Analysten sehen kein Ende des Tech-Booms an der Börse

Frankfurt/Menlo Park/Cupertino (Kalifornien) (APA/Reuters) - Die Börsenparty bei Technologie-Aktien bleibt in vollem Gange. Im Zeitalter von Smartphones & Co sorgt die Branche an den Aktienmärkten für Rekordfieber. Auch negative Schlagzeilen wie der Facebook-Datenskandal zügeln den Appetit der Anleger bisher nicht. Der Börsenwert des iPhone-Herstellers Apple bewegt sich auf die Schwelle von einer Billion Dollar zu, die noch kein Unternehmen erreicht hat.

Für Euphorie sorgt auch die Aufnahme des US-Kurznachrichtendienstes Twitter in die Riege der 500 größten börsennotierten US-Unternehmen. Seit Jahresbeginn haben Aktien wie Facebook, Apple und Amazon dem S&P-Branchenindex ein Wachstum von knapp dreizehn Prozent beschert, während der Gesamtmarkt mit lediglich rund zwei Prozent deutlich hinterherhinkt. Auch in Europa sind Technologieaktien so teuer wie seit siebzehn Jahren nicht mehr. Noch Ende 2017 hatte die längste Rally in der Geschichte der europäischen Aktienmarkte die Furcht vor einer Überhitzung genährt. Vor allem die Kurse an der Wall Street, die den DAX über die Marke von 13.000 Punkten katapultiert hatte, schienen aus Sicht von Analysten heiß gelaufen. Das hatte eine Verkaufswelle bei US-Technologiewerten ausgelöst. Doch die Angst vor einer Spekulationsblase scheint inzwischen verflogen zu sein.

"Anders als bei dem Technologie-Hype der 1990er Jahre kann der Erfolg der meisten Unternehmen heute auf ein starkes Fundament und wachsende Umsätze und Gewinne zurückgeführt werden und basiert nicht auf Spekulationen auf die Zukunft", betonen die Analysten von Goldman Sachs in einer aktuellen Einschätzung. Sie sehen deshalb noch Luft nach oben. Auch die Strategen von JP Morgan raten Anlegern derzeit, Bankentitel in ihren Portfolios auszusortieren und auf Technologie zu setzen.

An der Spitze der Bewegung stehen nur einige wenige Firmen: Die größten 20 Technologieaktien weltweit stehen gemeinsam für einen Börsenwert von rund sechs Billionen Dollar (5,1 Billionen Euro). Davon entfallen rund 60 Prozent auf die ersten fünf. Auch im Börsenbarometer S&P 500 sind sie Schwergewichte. Für einige Experten stellt das ein Risiko dar. Doch die Konzentration im Sektor war schon mal höher, konstatiert Goldman. Zum Vergleich: Macht Apple derzeit vier Prozent des S&P-Index aus, waren es im Fall von IBM Ende der 1970er Jahre mehr als sieben Prozent. Weltweit betrachtet ist die Branche zudem nicht an jeder Börse ein Dickschiff. Während sie am chinesischen Markt 41 Prozent ausmacht, sind es in Europa gerade einmal fünf Prozent.

Anlegern könnte ein heißer Herbst bevorstehen. Denn bis Ende September steht an den US-Aktienmärkten ein Umbau an, was Börsianern zufolge zu größeren Kursschwankungen führen wird. Technologietitel werden dann in einem breiteren Marktsegment mit Telekommunikations- und Medienpapieren vermischt. Branchenbezogene Index-Fonds müssen deswegen milliardenschwere Umschichtungen vornehmen. "Unter dem Strich kann es zu Verkäufen kommen", sagt Expert Andrew Bodner vom Investmenthaus Double Diamond Investment Group. Denn rund 78 Mrd. Dollar schlummern derzeit in börsennotierten Indexfonds (ETF) im Bereich Technologie, die nun Titel wie Facebook und der Google-Mutter Alphabet loswerden müssen. "Das sollte aber vorübergehend sein und könnte eine gute Kaufgelegenheit bieten", betont Bodner.

Telekom-ETF's mit einem Vermögen von rund vier Mrd. Dollar müssen sich nämlich im Gegenzug mit den Titeln eindecken. Ohnehin dürften sich Telekompapiere wie AT&T und Verizon sowie Medienkonzerne wie Walt Disney als Teil des neuen Börsensegments "Communications Services" im Licht des Tech-Glanzes sonnen. Kommunikation wird dann ein Zehntel des S&P 500 ausmachen, im Vergleich zum momentanen Telekomanteil von unter zwei Prozent.

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