Analysten zur politischen Krise in Italien

Berlin (APA/Reuters) - Die Regierungsbildung in Italien zwischen der Lega und den 5 Sternen sind am Veto von Staatspräsident Sergio Mattarella gescheitert. Dieser weigerte sich, einen ausgesprochenen Euro-Kritiker zum Finanzminister zu ernennen. Die Aussicht auf Neuwahlen sorgte am Montag an den Börsen für Erleichterung bei Investoren. Ökonomen sagten in ersten Reaktionen:

THOMAS ALTMANN, QC PARTNERS:

"Auch diese Woche machen nicht Unternehmensgewinne die Kurse, sondern die politischen Entwicklungen in Italien, Spanien, der Türkei und den USA. In Italien steht wieder alles auf Anfang. Jetzt sind Neuwahlen wieder ein großes Thema und eine realistische Variante. Sie verlängern die politische Unsicherheit zwar gleich um mehrere Monate. Dafür werden bis zu Neuwahlen aber keine politischen Katastrophen passieren. Das reicht für die Börsianer schon aus, um erst mal durchzuatmen."

SILVIA ARDAGNA, GOLDMAN SACHS:

"Wir erwarten, dass eine Übergangsregierung kein Vertrauensvotum im Parlament gewinnen wird und dass Neuwahlen bereits im Oktober folgen könnten. Wir glauben, dass die politische Ungewissheit weiterhin hoch bleiben wird.

Auf der einen Seite hat sich keine Regierung gebildet, die die Beteiligung Italiens an der Europäischen Union und die Mitgliedschaft in der Eurozone infrage gestellt hätte. Andererseits werden potenzielle Neuwahlen wahrscheinlich auch nicht als positive Entwicklung für die italienische Wirtschaft angesehen."

GILLES GUIBOUT, AXA INVESTMENT MANAGERS:

"Wie von Anfang an erwartet wird Italien zu den Wahlurnen zurückkehren. Auf kurze Sicht ist eine Erholung möglich, da es keine Regierung geben wird. Aber wenn es eine Erholung gibt, glaube ich nicht, dass sie anhalten wird."

JÖRG KRÄMER, COMMERZBANK:

"Die Entwicklung in Italien dürfte die Finanzmärkte weiter in Atem halten. Denn aus heutiger Sicht ist der Amtsantritt einer italienischen Regierung, die auf Konfrontationskurs zur EU geht und deren Regeln missachtet, nur aufgeschoben. Deshalb dürfte sich der aktuelle Rückgang der Risikoaufschläge italienischer Anleihen wohl kaum als nachhaltig erweisen, zumal mit der anstehenden Misstrauensabstimmung in Spanien auch dort die politische Unsicherheit zugenommen hat."

HOLGER SCHMIEDING, BERENBERG BANK:

"Selbst wenn das unmittelbare Risiko, einen euroskeptischen Finanzminister in Italien zu bekommen, zumindest verschoben wurde, werden die Unsicherheiten die Stimmung in Italien und - in geringerem Maße - in der Eurozone auch in den kommenden Monaten belasten. Bei Neuwahlen werden die Radikalen wahrscheinlich noch lauter als zuvor gegen das pro-europäische 'Establishment' Italiens und eine angebliche 'deutsche Hegemonie' durch das Regelwerk der gemeinsamen Währung vorgehen."

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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