Asiens forschungsintensivste Uni öffnet Türen für Österreichs Firmen

Wien (APA) - Die Wirtschaftskammer Österreich bietet ihren Mitgliedsfirmen Zugang zu Forschungseinrichtungen in den USA, Europa und Asien. Kammerpräsident Christoph Leitl hat vergangene Woche Abkommen mit Forschungseinrichtungen in Südkorea, Japan und Singapur unterzeichnet. Der jüngste Partner, die NTU in Singapur, existiert erst seit 1991, ist aber bereits Asiens Forschungseinrichtung Nummer eins.

Der Weg dorthin ist mit Maßnahmen gepflastert, die für österreichische Ohren unglaublich klingen. Die Nanyang Technical University (NTU) hat 2007 den schwedischen Wissenschafter Bertil Andersson erst als wissenschaftlicher Leiter (provost) und dann als Präsident installiert. Eine seiner Anfangsaufgaben: Rund die Hälfte des wissenschaftlichen Personals austauschen, weil sie nicht die erhoffte Leistung brachten. Auch jetzt gibt es Bestellungen nur mit kontinuierlichem Leistungsnachweis.

Die NTU hat heute 33.000 Studenten und ein akademisches Personal (ohne Verwaltung) von 4.350 Personen. 70 Prozent von ihnen stammen aus dem Ausland. "Manche europäische Staaten sind da wohl zu nationalistisch" sagte Andersson anlässlich der Unterzeichnung des Kooperationsabkommens zwischen seinem Haus und der WKÖ. Die NTU arbeitet bei ihrer Forschung eng mit der Industrie zusammen. Er ziehe an der NTU zehnmal so viel Forschungsgeld von schwedischen Firmen an Land, wie in seiner Zeit als Professor in Schweden, vergleicht Andersson.

Der Unterschied sei, dass er sich in Schweden gefreut habe, mehr Geld für seine ohnehin laufende Arbeit zu bekommen. In Singapur werde hingegen mit dem Geld ein Team von Professoren zusammengestellt, das punktgenau dort forschen könne, wo der Bedarf besteht. Der Erfolg lasse sich daran messen, dass fast alle Industrie-Partner nach zwei Jahren ihre Programme ausweiten wollen. "Das ist wichtiger als eine weitere Publikation", meint Andersson. Trotzdem ist die NTU die Universität Asiens mit den meisten Publikationen und weltweit nach diesem Kriterium Nummer elf (QS World University Rankings).

Die gute Zusammenarbeit der Forscher mit der Industrie entstand nicht von selber. "Wir wissen, dass der Großteil unserer Professoren lausige Unternehmer sind", sagt Forschungsdirektor Timothy White. Daher habe die NTU eine sehr stark besetzte Abteilung, die sich um die Kooperation mit der Geschäftswelt kümmert. "Das macht unseren Erfolg aus", so White. An der NTU unterhalten daher zahlreiche Firmen und Institutionen, von Rolls Royce bis zu den US-Universitäten Stanford und Harvard eigene Forschungsgruppen.

Zusätzlich dazu gibt es direkt angrenzend an den Campus das ARTC (Advanced Remanufacturing and Technology Centre), wo Forschungsergebnisse möglichst rasch industriell umgesetzt werden sollen. Ergebnisse erwartet man hier innerhalb von 3 bis 15 Monaten. Aus Österreich sind die voestalpine und ihre Tochter Böhler Partner.

Die NTU hat abgesehen von dem aktuellen Abkommen mit der WKÖ mehrere Bezugspunkte in Österreich. Es gibt 19 Kooperationen (Memorandum of Understanding) vom Studentenaustausch bis zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit österreichischen Institutionen. Gemeinsame Ausbildung gibt es etwa mit dem AIT (Austrian Institute of Technology) sowie der Universität für Bodenkultur (BOKU) aber auch mit der TU Graz werde zusammengearbeitet, sagte Andersson. Er selber habe sich beim Wiener Bürgermeister Michael Häupl für die Schaffung des "Complexity Science Hub Vienna" (CSH) eingesetzt. Beim Studentenaustausch liegen Österreicher allerdings nur unter "ferner liefen". "Wir hoffen da auf mehr", so Andersson.

Auch auf dem Campus der NTU, auf dem die Hälfte der Studenten und ein guter Teil der Professoren wohnt, gibt es ein Wahrzeichen mit Österreich-Bezug. Das Sportzentrum, angesichts der Dachform als "the wave" (die Welle) bezeichnet, ist aus Holz mit einer Dachspannweite von 72 Metern - geliefert von dem Tiroler Unternehmen Binderholz. Bis vor kurzem war Holzbau in Singapur noch nicht zugelassen, nun steht einer der größten Holzbauten Asiens am Campus. Der österreichische Wirtschaftsdelegierte Volker Amann verweist darauf, dass er mit seinem Team intensives Lobbying für Holz als anerkanntem Baustoff betrieben habe. Die zuständigen Bauexperten seien nach Österreich eingeladen und dort von der Feuerpolizei bis zu Architekten mit Spezialisten ins Gespräch gebracht worden. Wenige Monate danach sei Holz zugelassen worden, obwohl es dafür in den Tropen angesichts von Termiten und hoher Feuchtigkeit als wenig geeignet gegolten habe.

Singapur ist insgesamt sehr offen für Veränderungen. Auch der 200 ha große Campus der NTU ist eine permanente Baustelle, weil laufend neue Institute dazu kommen oder alte umgestaltet werden. Unter anderem eine Medizin-Fakultät, die in Kooperation mit dem Imperial College aus Großbritannien entstand.

Andersson, der mit Jahresende das Haus verlässt, ist neben vielen anderen Tätigkeiten auch Mitglied der österreichischen Akademie der Wissenschaften und Träger der Wilhelm Exner Medaille und war Mitglied des Forschungsstrategischen Beirats im AIT. Sein Nachfolger wird mit 1. Jänner 2018 der in Indien geborene US-Amerikaner Subra Suresh.

Siemens liefert den ÖBB zur Verwendung ab 2022 neue Züge. Der Rahmenvertrag dazu war im Juli bekanntgeworden, nun sind alle Einspruchsfristen abgelaufen und der Deal ist fixiert. Bis zu 700 Waggons für die Personenbeförderung im Wert von bis zu 1,5 Mrd. Euro können die ÖBB in dem Vertrag abrufen. Gebaut werden die Wagen im Siemens-Werk in Wien.
 

Newsticker

Neue Siemens Züge für ÖBB ab 2022 in Betrieb

Eine schwache Nachfrage nach Graphikkarten für die Erzeugung von Kryptowährungen wie Bitcoin stimmt den US-Konzern Nvidia vorsichtig. Der Umsatz im laufenden Quartal werde wohl bei 3,25 Mrd. Dollar (2,9 Mrd. Euro), plus/minus zwei Prozent, und damit unter den von Analysten im Schnitt geschätzten 3,34 Milliarden liegen, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.
 

Newsticker

Chiphersteller Nvidia steigerte Umsatz

Mehr als 1.000 Mitarbeiter von Google haben in einem Brief Bedenken gegen die Rückkehr des Suchmaschinen-Giganten nach China angemeldet. Die zensierte Suchmaschine mit dem Projektnamen "Dragonfly" (Libelle) werfe "dringende moralische und ethische Fragen auf", zitierte das US-Portal "The Intercept" am Donnerstag aus dem Schreiben an die Konzernführung, in dem auch mehr Informationen zu den Plänen gefordert werden.
 

Newsticker

Protestbrief: Mitarbeiter von Google hinterfragen China-Pläne