XXXLutz 2: Möbelriese investiert halbe Milliarde in nächsten 3 Jahren

Abgesehen von Schweden ist XXXLutz heuer bereits in den tschechischen Markt eingetreten. Dort war davor nur die Diskontschiene Möbelix vertreten. Der Expansionskurs des Unternehmens ist gewaltig, 2011 sollen quer über alle Marken und Schienen mindestens zwei neue Filialen pro Monat eröffnen.

Auch in Österreich gebe es noch weiße Flächen. Mit Mömax sei man in einigen Bundesländern noch nicht vertreten, auch für XXXLutz gebe es ein konkretes Projekt in Rohrbach. "In den nächsten drei Jahren investieren wir 500 Mio. Euro", berichtete XXXLutz-Sprecher und Marketing-Chef Thomas Saliger im Gespräch mit der APA. Das Geld fließt in die Expansion, aber auch in den Umbau bereits bestehender Filialen.

In Deutschland hat sich XXXLutz den gesamten süddeutschen Raum durch zahlreiche Übernahmen familiengeführter Betriebe unter den Nagel gerissen. Die deutsche Gewerkschaft verdi hat sich von da an voll auf Lutz eingeschossen. Mobbing, Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz und massiver Druck bei den Umsatzvorgaben sind nur einige Vorwürfe, mit denen die Möbelkette in Deutschland immer wieder konfrontiert ist. Der bekannte Enthüllungsjournalist Günter Wallraff hat erst vor einigen Monaten dazu aufgerufen, dem Möbelhändler auf die Finger zu schauen, denn "verdient hat es das Unternehmen auf jeden Fall", sagte er damals. In Österreich hat der Möbelkonzern offenbar keine Probleme mit der Gewerkschaft. "Uns ist nichts bekannt", hieß es in der Angestelltengewerkschaft GPA-djp auf APA-Anfrage.

Für Saliger ist die ganze Diskussion in Deutschland "komplett lächerlich". "Ich finde das gemein und unfair, wie wir in Deutschland behandelt werden. Als Österreicher sind wir für alle ein gefundenes Fressen. Wenn der Möbelmaxi ums Eck seine Mitarbeiter schlecht behandelt, das erfährt kein Mensch. Das ist komplett uninteressant." Umsatzziele seien nichts schlimmes, wenn jemand nicht jeden Tag drei Garnituren verkaufen könne, sei er eben kein Möbelverkäufer. Die Mobbingvorwürfe seien eine "subjektive Sache". Und dass jeder Standort positiv wirtschaften müsse, sei klar. "Eine Philosophie von uns ist, dass wir an jedem Standort die Nummer 1 sein wollen."

Obwohl XXXLutz in Österreich rund 8.500 Mitarbeiter beschäftigt - in der gesamten Gruppe sind es 17.700 -, gibt es keinen Betriebsrat. Saligers Erklärung: "Wir machen uns alles direkt mit den Mitarbeitern aus. Die Türen der Büros stehen immer für jeden offen." In den leitenden Positionen des Unternehmen sitzen laut Saliger alles ehemalige Lehrlinge. "Und die sind alle noch bei uns, weil wir sie schlecht behandelt haben, oder wie?", ärgert sich der Sprecher über die Vorwürfe der deutschen Gewerkschaft.

Was 1945 im oberösterreichischen Haag am Hausruck mit regionaler Handwerkskunst begonnen hat, ist mittlerweile zu einem Imperium von 194 Häusern in bald neun Ländern angewachsen. In Österreich ist die XXXLutz-Gruppe mit 102 Filialen und einem Umsatz von rund 1,3 Mrd. Euro Marktführer vor Kika/Leiner und Ikea. Die Krise hat der Möbelhändler nach eigenen Angaben nicht zu spüren bekommen.

"Seit September 2008 haben wir durchwegs Umsatzzuwächse erzielt. Die Menschen haben in ihre eigenen vier Wände investiert. Uns ist die Unsicherheit auf den Märkten zugute gekommen. Da haben sich die Leute gedacht, was ich hab, hab ich. Und man darf nicht vergessen, wie viel Geld auf den Sparbüchern liegt", sagte Saliger. Mit den ersten drei Quartalen 2010 sei er "sehr sehr zufrieden". Die Margen seien im Möbelhandel zwar generell nicht berauschend, wer jedoch entsprechende Mengen verkauft, verdiene nicht schlecht. Ertragskennzahlen gibt das Familienunternehmen nicht bekannt.

XXXLutz befindet sich noch heute im Besitz der Familie Seifert. Über zwei Stiftungen der Brüder Andreas und Richard Seifert werden die Geschicke des Unternehmens gelenkt. Bis ins Jahr 2000 hatte die Möbelkette Kika/Leiner der Familie Koch in Österreich die Nase vorne. Ab 2001 sei XXXLutz vorgeprescht. "Die haben uns lange überschätzt", befindet Saliger. Die Familien der beiden Möbelhändler sind seit Jahrzehnten persönlich zerstritten. "Das Verhältnis ist massiv gestört, man redet nicht miteinander", sagte Paul Koch, Chef von Leiner und Kika, erst vor kurzem zum "Standard". Saliger meinte dazu: "Wir sind keine Freunde, achten uns aber als Mitbewerber."

- APA

Wirtschaft

12 Fragen: Den Brexit verstehen

Sturmschäden: Wann die Versicherung zahlt

Versicherung

Sturmschäden: Wann die Versicherung zahlt

Bitcoins aus der Trafik: Grazer Start-up braucht keine Bankkonzession

Wirtschaft

Bitcoins aus der Trafik: Grazer Start-up braucht keine Bankkonzession