalen Handel, die von der westlichen Welt gestaltet wurden, akzeptieren wird. "Die Frage ist, wird China irgendwann einmal sagen, dass ihr Wirtschaftssystem mit dem ganzen Regelwerk inkompatibel ist, weil es pausenlos Beschwerden und Handelsmaßnahmen gegen China gibt", so Wieser, der auf Einladung der B&C Privatstiftung in Wien war.

Wenn China erst einmal das Regelwerk in Frage stelle, dann werde sich auch die Frage stellen, ob Großbritannien alleine stark genug ist, sich gegen chinesische Interessen behaupten zu können. "Zunehmend sehen immer mehr Menschen in England, dass das nur sehr schwer möglich ist", analysiert Wieser.

Trotz solcher Zweifel am langfristigen Bekenntnis Chinas zu den aktuellen Spielregeln des globalen Wirtschaftssystems hält Wieser nichts davon, chinesische Investoren grundsätzlich von Firmenübernahmen in Europa auszuschließen. Gewisse strategische Sektoren von der Rüstung bis zu IT-Sicherheit sollten schon geschützt werden - aber auch vor US-Interessen, nicht speziell vor chinesischem Einfluss. Einen einfachen Energieversorger wie die EAG vor ausländischem Zugriff zu schützen, hält Wieser hingegen nicht für sinnvoll.

Wieser glaubt auch nicht, dass die Globalisierung der Hauptgrund für die Unsicherheit ist, die den Menschen zunehmend Sorge bereitet. Ein "erheblicher Teil" der Arbeitsplatzverluste komme durch den technologischen Wandel zustande. "Die Globalisierungsängste gehen etwas am Thema vorbei", glaubt Wieser. In Wahrheit sei die Integration des Welthandels einer der Pfeiler des Wohlstandes in Österreich - und im Rest der Welt. Österreich müsse danach trachten, Technologie zu exportieren statt zu importieren und ganz allgemein in Bildung investieren. Sehr bedenklich ist für Wieser, dass Österreich mit Italien und Griechenland zu den drei Ländern mit der höchsten Nettoabwanderung von Forschern gehört. Das zeige, dass Forscher das Gefühl haben, praktisch in jedem anderen EU-Land bessere Bedingungen vorzufinden.

Auch die Zunahme von Ungleichheit in den meisten EU-Staaten sei überwiegend Folge des technischen Fortschritts, beruft sich Wieser auf verschiedene Studien. Österreich schneide aber ohnehin relativ gut - mit einer relativ geringen Ungleichheit - ab. Aber auch hier gelte: Die Maßnahme, die am besten gegen Ungleichheit hilft, ist die Bildung. Sie ermögliche einen gut bezahlten Job und verhindere damit Armut.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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Novartis investiert 200 Mio. Euro in Tiroler Standorte

Rom/Menlo Park (APA) - Nachdem die US-Internetriesen Google und Amazon wegen vermuteter Steuerhinterziehung ins Visier der italienischen Justiz geraten sind, hat sich Facebook mit Italiens Steuerbehörden auf die Zahlung von 100 Mio. Euro geeinigt, um ein Steuerverfahren abzuschließen. Die Mailänder Justiz hatte dem E-Commerce-Riesen Steuerhinterziehung in Höhe von 300 Mio. Euro vorgeworfen, so italienische Medien.
 

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Facebook einigt sich mit italienischem Fiskus und zahlt 100 Mio. Euro