Allianz Österreich macht ihre Milliarden-Investments nachhaltig

Die Allianz-Versicherungsgruppe in Österreich stellt ihr Veranlagungs-Portfolio von 7 Mrd. Euro schrittweise auf Nachhaltigkeit um. Nach einem mit WWF und anderen Stakeholdern entwickelten Modell werden 88 Prozent Quote bis 2020 angestrebt, bis 2030 sollen es 95 Prozent sein. Das Pilotprojekt soll von möglichst vielen Unternehmen "kopiert" werden - 2015 überlegt sich der WWF dazu ein Preismodell.

"Heute sind 17 Prozent unserer Veranlagungen noch mit 'Rot' bewertet, das wollen wir in 'Grün' umschichten", sagte Allianz-Österreich-Chef Wolfram Littich, der gleich dazusagt, dass die Signale der Münchner Konzernmutter zu dem Projekt ausgesprochen positiv seien. Auch noch für die letzten 5 Prozent Nachhaltigkeitsnachweise zu erbringen, könnte eventuell mit unvertretbar hohen Kosten verbunden sein, bremst er jedoch überschießende Erwartungen.

Neben den prozentuellen Nachhaltigkeitsschwellen will die Allianz Österreich auch sehr rasch Umwelt-Signale setzen: So zieht man sich ab 2015 aus Kohleabbau-Investments zur Gänze zurück, allein das entspreche der Einsparung von etwa 600.000 t CO2 im Portfolio - umgerechnet die Menge Kohlendioxid, die alle Autos in Tirol in einem Jahr ausstoßen, rechnete Littich in einem Pressegespräch vor. Das so frei werdende Kapital wolle man in Erneuerbare Energien reinvestieren und damit den Renewables-Anteil im Unternehmen bis 2020 von derzeit knapp 12 auf 24 Prozent verdoppeln, kündigte der Allianz-Chef an.

Die Performance der Veranlagungen würde durch den Umstieg auf mehr Nachhaltigkeit nicht leiden, im Gegenteil: Eine gute Rendite gehe damit Hand in Hand, versicherte Littich und verwies auf internationale Studien etwa der Harvard Business School von 2011. Der zufolge hätten Investments in "high sustainable" Companys von 1992 bis 2010 das 22-Fache erbracht, jene in "low sustainable" Firmen nur das 15-Fache. Exemplarisch habe man das auch für das Allianz-Portfolio für die Vergangenheit errechnet. Littich: "Hätten wir das schon 2005 oder 1999 angewendet, hätten auch wir einen Renditevorteil gehabt."

Mit Allianz und die Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) haben 70 Experten von 40 Organisationen jahrelang an dem Modell gebastelt. Nach ersten Studien ging es ab 2011 ans Eingemachte, "insgesamt haben wir in zwei, drei Jahren rund 1.000 Jahre Nachhaltigkeitserfahrung zusammengetragen", so WWF-Veranlagungsexperte Armand Colard. Das Resultat sei für Staatsbonds, Aktien und Corporate Bonds sowie Pfandbriefe - also eine Mischung aus Emissionen und Deckungsstock - gut anwendbar und geeignet, rund 95 Prozent eines Portfolios nach strengen ökologischen, sozialen und Governance-Kriterien zu screenen.

Bei der Allianz Österreich wurden 18.000 Positionen von 600 Emittenten analysiert - nicht nur der Deckungsstock in der Lebensversicherung, sondern auch alle Papiere im Sachgeschäft und der Vorsorgekasse, so Littich. Nur 5 Prozent der Veranlagungen blieben unbewertet. Bei der Allianz entfallen 27 Prozent der Kapitalanlagen auf Staatspapiere, 40 Prozent auf Emissionen von Unternehmen und 33 Prozent auf Pfandbriefe. 18 Prozent der 7 Mrd. Euro liegen im "grünen" Bereich, 27 Prozent im "gelben", 38 im "orangen" und 17 Prozent im "roten"; sukzessive soll im Portfolio geswitcht werden, rechnerisch 350 Mio. Euro von Rot nach Grün. Bei Corporate Bonds bestehe Handlungsbedarf, so WWF-Experte Colard. Bei Pfandbriefen bedürfe es leichter Adaptionen, bei Staatsanleihen sollte das Niveau gehalten werden.

Das in mühsamer Kleinarbeit erarbeitete Modell will der WWF national und international propagieren, denn würden nur 5 Prozent der globalen Veranlagungen in Richtung Nachhaltigkeit verschoben, wären dies 3.500 Mrd. US-Dollar (rund 2.800 Mrd. Euro). "Deshalb wollen wir das Modell dem gesamten Finanzsektor zugänglich machen, um dort für mehr Transparenz zu sorgen", so WWF-Österreich-Geschäftsführerin Andrea Johanides. Zum Nulltarif werde das aber nicht möglich sein, heißt es: "Zumindest die hineinfließenden Ressourcen müssen abgedeckt werden." WWF-Veranlagungsexperte Colard: "2015 werden wir uns die Bepreisung überlegen. Bis zur Jahresmitte sollten wir wissen, wie wir das strategisch aufsetzen. Aber unser Ziel sind nicht die Einnahmen, sondern möglichst Geld, das nachhaltig veranlagt ist."

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