Wirtschaftsminister Mitterlehner kritisiert Streiks als verfrüht

Auch Claus Raidl, ehemaliger Vorstand von Böhler-Uddeholm, erwartet zwar ein besseres Angebot der Metallindustrie, findet die Streiks aber überzogen.

Der zuständige Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (im Bild links) will sich zwar nicht aktiv in den Konflikt in der Metallindustrie einmischen, er kritisiert die Streiks in der Metallindustrie aber als verfrüht. Er glaube, dass "das Mittel Streik zu früh ergriffen worden ist, und dass man mit diesem Instrument sehr sorgsam umgehen sollte", sagte er heute, Samstag, im ORF-"Morgenjournal". Der Minister warnte überdies - unter Hinweis auf den zu erwartenden Konjunkturabschwung - vor einer zu großen Lohnerhöhung.

Mitterlehner: '5,5 % Lohnerhöung gefährden die Industrie'

Um die Gewerkschafts-Forderung nach 5,5 Prozent mehr Lohn umzusetzen, wurden seit Freitag Früh rund 200 Betriebe bestreikt. Mitterlehner kann, wie er meinte, die Forderungen der Gewerkschaft zwar verstehen - aber auch die Argumentation der Arbeitgeber: "Ich möchte die Zahlen nicht bewerten, aber die Tendenz, dass 5,5 Prozent die Industrie gefährden, ist natürlich zutreffend. Wir haben jetzt eine recht gute Produktivität erreicht, sind an dritter Stelle in Europa, und müssen aufpassen, dass wir hier nicht hausgemachte Ursachen setzen und an Produktivität verlieren."

'Sozialer Friede ist ein Standortvorteil'

Die Streiks könnten den Industrie-Standort Österreich gefährden: "Überall im Ausland bewerben wir Österreich und seinen Standort mit dem Aspekt sozialer Friede. Wenn das zu früh nach außen geht, gefährden wir damit möglicherweise gerade jetzt, in schwierigen Zeiten, einen Standortvorteil." In den Konflikt einmischen will sich Mitterlehner vorerst nicht, aber er forderte die Verhandlungspartner auf, möglichst rasch an den Verhandlungstisch zurückzukehren, um baldigst eine "beiderseits akzeptable Problemlösung" zu finden. Am Wochenende wird dies nach Informationen der APA allerdings nicht der Fall sein.

Raidl: 'Streiks sind nicht dramatisch'

Auch Claus Raidl, ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Böhler-Uddeholm und Berater von Ex-Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V), erwartet zwar ein nachgebessertes Angebot der Metallindustrie, die Streiks findet er zu diesem frühen Zeitpunkt aber überzogen, dramatisch sind diese aber nicht, sagte er gegenüber dem ORF.

Geheime Verhandlungen

Heute, Sonntag, gegen 14:00 Uhr werden sich die vier Spitzenverhandler - Christoph Hinteregger sowie Alfred Hintringer auf Arbeitgeberseite und Rainer Wimmer sowie Karl Proyer auf Gewerkschaftsseite - zu Sondierungsgesprächen zusammensetzen, um einen Streik am Montag abzuwenden. Gestern kurz vor Mitternacht wurde nach einem Spitzengespräch mit ÖGB-Präsident Erich Foglar und Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl mitgeteilt, dass es heute "Sondierungsgespräche" über den Kollektivvertrag (KV) 2012 geben soll.

Sollten sich die beiden Seiten bei den Gesprächen annähern - die Arbeitgeber bieten derzeit 3,65 Prozent mehr Lohn und eine Einmalzahlung von 200 Euro, die Arbeitnehmer wollen 5,5 Prozent mehr - dann könnte noch heute die dritte KV-Verhandlungsrunde starten, hieß es aus Verhandlungskreisen zur APA. Dazu müssten knapp 100 Personen aus ganz Österreich zusammengetrommelt werden, sowohl Betriebsräte wie auch Industrievertreter. Verhandelt würde dann in der Wirtschaftskammer Österreich. Wo die "Sondierungsgespräche" heute stattfinden wurde nicht verraten.

-Apa, Red

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