Autocontact in Graz: Antriebe-Zukunft für Elektro und Wasserstoff

Graz (APA) - Die Autocontact in Graz hat sich 2018 mit den Antrieben der Zukunft beschäftigt und dabei die beiden zukunftsträchtigsten Technologien Batterie und Wasserstoff in den Mittelpunkt gestellt. Experten, teilweise auch aus Übersee, betrachten heutige Hybride als Hilfs- oder Brückentechnologien. Während Akkus künftig vor allem bei Pkw für Städte gesehen werden, dürfte der Wasserstoff bei Lkw punkten.

Fritz Prinz, Professor an der Stanford University, legte sich fest: "Die E-Mobilität kommt sicher schon im großen Ausmaß in den kommenden fünf bis zehn Jahren und zwar durch die Batterie oder die Brennstoffzelle. Beide brauchen speziell Umgebungen. Jene für Batterien werden leichter aufzustellen sein, Wasserstofftankstellen dagegen dürften schwerer - weil kostenintensiver - zu realisieren sein." Bei letzterer Technologie sind seiner Einschätzung nach die Startkosten höher, dafür ist das Konzept revolutionärer. Er sieht für beide Technologien eine Zukunft - größere Fahrzeuge mit Wasserstoff, kleinere mit Batterien.

Ein Ende der Verbrennungsmotoren kommt laut Prinz noch nicht so schnell: "Das hängt auch stark von der Politik ab." Man sei da vorsichtig, denn die Industrie mache derzeit noch das meiste Geld mit dem Verbrennungsmotor. Der Übergang müsse schaffbar sein. In Europa sieht er aber einen realistischen Wechsel auf Alternativenergien in "zehn bis 15, vielleicht 20 Jahren". Ganz anders sieht es Michael Woltran von der OMV: "Fakt ist, dass wir derzeit in Österreich 50 Prozent des Energieverbrauchs decken." Seitens des Gas- und Ölkonzern wolle man daher im Heute die CO2-Emissionen bei den eigenen Produkten reduzieren und mehr Gas als Öl liefern. "Ein realistischer Blick zeigt, dass global betrachtet in den nächsten 20 Jahren der Fossilanteil wächst - vor allem Gas."

Kevin Colbow von der kanadischen Ballard Power Systems schlägt in die selbe Kerbe wie Prinz: "In Zukunft werden Batterie und Wasserstoff eine Rolle spielen. In der Stadt wird die Batterie mehr Sinn machen, aber in einem Truck der Wasserstoff. Dazwischen wird es einen Graubereich geben, der auch Elektrik-Hybrid-Lösungen zulässt. Die Technologien werden sich ergänzen. Heutige Hybride sind ein Schritt in die richtige Richtung, aber nicht wirklich 'grün'. Es wird noch zehn bis 15 Jahre dauern, bis sie 'echt grün' sind."

Prinz und Colbow sehen bei den Batterien noch das Problem der Entsorgung. Prinz denkt bei einer Lösung an eine mögliche zweifache Verwendung: "Zuerst kommen sie im Auto im Einsatz und wenn sie nur noch 80 Prozent leisten, werden sie als anderer Speicher etwa im Haus eingesetzt." Bei einer endgültigen Entsorgung wird es eine Lösung mit Separierung der Einzelteile geben müssen: "Das ist aber noch viel Arbeit." Colbow empfindet das Batterie-Entsorgungs-Problem auch als ein oft vergessenes Argument und hält daher den Wasserstoff für die "einzig echte grüne Technologie".

Für Nikolaus Szlavik, Geschäftsführer der zuliefernden Austria Druckguss in Gleisdorf, gilt es, sich auf beide Technologien einzustellen. "Bei unseren Aufträgen 2019 stellen wir 17 Prozent der Teile für E-Autos her und 40 Prozent für elektro-kompatible Fahrzeuge. Was die weitere Zukunft bringt, wissen wir noch nicht, aber die E-Mobilität ist nicht aufzuhalten." Die heutigen Hybride sieht er als Brückentechnologien. Dem 3D-Metalldruck steht seiner Ansicht nach noch eine große Zukunft bevor und er hofft auf leistungsfähigere Entwicklungen auf dem Gebiet. Heute sei der Metalldruck gut für den Prototypen-Bau. Für die Zukunft könne sich Szlavik aber vorstellen, dass man statt Ersatzteilen nur noch die Pläne für den Druck liefere. Heute müssen beispielsweise Gussformen auch noch bis zu 15 Jahre nach dem Auftrag für Ersatzteilfertigung aufbewahrt und gepflegt werden.

Jochen Hermann, Leiter der eDrive bei Daimler Mercedes Benz, ist sich so wie die meisten anderen sicher: "Die E-Mobilität wird kommen, das ist nicht mehr umkehrbar." Bei Daimler werden derzeit mehrere Technologien angeboten, was man davon künftig weiter verfolge, hänge davon ab, was der Kunde wünscht. In China etwa sei derzeit ein sehr starker Andrang auf Elektro-Autos. Die Veränderungen würden aber nicht schlagartig kommen. Ein Ende für den Verbrennungsmotor könne Hermann nicht festmachen. Bei Daimler seien im Jahr 2025 zwischen 15 bis 25 Prozent des Absatzes mit rein elektrische Antrieben eingeplant.

Zur Autocontact 2018 hat der ACstyria Mobilitätscluster von Mittwoch bis Donnerstag in die Grazer Seifenfabrik geladen. Der Kongress sowie die Rundumveranstaltung gelten als das Netzwerk-Treffen der Branche.

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