Wiener Börse warnt vor Alleingang bei Finanztransaktionssteuer

Die Wiener Börsespitze warnte am Dienstag vor österreichischen Alleingängen bei der Finanztransaktionssteuer. Börse-Vorstand Birgit Kuras (Bild) sähe darin eine pure Katastrophe.

Ähnlich schädlich wäre es, würden sich nur einzelne Länder in Europa für Börsenumsatzsteuern (etwa eine Stamp Duty nach britischem Modell) entscheiden. Solche Schritte wären in den Augen von Vorstand Michael Buhl der "Todesstoß für die Wiener Börse".

Derartige Steuern brächten eine weitere Verlagerung des Geschäfts hin zu außerbörslichen Handelsplätzen. Deren Anteil am österreichischen Aktienmarkt liegt derzeit bei etwa 20 bis 25 Prozent.

Am Dienstag hat Kuras ihre Antritts-Pressekonferenz als neues Börse-Vorstandsmitglied abgehalten. Sie warnte ausdrücklich vor aktienmarktfeindlicher Gesetzgebung. Kuras ortet im Land eine Dämonisierung des Kapitalmarkts. "Wenn wichtige Meinungsbildner die Börse als Tummelplatz von Zockern sehen, den man lieber nicht angreift und nur noch stärker regulieren muss, hat das psychologische Folgewirkungen."

"Ein Privatisierungsbekenntnis wäre da ein Zauberwort", glaubt Kuras. Da gebe es Potenzial. Da sollte nicht weiter gewartet werden. "Ein positives Kapitalmarktklima wäre jetzt sehr bedeutsam." Die Börse mache sich gerade dran, neue Kandidaten für Börsegänge (IPOs) anzusprechen. Während es in den USA bereits eine rege IPO-Tätigkeit gebe, sei Europa da noch schwach. Da gab es in letzter Zeit nur zwei IPOs, (Niederlande, Schweiz). In Österreich und Deutschland tat sich noch gar nichts. Dabei wäre jetzt ein guter Zeitpunkt für frisches Kapital. Sie setzt auch Erwartungen in Umplatzierungen (SPOs), was dem Streubesitz und damit den Kursen gut tue.

Die Prognose vom November, als Buhl bei einer Roadshow in New York für 2012 mit vier bis fünf Börsegängen in Wien gerechnet hatte, ist so nicht mehr aufrecht. Diese Erwartung hat sich laut Buhl "nach hinten verschoben". Im Spätherbst war man für 2012 recht zuversichtlich, dann kam "Griechenland" dazwischen. Nach dem Bailout sei das Umfeld jetzt wieder freundlicher. Was Börseneuzugänge betrifft setze man jetzt mehr Hoffnungen ins zweite als ins erste Halbjahr. Beziffern will Buhl seine Erwartungen nicht.

Kein Börsekandidat ist jedenfalls die Wiener Börse AG selbst, wie er heute auf Nachfrage festhielt.

Um das in Österreich markant unterentwickelte Aktiensparen anzukurbeln, will Kuras schon bei der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen angesetzt wissen. Je mehr ein potenzieller Anleger über potenzielle Risiken wisse, umso eher sei er davor gefeit, zur falschen Zeit zu handeln. Und wichtig sei eben, die Politiker ins Boot zu holen.

Ungeachtet der heftigen Mühen der Regierung, die Löcher im Budget zu füllen, hat der Börsevorstand am Dienstag für seine Klientel steuerliche Begünstigungen verlangt: Die neue Wertpapier-KESt sollte wieder abgeschafft werden, verlangt Buhl, ebenso weg gehörte die Gesellschaftssteuer, gestärkt sehen will die Börse die Mitarbeiterbeteiligung (via höherer Freibeträge). Auch müssten Eigen-und Fremdkapital bald einmal steuerlich gleichbehandelt werden. Die Hände lassen sollte die Regierung auf jeden Fall auch von neuen Vermögenssteuern, finden Buhl und Kuras.

- APA

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