Allianz tritt mit Zukaufsplänen auf der Stelle

München (APA/Reuters) - Allianz-Chef Oliver Bäte kommt mit seinen ehrgeizigen Plänen für Europas größten Versicherer nicht recht voran. Vor allem beim Thema Zukäufe macht sich fast genau drei Jahre nach seinem Amtsantritt Ernüchterung in der Münchner Allianz-Zentrale breit.

Bäte hatte wegen der hohen Preise für Versicherer eine "Fusion unter Gleichen" ins Spiel gebracht, doch Finanzvorstand Giulio Terzariol trat am Dienstag Spekulationen über eine große Übernahme entgegen: "Das ist zurzeit nicht unsere Priorität Nummer eins", sagte der Italiener dem Sender Bloomberg TV. "Wir konzentrieren uns auf operative Verbesserungen", kündigte er nach einem Ergebnisrückgang im Auftaktquartal an.

Bätes neue Baustelle ist die Schaden- und Unfallversicherung, mit deren Wachstum er unzufrieden ist. Die Vermögensverwaltung hat erst vergangenes Jahr das Vertrauen der Kunden zurückgewonnen. Der operative Konzerngewinn tritt mit 11,1 Mrd. Euro heuer voraussichtlich zum dritten Mal in Folge auf der Stelle. Und die Eigenkapitalrendite von 13 Prozent, die Bäte vor drei Jahren für 2018 in Aussicht gestellt hatte, wird die Allianz nicht ganz erreichen, wie Terzariol nun überraschend einräumte.

Analysten trauen der Allianz im Schnitt einen operativen Gewinn von gut 11,5 Mrd. Euro zu. "Wir halten die Prognose für den Betriebsgewinn für konservativ", schrieb Daniel Bischof von der UBS. Das sei in den vergangenen Jahren auch so gewesen. Doch der Versicherungsriese verweist auf den starken Euro, der das operative Ergebnis belastet: Im ersten Quartal schrumpfte es um 6 Prozent auf 2,8 Mrd. Euro, lag damit aber noch im Rahmen der Markterwartungen. Bis zum Jahresende summierten sich die negativen Währungseffekte auf rund 300 Mio. Euro, sagte Terzariol.

Beim Nettogewinn profitierte die Allianz dagegen von der Senkung der Unternehmenssteuern in den USA: Er stieg von Jänner bis März um 4 Prozent auf 1,9 Mrd. Euro. Daraus ergab sich eine Eigenkapitalrendite von 13,8 Prozent. Insgesamt bringt die Steuerreform der Allianz heuer rund 300 Mio. Euro.

Weil er das Geld für große Zukäufe nicht ausgeben kann, hat Bäte die Anteilseigner mit zwei Aktienrückkäufen besänftigt - obwohl er einst wenig davon gehalten hatte. Die letzten 2 Mrd. Euro hat die Allianz binnen vier Monaten an der Börse eingesammelt, die Aktien werden eingezogen. Damit schlägt sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Das Eigenkapital schrumpft, was wiederum die Rendite treibt. Und der Aktienkurs steigt: seit Bätes Amtsantritt um 25 Prozent, während der Dax nur halb so stark zulegte.

Als nächstes hat sich Bäte den größten Ertragsbringer, die Sachversicherung, vorgenommen. Sie wachse weniger stark als in den vergangenen Jahren, weil viele Allianz-Produkte zu komplex seien. "Wir müssen also einfacher werden. Und damit produktiver", forderte Bäte vor den Aktionären in der vergangenen Woche. "Das wird Zeit beanspruchen und Mühe bereiten. Es wird nicht immer geräuschlos vonstattengehen." Für das laufende Jahr hat sein Finanzvorstand allerdings weniger Restrukturierungskosten eingeplant: 100 bis 300 Mio. Euro statt 450 Mio. Euro 2017.

Im ersten Quartal wuchs die Sachversicherung bereinigt um Währungseffekte um fünf Prozent. Aber nachhaltig sei das nicht, betonte Terzariol. Mit 1,3 Mrd. Euro steuerte die Sparte im ersten Quartal fast die Hälfte des operativen Gewinns bei, obwohl sie der Sturm "Friederike" zu Jahresbeginn 220 Mio. Euro kostete. Die Schaden-Kosten-Quote näherte sich mit 94,8 (Vorjahr: 95,6) Prozent der Zielmarke von 94 Prozent. Er sei "sehr zuversichtlich", sie 2018 zu erreichen, sagte Terzariol. In der Lebens- und Krankenversicherung glänzte die deutsche Allianz Leben mit einem Ergebniszuwachs um 17 Prozent. In der Vermögensverwaltung flossen Pimco und Allianz Global Investors von Jänner bis März zusammen 21 Mrd. Euro frische Mittel von den Anlegern zu. Das trieb die Gebühren nach oben, die den schwachen Dollar wettmachten.

Währungs- und Konsolidierungseffekte knabberten auch am Umsatz, der um 0,7 Prozent auf 36,5 Mrd. Euro wuchs. Aus eigener Kraft hätte die Allianz einen Zuwachs von fünf Prozent erreicht.

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Kundl/Langkampfen/Basel (APA) - Der Novartis-Konzern investiert 200 Mio. Euro in die beiden Produktionsstandorte im Tiroler Schaftenau und in Kundl (beide Bezirk Kufstein). Dies gab das Unternehmen am Donnerstag bekannt. Daniel Palmacci, Leiter der Novartis Produktionsbetriebe in Österreich, bezeichnete dies als "ein starkes Bekenntnis" der Zentrale in Basel in die Kompetenz und Qualität der Standorte in Tirol.
 

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Novartis investiert 200 Mio. Euro in Tiroler Standorte

Rom/Menlo Park (APA) - Nachdem die US-Internetriesen Google und Amazon wegen vermuteter Steuerhinterziehung ins Visier der italienischen Justiz geraten sind, hat sich Facebook mit Italiens Steuerbehörden auf die Zahlung von 100 Mio. Euro geeinigt, um ein Steuerverfahren abzuschließen. Die Mailänder Justiz hatte dem E-Commerce-Riesen Steuerhinterziehung in Höhe von 300 Mio. Euro vorgeworfen, so italienische Medien.
 

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Facebook einigt sich mit italienischem Fiskus und zahlt 100 Mio. Euro