Argentinien - Brezinschek: Rascher IWF-Kredit würde Vertrauen bringen

Wien/Buenos Aires (APA) - Das Vertrauen in das wirtschaftlich angeschlagene Argentinien könnte aus Sicht von Raiffeisen-Chefanalyst Peter Brezinschek rasch wieder zurückkommen, wenn sich das Land und der Internationale Währungsfonds relativ rasch - noch heute - auf ein kreditfinanziertes Hilfsprogramm einigen. Dann könne die Kreditwürdigkeit wieder hergestellt werden, denn anders als vor 20 Jahren drohe kein Staatsbankrott.

Der Auslöser der Krise liege nicht in Argentinien, sondern die US-Geldpolitik habe einen wesentlichen Anteil daran, erklärte der Experte am Dienstag im Ö1-"Mittagsjournal" des ORF-Radio. Denn seit Anfang 2018 habe die neue Fed-Politik unter Gouverneur Jerome Powell signalisiert, dass heuer vier statt zwei oder drei Zinserhöhungen kommen würden und auch 2019 die Zinsanhebungen fortgesetzt werden sollen. "Das verteuert die Dollar-Schulden." Viele Schwellenländer seien traditionell aus der Zeit niedriger Dollar-Zinsen in Dollar verschuldet, Zinsanhebungen und Dollar-Anstieg würden sich wie eine "Zange" auswirken, verwies Brezinschek auf Länder wie die Türkei, aber auch Indonesien, Brasilien oder Indien. "Das wird sicher die Wirtschaftsaussichten in den Schwellenländern deutlich reduzieren".

Die Regierung von Argentiniens Staatschef Mauricio Macri sei marktwirtschaftlich orientiert, doch die US-Geldpolitik wirke dem entgegen, "weil Reformschritte jetzt nicht mehr umgesetzt werden können", so Brezinschek. Seit der Ära seiner Vorgängerin Cristina Kirchner sei in Argentinien "ein totaler Protektionismus eingezogen" mit einem massiven Staatseinfluss. Den versuche man jetzt zurückzudrängen, doch müssten nun Steuern erhöht und Ausgaben gesenkt werden. Das von der Regierung für 2018 geschätzte primäre Haushaltsdefizit - also unter Ausklammerung des Schuldendienstes - beträgt 2,6 Prozent der Wirtschaftsleistung. Ohne Zinsausgaben könnten das Defizit 2019 auf 1,5 Prozent gesenkt werden, schätzt der Raiffeisen-Chefanalyst, 2020 sei sogar "ein leichtes Plus" möglich.

Ja, das sei ein Austeritätskurs - also eine Sparpolitik -, aber Argentinien sei durch eine extrem niedrige Produktivität gekennzeichnet, habe aber die höchsten Lohnnebenkosten, so Brezinschek. Autofabrikate seien in Argentinien um 25 Prozent teurer als in Brasilien und um 60 Prozent teurer als in Mexiko, "daher ist hier Handlungsbedarf gegeben."

Wie berichtet führt Argentinien nun eine allgemeine 10-prozentige Exportsteuer ein, um das hohe Budgetdefizit zu senken. Nach einem starken Sturzflug des Peso forderte Macri am Montag einen Beitrag der Exporteure zur Überwindung der aktuellen Finanzkrise. Die argentinische Währung hat in den letzten fünf Monaten über 70 Prozent ihres Wertes im Wechselkurs zum US-Dollar verloren. Der Präsident kündigte zudem eine drastische Kürzung seines Regierungsteams an: Demnach soll die Zahl der Minister von 19 auf unter die Hälfte schrumpfen.

"Es handelt sich um eine sehr schlechte Steuer, wir befinden uns jedoch in einem Notstand", erklärte Macri. Er hatte gleich nach seiner Amtsübernahme Ende 2015 die von seiner Vorgängerin Kirchner eingeführten Exportsteuern auf Agrar- und Bergbauprodukte gestrichen, um den Export dieser Güter wieder anzukurbeln. Der Präsident hatte am Montag die Aufnahme von neuen Verhandlungen mit dem IWF bestätigt, um die Finanzierung der Staatsverpflichtungen für 2019 zu sichern. Der IWF hatte dem Land schon im Juni Hilfen von 50 Mrd. US-Dollar (43 Mrd. Euro) zugesagt. Finanzminister Nicolás Dujovne flog deshalb noch am Montag zum IWF-Sitz nach Washington.

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