Ängste um Arbeitsplätze sorgen vor Fusion für Unruhe bei Kaufhof

Köln/Essen/Wien (APA/Reuters) - Unter den Beschäftigten der vor der Fusion mit dem Konkurrenten Karstadt stehenden Warenhauskette Kaufhof wächst die Angst um die Zukunft ihrer Stellen. Es sei "respektlos", wie durch Berichte über einen Kahlschlag bei Kaufhof mit "der Psyche unserer Kolleginnen und Kollegen umgegangen wird und Verlustängste geschürt werden."

So heißt es in einem internen Schreiben des Gesamtbetriebsrats an die Belegschaft, das der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag vorlag. Den Arbeitnehmervertretern lägen bisher keinerlei Informationen über einen Abbau vor.

Kaufhof und Karstadt stehen Insidern zufolge vor einer Fusion, die in den kommenden Tagen verkündet werden soll. Die Eigentümer - der nordamerikanische Konzern HBC und die österreichische Signa des Karstadt-Eigners Rene Benko - hätten sich bereits auf entsprechende Pläne verständigt. Dabei soll es auch Einsparungen geben.

Diese könnten in der Logistik, beim Einkauf und bei den Zentralen der Handelsriesen in Essen und Köln erzielt werden, hatten Insider gesagt. Zwei Hauptsitze seien nach einer Fusion nicht mehr nötig. Insidern zufolge könnten bis zu 5.000 Stellen beim Kaufhof auf der Kippe stehen. Die Kette beschäftigt Arbeitnehmern zufolge noch knapp 17.000 Menschen. Der "Bild am Sonntag" zufolge will Benko für Kaufhof zwischen 250 bis 300 Mio. Euro zur Verfügung stellen. Darin enthalten sei ein dreistelliger Millionenbetrag für Abfindungen. Ein HBC-Sprecher wollte dies nicht kommentieren, ein Signa-Sprecher war nicht zu erreichen.

Übereinkünfte zwischen Kaufhof und den Arbeitnehmern für einen Sanierungstarifvertrag oder Gespräche über einen Sozialplan gibt es Insidern zufolge indes nicht. Die deutsche Gewerkschaft Verdi hatte angesichts der Gespräche zwischen den Eigentümern über eine Fusion Verhandlungen mit dem Kaufhof-Management über einen Sanierungstarifvertrag auf Eis gelegt.

Benkos Holding Signa und HBC hatten sich Anfang Juli auf eine Zusammenlegung der beiden Ketten verständigt. Signa soll bei der Fusion mit knapp 51 Prozent etwas mehr als die Hälfte der Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen bekommen und das operative Geschäft mit ihrem Handelsexperten, dem Karstadt-Chef Stephan Fanderl, führen, hatten Insider Reuters bereits gesagt. HBC-Vertreter rücken in den Aufsichtsrat ein. Auch die Warenhaus-Immobilien des Kaufhof sollen Teil der Übereinkunft sein. Kaufhof-Eigner HBC würde bei dem Deal wohl knapp eine Milliarde Euro für Benkos Anteil am operativen Geschäft und den Warenhaus-Immobilien zufließen.

Verdi hatte Signa und HBC bereits aufgefordert, die Mitarbeiter unverzüglich in ihre Fusionsverhandlungen einzubinden. "Wer Geld für solch eine Transaktion hat, muss auch Geld für die Beschäftigten haben", hatte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger gesagt. Sie hatte eine Beschäftigungs- und Standortsicherung sowie die Tarifbindung für Karstadt und Kaufhof gefordert.

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