Ausbildungsmisere hemmt Frankreichs Aufschwung

Paris (APA/Reuters) - Fachkräfte dringend gesucht: Dieser aus Deutschland bekannte Hilferuf ist auch im wirtschaftlich wiedererstarkten Frankreich immer häufiger zu hören. Beim Maschinenbauer Thimonnier nahe Lyon etwa füllen sich die Auftragsbücher so schnell, dass Chefin Sylvie Guinard mit dem Einstellen von Personal nicht mehr nachkommt.

Monatelang schrieb sie zehn Stellen für Ingenieure und Techniker in ihrem Familienbetrieb aus - noch immer sind zwei vakant. "Und auch bei meinen Zulieferern herrscht akuter Personalmangel", klagt Guinard. "Das bringt meine Aufträge durcheinander."

Dies scheint paradox in einem Land, in dem noch immer Millionen Menschen auf Jobsuche sind und die Arbeitslosenquote seit sechs Jahren nicht mehr unter die Marke von neun Prozent gefallen ist. Anders als in Deutschland haben jedoch in Frankreich Lehre und Berufsschulausbildung keinen besonders hohen gesellschaftlichen Stellenwert. Kein Wunder also, dass Fachkräfte allerorten fehlen - insbesondere in der Industrie. Die Regierung von Präsident Emmanuel Macron will gegensteuern und mit Reformen der Berufsausbildung für Besserung sorgen. Doch Experten warnen, dass diese zu spät kommen dürften, um die akuten Probleme zu lindern: "Das sind Antworten, die auf mittlere Sicht angelegt sind. Aber die Firmen müssen jetzt einstellen", betont Ökonom Alexandre Vincent vom Forschungsinstitut COE-Rexecode.

Die Zentralbank in Paris geht davon aus, dass sich das Fachkräfteproblem als massive Wachstumsbremse für Frankreich erweisen wird. Falls sich die Lage nicht bald ändere, werde die Wirtschaft ansonsten kaum stärker zulegen als im vorigen Jahr. Damals stieg das Bruttoinlandsprodukt um 1,9 Prozent. Auch der Internationale Währungsfonds warnt: Falls die Ausbildungsmisere nicht rasch angegangen wird, dürfte die Arbeitslosenquote wohl kaum unter acht Prozent sinken.

Insbesondere im Maschinenbau und in der Informationstechnologie suchen die Firmen von Lille im Norden bis Toulouse im Süden händeringend nach Fachpersonal. Auch am Bau fehlt es an gut ausgebildeten Mitarbeitern. Ökonom Vincent von COE-Rexecode verweist vor allem auf die im internationalen Vergleich hohe Zahl von ungelernten Kräften: "Ein Teil der Bevölkerung ist unübersehbar vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen."

Präsident Macron will nun dafür sorgen, dass mehr Franzosen über den bisher eher verpönten Weg einer Lehre den Start ins Berufsleben schaffen. Dazu soll auch die Altersgrenze von 26 auf 30 Jahre angehoben werden, bis zu der junge Menschen für eine solche Ausbildung in Frage kommen. Außerdem sollen sie nach dem Willen der Regierung monatlich künftig 30 Euro mehr in der Tasche haben. Zudem verspricht der von Ministerpräsident Edouard Philippe jüngst skizzierte Entwurf Unternehmern und Gewerkschaften mehr Mitsprache bei der Ausgestaltung der Ausbildung an den oft schlecht besuchten regionalen Berufsschulzentren, für die bis jetzt weitgehend Beamte des fernen Bildungsministeriums in Paris zuständig waren.

Bevor Reformen greifen, müssen die Unternehmen einstweilen mit höheren Löhnen um Personal buhlen. Der Blick über den Rhein erfüllt viele Firmenchefs mit Sorge: Ein Pilotabschluss wie in Baden-Württemberg, wo die Löhne in der Metall- und Elektroindustrie ab April um 4,3 Prozent steigen, wäre für so manches Unternehmen in Frankreich wohl undenkbar. Im vergangenen Jahrzehnt haben die Unternehmen die Gehälter trotz flauer Konjunktur bereits schneller als in anderen Länder der Euro-Zone angehoben und damit schleichend ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit untergraben. Laut Alain Roumilhac, Frankreich-Chef des US-Personaldienstleisters ManpowerGroup, rechnen die Firmen mittlerweile aber mit spitzem Bleistift: "Kunden sagen uns oft: Wenn keine Arbeitskräfte zu unseren Lohnvorstellungen zu finden sind, verzichten wir lieber auf sie."

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