Volkswirte sehen EZB kurz vor Abkehr vom Niedrigzins

Kleine Schritte erwartet, um Folgen bei Staatsanleihen abschätzen zu können

Volkswirte sehen EZB kurz vor Abkehr vom Niedrigzins

Volkswirte sehen EZB kurz vor Abkehr vom Niedrigzins

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Ansicht der meisten Ökonomen im Juli geldpolitisch die Zügel anziehen und noch dieses Jahr die Ära der Negativzinsen beenden. Insgesamt 46 von 48 Ökonomen erwarten in der am Dienstag veröffentlichten Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters, dass der Einlagesatz im dritten Quartal angehoben wird. 26 von ihnen rechnen damit, dass es auf den Sitzungen im Juli und September um jeweils einen Viertelprozent nach oben gehen wird.

Zurzeit müssen Banken Strafzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Notenbank horten. Dieser Einlagesatz liegt aktuell bei minus 0,5 Prozent.

90 Prozent der befragten Volkswirte gehen davon aus, dass der Einlagesatz Ende des Jahres bei null oder höher liegen wird. Der Europa-Chefökonom der US-Bank Morgan Stanley, Jens Eisenschmidt, erwartet, dass sich die EZB nach der ersten Zinserhöhung seit mehr als einem Jahrzehnt vorsichtig vortasten wird: "Kleinere Schritte zu unternehmen, würde es der EZB erlauben, die Marktreaktion zu beobachten." Dabei werde sie genau darauf achten, ob die Finanzierungsbedingungen der Staaten des Euroraums auseinanderliefen.

EZB-Vizepräsident Luis De Guindos hatte dazu jüngst erläutert, zunächst würden Anleihenkäufe eingestellt, danach Zinserhöhungen erwogen. Dies könnte dazu führen, dass die Renditen bei Staatsanleihen anzögen. Doch stehe die EZB bereit, einer "ungerechtfertigten Ausweitung" des Renditeabstands - des sogenannten Spreads - zwischen den Schuldenpapieren der Kernländer der Eurozone und der Peripherie entgegenzuwirken. Die EZB habe über die Auswirkungen einer solchen Fragmentierung gesprochen, jedoch keine konkreten Werkzeuge zur Gegenwehr besprochen.

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