BDI-Präsident hat Vorbehalte gegen umfassende Diesel-Nachrüstung

Berlin (APA/Reuters/dpa) - BDI-Präsident Dieter Kempf hat Vorbehalte gegen eine umfassende Nachrüstung von Dieselfahrzeugen in Deutschland geäußert, damit diese die Abgas-Grenzwerte einhalten. "Ich glaube, dass man nach wie vor dieses Thema sehr technisch beurteilen muss und sehr sachlich beurteilen muss", sagte er dem Deutschlandfunk am Dienstag.

Der Chef des deutschen Industrieverbandes plädierte dafür, bei einer etwaigen technischen Nachrüstung von Diesel-Autos differenziert vorzugehen.

"Hardware-Nachrüstungen sind nicht bei jedem Automobil-Modell möglich", sagte er. Zudem müsse, auch mit Blick auf die Übernahme von Kosten, unterschieden werden zwischen zwei Arten von Auto-Herstellern: denen, "die die Zulassung ihrer betroffenen Kraftfahrzeuge nicht rechtmäßig erworben haben und solchen, deren Fahrzeuge nach geltendem Recht zulassungsfähig waren und zugelassen wurden". Er sei nicht sicher, ob man bei vielen Autos nicht mit schnell nachrüstbaren Software-Lösungen besser fahre.

Die deutsche Regierung will bis zum 1. Oktober zu einer gemeinsamen Haltung in der Frage kommen, ob sie Diesel-Fahrzeuge technisch nachrüsten will oder nicht.

Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) hat vor entscheidenden Beratungen in der Koalition ihren Kurs bekräftigt. Technische Nachrüstungen auf Kosten der Hersteller seien der beste und gerechteste Ausweg aus der Dieselkrise, sagte Schulze der Deutschen Presse-Agentur. "Wer Fahrverbote vermeiden will, darf sich nicht nur auf Busse, Kommunalfahrzeuge oder Transporter beschränken. Ohne technische Nachrüstungen von Diesel-Pkw lässt sich das Problem nicht lösen."

Zugleich sagte Schulze, sie sei froh, dass nun "endlich Bewegung" in die Sache komme. Bundesregierung und Autoindustrie arbeiten derzeit an einem neuen Paket für bessere Luft in Städten, in denen Schadstoff-Grenzwerte überschritten werden. Dieselabgase gelten als Hauptverursacher. Weitere Fahrverbote für Dieselautos sollen vermieden werden.

Umstritten in der Koalition sind vor allem Diesel-Nachrüstungen für Pkw - und die Frage, wer diese bezahlt. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat rechtliche, technische und finanzielle Bedenken. Scheuer hatte nach einem Treffen mit den Chefs der deutschen Hersteller am Sonntag gesagt, oberste Priorität habe die Flottenerneuerung - also Anreize, damit mehr Besitzer alte Diesel abgeben und sich ein Auto mit weniger Schadstoffausstoß kaufen. Für Lieferdienste und Handwerker solle es ein Förderangebot für Umbauten an Motoren geben.

Die Konzernchefs haben sich nach Informationen des "Handelsblatts" offen für großzügigere Umtauschprämien gezeigt. "Jeder Hersteller rechnet jetzt Umtauschaktionen durch, die so attraktiv sind, dass die Kunden zugreifen", zitierte das Blatt aus Regierungskreisen.

Umgerüstet werden sollten demnach nur Fahrzeuge, bei denen der nachträgliche Einbau von Stickoxidfiltern technisch sinnvoll sei. Das würde vor allem die Dienstwagenflotten mit den Modellen VW Passat, BMW 3er und Mercedes C-Klasse betreffen, schrieb das "Handelsblatt". Hier sollten die Hersteller bei Umbaukosten von bis zu 3.000 Euro 80 Prozent der Kosten übernehmen, so dass der Kunde höchstens 600 Euro selbst zahlt. Ein Zuschuss des Staates sei nicht vorgesehen.

Der Steuerzahlerbund und der Bundesverband Verbraucherzentrale (vzbv) warnten die große Koalition davor, die Steuerzahler zur Lösung der Dieselkrise finanziell zu belasten. "Steuergeld zur Hardware-Nachrüstung von Dieselfahrzeugen lehne ich ab - das ist Aufgabe der Automobil-Industrie", sagte der Präsident des Steuerzahlerbundes, Reiner Holznagel, der "Rheinischen Post" (Dienstag). "Ich appelliere an die Politik: Der Steuerzahler darf hier keine finanzielle Haftung übernehmen."

Ähnlich äußerte sich vzbv-Chef Klaus Müller: "Die Kosten für die Hardware-Nachrüstung müssen die Hersteller tragen", sagte er der Zeitung. Die Autoindustrie müsse endlich die Verantwortung übernehmen. "Die Hardware-Nachrüstung muss kommen - nicht nur für Busse und Nutzfahrzeuge, sondern für die vielen von Fahrverboten bedrohten privaten Diesel-Pkw. Daran führt kein Weg vorbei: für saubere Luft in den Städten und um Mobilität zu erhalten." Die CDU hatte am Montag den Einsatz von Steuergeld zur Lösung der Dieselkrise und Vermeidung von Fahrverboten nicht ausgeschlossen.

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