Brexit-Chaos macht Anlegern weiter zu schaffen

Frankfurt/London/Brüssel (APA/Reuters) - Die Regierungskrise in Großbritannien hält Anleger von Engagements an den Aktienmärkten ab. Der Dax schloss am Freitag knapp im Minus mit 11.341 Punkten und auch der EuroStoxx50 gab auf 3184 Zähler nach. Auch die Wiener Börse hat knapp im Minus geschlossen. Der ATX fiel 1,01 Punkte oder 0,03 Prozent auf 3.134,10 Einheiten. Der US-Standardwerteindex Dow Jones kam ebenfalls kaum vom Fleck.

Die ausgehandelte Scheidungsvereinbarung zwischen der EU und Großbritannien werde von allen Seiten des politischen Spektrums kritisiert, sagte Analyst Ricard Evangelista vom Brokerhaus ActiveTrades. Für die britische Premierministerin Theresa May werde es ein schwieriges Unterfangen, im Parlament eine Mehrheit für den Brexit-Deal zu finden. Die Experten der Rabobank bezweifelten, dass es überhaupt zu einer Abstimmung kommt. Medienberichten zufolge haben Mays Gegner zudem genügend Stimmen für ein innerparteiliches Misstrauensvotum beisammen.

Vor diesem Hintergrund verlor der Londoner Auswahlindex FTSE 0,1 Prozent. Hart traf es erneut die Finanzwerte. Die Aktien der Royal Bank of Scotland (RBS) fielen um bis zu 4,6 Prozent auf ein Zwei-Jahres-Tief. Die Titel der Lloyds Bank waren mit 54,08 Pence ebenfalls so billig wie zuletzt im Herbst 2016.

Das Pfund Sterling erholte sich dagegen auf 1,2834 Dollar. Am Donnerstag hatte es wegen der Rücktritte mehrerer britischer Kabinettsmitglieder seinen größten Tagesverlust seit zwei Jahren eingefahren. Einige Investoren nahmen Kurs auf "sichere Häfen". Gold verteuerte sich um 0,7 Prozent auf 1221 Dollar je Feinunze.

"Der Brexit wird zwar vorerst mehr Aufmerksamkeit in den Medien auf sich ziehen", sagte Analyst David Madden vom Online-Broker CMC Markets. "Das italienische Problem könnte aber den Zündfunken für eine neue europäische Schuldenkrise liefern." Die Regierung in Rom liegt mit der EU-Kommission wegen ihres Haushalts über Kreuz. Insidern zufolge will die Brüsseler Behörde kommende Woche ein Defizitverfahren gegen das hoch verschuldete Land einleiten.

Darüber hinaus gab es widersprüchliche Signale beim Thema Zollstreit. Der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer dementierte einen Bericht der "Financial Times", dem zufolge er eine Aussetzung weiterer Strafzölle auf chinesische Importe signalisiert hatte.

Zu den Favoriten am europäischen Aktienmarkt zählte Vivendi. Die Aktien des französischen Medienkonzerns gewannen dank eines überraschend starken Quartalsergebnisses 3,6 Prozent. Gewinntreiber war die Musiksparte Universal, die vom Erfolg von Top-Interpreten wie den Rappern Drake und Eminem profitierte. Eine Bewertung von 20 Milliarden Euro für das Musik-Geschäft, von dem sich Vivendi teilweise trennen will, sei daher nicht zu hoch gegriffen, schrieben die Analysten der Deutschen Bank. Die Papiere von Bollore, der Holding des Vivendi-Großaktionärs Vincent Bollore, gewannen 2,1 Prozent.

Abwärts ging es dagegen für Chipwerte, die unter mauen Ausblicken der US-Konkurrenten Applied Materials und Nvidia litten. Deren Aktien brachen in den USA zeitweise um 8,4 beziehungsweise gut 20 Prozent ein. Der europäische Technologie-Index gab 0,9 Prozent nach. Hier gehörten die Chip-Hersteller Infineon, STMicro und AMS mit Kursverlusten von bis zu fünf Prozent zu den schwächsten Werten.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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