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Wienerberger-Chef fordert Politik zum Handeln auf

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Wienerberger CEO Heimo Scheuch

©Daniel Hinterramskogler/Wienerberger AG
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Die österreichische Politik ist "bei Ankündigungen und Shows großartig", aber "ich bitte um Umsetzung", sagte Wienerberger-Chef Heimo Scheuch am Donnerstag bei der Gewinn-Messe. "Zwischen Bewusstsein und Tun ist ein großer Weg", attestiert Scheuch der Politik ausreichendes Wissen über die Probleme. Aber am Mangel an konkreten Maßnahmen leide der Standort Österreich. "Die Politik muss aufwachen". Als allererstes brauche es ein Paket zur Stimulierung des Wohnbaus.

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Die österreichische Politik ist "bei Ankündigungen und Shows großartig", aber "ich bitte um Umsetzung", sagte Wienerberger-Chef Heimo Scheuch am Donnerstag bei der Gewinn-Messe. "Zwischen Bewusstsein und Tun ist ein großer Weg", attestiert Scheuch der Politik ausreichendes Wissen über die Probleme. Aber am Mangel an konkreten Maßnahmen leide der Standort Österreich. "Die Politik muss aufwachen". Als allererstes brauche es ein Paket zur Stimulierung des Wohnbaus.

"Viele Tausend" könnten sich Wohnraum derzeit nicht leisten, der Wohnbau werde sich wohl erst 2025/26 erholen. Es gehe dabei nicht nur um teure Materialien. Bewilligungen dauern zu lange, Förderungen passen nicht, die Planung ist regional aufgesplittet. Kurzfristig solle die Mehrwertsteuer für den sozialen Wohnbau und für Eigeninvestitionen in Sanierungen "heruntergenommen" werden, wünscht sich Scheuch. Ganz wichtig sei es auch, positive Stimmung zu verbreiten. "Nicht immer diese Katastrophenmeldungen. Das geht nicht", so Scheuch. Der Bau brauche Politiker, die Kraft und Optimismus ausstrahlen.

Er fand sich damit in guter Gesellschaft mit WKÖ-Präsident Harald Mahrer und Börsenchef Christoph Boschan, die in ihren Beiträgen auf der Gewinn-Messe ebenfalls die herrschende negative Stimmung kritisierten. Mahrer wies darauf hin, dass Unternehmen etwa in Singapur voll des Lobes für Österreich seien und meinten, sie wollten "so sein wie Österreich". Daheim aber höre man nur, alles sei furchtbar. Boschan kritisierte negative Stimmung gegen Unternehmen in der Schulbildung. "Was mich noch viel mehr wurmt als fehlende explizite Finanzbildung ist eine Art Finanz-Antibildung". Freies Unternehmertum werde negativ dargestellt, wenn der Begriff "Konzern" falle, laufe den Menschen "ein Schauer über den Rücken". Man solle einmal "die Unternehmerfeindlichkeit rausnehmen".

Scheuch sieht es als "Schande", dass der Finanzmarkt in Österreich so "unterentwickelt" sei. Die Staatsbeteiligungen sollten transparent in einen Fonds nach norwegischen Vorbild eingebracht und dort von Profis verwaltet werden. Man solle Beteiligungen des Staates nicht politisieren, sondern nach unternehmerischen Kriterien führen. "Das ist unser aller Geld und nicht das Geld von wenigen." Scheuch, auch Präsident der Wiener Börse, plädierte für Anreize, langfristig für die Daseinsvorsorge an der Börse anzulegen, etwa durch Steuerfreiheit nach gewissen Behaltefristen - hier sei der Finanzminister aufgerufen, "Akzente zu setzen" und nicht nur Ankündigungen zu machen. Wobei aus Sicht Boschans Finanzminister Magnus Brunner (ÖVP) sehr offen für Anpassungen bei der Behaltefrist ist, "es ist eigentlich ausschließlich und allein der Koalitionspartner", der auf der Bremse stehe, so Boschan.

Scheuch wies darauf hin, dass der Rückgang des Wohnbaus ein europaweites Problem sei. Er kritisierte in diesem Zusammenhang die Entscheidungsträger in Frankfurt (EZB) und Brüssel (EU). Sie hätten den Sektor nicht auf den Zinsanstieg vorbereitet. Europa manage die Situation schlecht, wenn die Zinsen so stark hinaufgehen, würge das den Wohnungsmarkt ab. Das werde mangels Neubauten zu einem Wohnungsnotstand führen aber politisch auch Extreme am rechten und linken Rand stärken.

Für sein eigenes Unternehmen ist Scheuch hingegen optimistisch. Wienerberger werde weiter wachsen, auch durch Zukäufe. Die Lage sei im Moment zwar schwierig, aber "wir werden diese Krise managen". Scheuch bestätigte auch das Ziel, den Gewinn vor Steuern und Abschreibungen (EBITDA) heuer über 800 Mio. Euro und 2024 auf 900 Mio. Euro zu schrauben.

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