Airbus-Absturz: Mehrere Airlines verschärfen Vorschriften

Düsseldorf/Barcelona/Paris (APA/AFP) - Nach dem offenbar absichtlich herbeigeführten Germanwings-Absturz ziehen zahlreiche Fluggesellschaften in Deutschland und Europa die Konsequenzen: Easyjet, Air Berlin und mehrere weitere Linien verschärften ihre Sicherheitsvorschriften, so dass künftig das Cockpit immer mit mindestens zwei Menschen besetzt sein muss.

Während die europäischen Luftfahrtregeln dies nicht zwingend vorschreiben, gilt diese Vorschrift in den USA. Auch Kanada führte die Zwei-Personen-Regel ein.

Die britische Billigfluggesellschaft Easyjet erklärte in London, die neuen Vorschriften seien ab Freitag gültig. "Easyjet kann bestätigen, dass die Airline mit Wirkung von morgen seine Vorgehensweise ändern wird, so dass jederzeit zwei Besatzungsmitglieder gleichzeitig im Cockpit sind."

Auch Air Berlin zog entsprechende Konsequenzen. "Ab morgen (Freitag) müssen sich grundsätzlich immer zwei Crewmitglieder im Cockpit aufhalten", sagte Air-Berlin-Sprecher Aage Dünhaupt der "Rheinischen Post" (Freitagsausgabe). Die Crews würden noch in der Nacht über die neue Regelung informiert. Eine Sprecherin der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) bestätigte am Abend, die größten deutschen Fluggesellschaften wollten Konsequenzen ziehen und die Zwei-Personen-Regel im Cockpit einführen.

Ähnliche Vorkehrungen trafen die Airlines Norwegian Air Shuttle und Icelandair. Für Norwegian Air Shuttle erklärte ein Unternehmensvertreter, das Cockpit dürfe künftig nur verlassen werden, "wenn noch zwei Menschen darin bleiben". Die Airline ist die drittgrößte europäische Billigfluglinie nach Ryanair und Easyjet.

Eine solche Änderung der Vorschriften sei schon länger im Gespräch gewesen. Die Erkenntnisse der Ermittler zu dem Germanwings-Absturz in den französischen Alpen hätten die Dinge beschleunigt.

Ein Icelandair-Sprecher sagte AFP, die Vorschriften würden angesichts der Informationen über den Absturz der Gemanwings-Maschine in Frankreich geändert.

In der europäischen Luftfahrt ist es nach Angaben eines Sprechers der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) nicht vorgeschrieben, dass ein Pilot, wenn er das Cockpit verlässt, durch ein Besatzungsmitglied ersetzt wird. In den USA sehen die Richtlinien der Luftfahrtbehörde FAA hingegen vor, dass sich grundsätzlich zwei Personen im Cockpit befinden.

"Die ständige Anwesenheit von zwei Personen im Cockpit ist Pflicht", sagte eine FAA-Sprecherin. Sollte sich einer der Piloten entfernen müssen, so müsse er für diese Zeit von einem Besatzungsmitglied ersetzt werden.

In Reaktion auf den Germanwings-Absturz in Südfrankreich verschärfte auch Kanada seine Sicherheitsvorschriften für die Luftfahrt. Die Zwei-Personen-Regel gelte ab sofort, erklärte Verkehrsministerin Lisa Raitt in Ottawa. Kurz zuvor hatten sich die kanadischen Fluglinien Air Transat und Air Canada bereits freiwillig zur Einhaltung dieser Regel verpflichtet.

Der Germanwings-Airbus A320 war am Dienstagvormittag auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen zerschellt. An Bord waren 150 Menschen, darunter 75 Deutsche. Nach Angaben der französischen Ermittler steuerte der Co-Pilot den Airbus offenbar absichtlich in die Katastrophe. Der 27-Jährige - zu dem Zeitpunkt allein im Cockpit - habe die Maschine allem Anschein nach "zerstören" wollen, sagte der Staatsanwalt von Marseille, Brice Robin. Derzeit gebe es keinen Hinweis auf einen Terroranschlag.

Germanwings-Chef Thomas Winkelmann sagte dem ZDF, eine solche "kriminelle Energie" hielten auch andere Richtlinien im Cockpit nicht auf. Das Vier-Augen-Prinzip werde aber mit Experten der Lufthansa-Gruppe schnell geprüft.

London (APA/Reuters/dpa) - Einen Tag nach dem von Konfrontation geprägten EU-Gipfel in Salzburg hat die britische Premierministerin Theresa May Härte demonstriert und von Brüssel neue Brexit-Vorschläge gefordert. Die Verhandlungen seien in einer Sackgasse. "Ich habe die EU immer mit Respekt behandelt. Großbritannien erwartet dasselbe", sagte May in ungewöhnlich scharfen Worten am Freitag in London.
 

Newsticker

May demonstriert nach EU-Gipfel Härte in Brexit-Gesprächen

Wien/Stuttgart (APA) - "Wir müssen ein anderes Denken üben", so der Appell von Eckhard Minx, Zukunftsforscher und Vorstandssprecher der "Daimler und Benz Stiftung" beim heutigen "Deutsch-Österreichischen Technologieforum" in Wien. Die Menschen hätten das "Trugbild der Beständigkeit" im Kopf, dabei stehe die Gesellschaft vor einem grundsätzlichen Wandel. "Digitalisierung ist so was wie ein Tsunami", so Minx.
 

Newsticker

Zukunftsforscher: "Digitalisierung ist so was wie ein Tsunami"

Wien (APA) - Zahlreiche Missstände hat der Rechnungshofbericht zur bereits aufgelösten Bundesanstalt für Verkehr (BAV) zutage gebracht. Nachdem der RH die Staatsanwaltschaft eingeschaltet hat, wird gegen drei Beschuldigte wegen Amtsmissbrauch und Untreueverdacht ermittelt. So sollen Millionen zu viel überwiesen worden sein, knapp 350.000 Euro ohne Gegenleistung gezahlt und Untersuchungsberichte nie veröffentlicht worden sein.
 

Newsticker

Bundesanstalt für Verkehr: Amtsmissbrauch- und Untreueverdacht