Brexit - Singapurs Premier: Mit einem Land macht man leichter Deals

Wien (APA) - Singapur unterzeichnet am Freitag ein Freihandelsabkommen mit der EU, das aber für London bald nicht mehr gilt. Singapurs Ministerpräsident Lee Hsien Loong schließt nicht aus, dass die Briten bilateral zu einem besseren Deal mit seinem Land gelangen könnten. "Es ist immer leichter, ein Abkommen mit einem Land statt mit einer Organisation aus 28 Staaten zu machen", sagte er am Mittwoch in Wien.

Lee wollte daraus aber keine Aussage zum Brexit ableiten. Schließlich gehe mit der handelspolitischen Freiheit auch ein Verlust der "Vorteile" der EU-Mitgliedschaft einher. Ob dies besser sei oder ein Verbleib in der EU samt der damit verbundenen "Einschränkungen", "das ist eine Frage, über die die britische Premierministerin, die Regierung und die Wähler entscheiden müssen", betonte der Regierungschef des Stadtstaates, der aktuell auch Vorsitzender des Verbandes der Südostasiatischen Nationen (ASEAN) ist.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Lee hoben nach einem Treffen die Gemeinsamkeiten der beiden Staaten hervor und sprachen sich für eine engere Kooperation insbesondere im Bereich Digitalisierung, Innovation und Technologie aus. "Wir sind beide größenmäßig sehr kleine, aber sehr innovative und wirtschaftlich erfolgreiche Länder", sagte Kurz. Sie seien auch "Tore" zu ihren jeweiligen Kontinenten. "Singapur ist ein gutes Tor zum asiatischen Markt, und Österreich ist ein gutes Tor zum europäischen Markt, insbesondere Südosteuropa."

Lee sagte, dass es bei der wirtschaftlichen Kooperation insbesondere im Bereich von kleineren Unternehmen noch großes Potenzial gebe. Singapur könne etwa "mittelgroße Unternehmen anziehen, die sich noch nicht so gut mit Asien auskennen". Er lobte das Engagement von vielen österreichischen Hi-Tech-Unternehmen in Singapur und nannte konkret den Chiphersteller AMS, der "tausende Beschäftigte" habe.

Als ASEAN-Vorsitzender wolle er auch "eng" mit dem österreichischen EU-Ratsvorsitz zusammenarbeiten, sagte Lee. Konkret sei etwa der Abschluss eines "umfassenden Transportabkommens" geplant, das erstmals Transportfragen für zwei Weltregionen regeln soll, in denen insgesamt eine Milliarde Menschen leben.

"Wir haben ein starkes Interesse an einem stärkeren Austausch, politisch, kulturell und insbesondere auch wirtschaftlich", sagte der Bundeskanzler. "Singapur ist ein kleines Land, ein sicheres Land und ein offenes Land", lobte er die Volkswirtschaft des asiatischen Staates als "eine der offensten der Welt". So sei es innerhalb der vergangenen 40 Jahre gelungen, Singapur "zu einem der wohlhabendsten Plätze der Welt" zu machen, so Kurz, der Lee heuer schon zwei Mal - im April in China und im August bei einem Singapur-Besuch - getroffen hat.

Lee wollte am Mittwochabend in der Wirtschaftskammer Österreich noch mit Unternehmern zusammen kommen. Danach reist er nach Brüssel weiter, wo er ab Donnerstagabend am EU-Asien-Gipfel teilnimmt.

Zum Auftakt des Besuchs war von den zuständigen Ministern ein "Memorandum of Understanding" im Bereich Digitalisierung unterzeichnet worden. Dies soll den Austausch von Know-how und Erfahrungen mit Singapur erleichtern, "das in vielerlei Hinsicht Österreich einen Schritt voraus ist", betonte Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP). Konkret wurde etwa darauf verwiesen, dass Singapurs Verwaltung "nahezu papierlos funktioniert".

Lee will sich indes ein Beispiel an der Lebensqualität Wiens nehmen. "Hallo aus der lebenswertesten Stadt der Welt", schrieb er am Mittwochvormittag auf Facebook mit Blick auf den Topplatz Wiens im aktuellen "Global Liveability Index" des "Economist". "Es gibt vieles, was wir hier lernen können", so Lee, dessen Heimatstadt in dem Ranking auf Platz 37 liegt. In der Vorwoche war Singapur in einer Weltbank-Rangliste der Staaten, die ihr "Humankapital" am besten pflegen, auf dem ersten Platz gelandet.

Washington (APA/Reuters) - Die US-Notenbank Fed steuert laut ihrem Vizechef Richard Clarida auf einen Zinssatz zu, der die Konjunktur weder hemmt noch fördert. Sich auf einem solchen "neutralen" Niveau zu bewegen, sei sinnvoll, sagte der Währungshüter am Freitag dem Sender CNBC. Er sei nicht der Meinung, dass die Erhöhungen der Fed zu weit gingen oder zu schnell vollzogen würden.
 

Newsticker

Vizechef der US-Notenbank für Zinserhöhungen mit Augenmaß

Rom (APA) - Der italienische Premier Giuseppe Conte plant ein Treffen mit EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker, um ihm zu erklären, warum Italien an seinem umstrittenen Haushaltsplan festhält. Anfang nächster Woche werde er Kontakt zu Juncker aufnehmen, berichtete Conte am Freitag im Gespräch mit Journalisten in Rom.
 

Newsticker

Italien-Budget: Conte plant nächste Woche Treffen mit Juncker

Brüssel (APA) - Unter österreichischem EU-Vorsitz zeichnet sich keine Einigung der EU-Staaten mehr über die geplante Aufstockung der EU-Grenzschutzagentur Frontex bis 2020 auf 10.000 Mann ab. Der EU-Vorsitz sieht dem Vernehmen nach für Dezember keine formale Einigung der EU-Innenminister mehr vor.
 

Newsticker

Keine Einigung für Frontex-Aufstockung unter Österreichs EU-Vorsitz