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vida-Hebenstreit: Kein Grund zur Mäßigung bei KV-Verträgen

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vida-Chef Hebenstreit fordert Rechtsanspruch auf Vollzeit-Job
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"Mehr Geld statt Burger" verlangt die Gewerkschaft vida in Anspielung auf Aussagen von Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP). Zu Beginn der Kollektivvertragsverhandlungen für die Fahrradzusteller sowie die Beschäftigten in Reinigung und Bewachung stellten heute die Arbeitnehmervertreter klar, dass sie keinen Grund für eine Zurückhaltung bei den Lohnforderung sehen. Hier handle es sich um Niedriglohnbranchen, die von der Teuerung besonders betroffen seien.

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"Mehr Geld statt Burger" verlangt die Gewerkschaft vida in Anspielung auf Aussagen von Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP). Zu Beginn der Kollektivvertragsverhandlungen für die Fahrradzusteller sowie die Beschäftigten in Reinigung und Bewachung stellten heute die Arbeitnehmervertreter klar, dass sie keinen Grund für eine Zurückhaltung bei den Lohnforderung sehen. Hier handle es sich um Niedriglohnbranchen, die von der Teuerung besonders betroffen seien.

Die Beschäftigten mit allesamt deutlich unter 2.000 Euro Brutto-Monatsgehalt seien von der Bundesregierung im Stich gelassen worden, die Regierung habe die "heiße Kartoffel" der hohen Inflation an die Arbeitgebervertreter weitergereicht. Außer Almosen sei von der ÖVP/Grünen-Koalition nichts gekommen, so vida-Chef Roman Hebenstreit. Netto würden die Einkommen der drei Branchen knapp über der Armutsgrenze liegen.

"Im vergangenen Jahr sind die Gewinnausschüttungen der Unternehmen um 60 Prozent von 3,6 auf 6 Milliarden Euro gestiegen. Das heißt, eindeutig die Gewinne und nicht die Löhne treiben die Preise", so Hebenstreit am Donnerstag. Er erinnerte daran, dass die Einkommen der Landwirte im Vorjahr um 42 Prozent gestiegen sind - "und da ist das Geld sicher nicht bei den Kleinbauern angekommen", erklärte der Gewerkschafter.

Ein erhebliches Problem sei, dass viele Mitarbeiter in der Reinigung, in der Bewachung und bei den Fahrradkurieren Scheinselbstständige seien. Und in den Branchen sei bei manchen Betrug Teil des Geschäftssystems, erinnerte der vida-Chef an die Flucht der Security- und Reinigungsbeschäftigten, als die Finanzpolizei heuer beim Frequency-Festival auftauchte.

Und vida-Bundesfrauenvorsitzende Olivia Janisch erinnerte daran, dass in der Pandemie die Reinigungskräfte und Botenfahrer die Helden gewesen seien - davon merke man nun nichts mehr. Aber am 8. November sei ja internationaler Tag der Reinigungskraft und einen Tag darauf der Start der KV-Verhandlungen - da könnten dann die Arbeitgeber ihre Wertschätzung zeigen, betonte Janisch.

Wie gering die Wertschätzung sei, zeige sich auch in der Bewachungsbranche mit einer "extrem hohen Fluktuation", so KV-Verhandlungsleiter Gernot Kopp. Er fordert für den Kollektivvertrag (KV) für das kommende Jahr einen Mindestlohn von 2.100 Euro brutto. Momentan liegt dieser bei 1.862 Euro brutto. Bei den Fahrradzustellern und beim Reinigungspersonal liegt die Forderung bei 2.000 Euro, momentan erhalten sie 1.730 bzw. 1.833 Euro brutto.

Eine prozentuelle Forderung für die KV-Lohnrunde in den Bereichen Fahrradkuriere, Bewachung und Reinigung nannte vida-Vorsitzender Hebenstreit nicht, es müsse aber nicht nur die Inflation der vergangenen zwölf Monate, sondern auch der Produktivitätszuwachs abgegolten werden. Verhandelt wird für knapp 75.000 Beschäftigte, wobei es laut Gewerkschaft einen erheblichen Teil an Scheinselbstständigen in den drei Branchen gibt.

Zur Diskussion darüber, ob Frauen freiwillig oder unfreiwillig in Teilzeit sind, hielt Hebenstreit fest: "Das lässt sich ganz einfach lösen, es braucht nur einen Rechtsanspruch auf Vollzeit."

Am Dienstag hatten die Belegschaftsvertreter im privaten Pflege-, Gesundheits- und Sozialbereich ihre Forderung nach 15 Prozent mehr Brutto-Lohn vorgelegt. Zuvor hatte die Metallindustrie ein Plus von 11,6 Prozent gefordert. Bei den Metallern sind die Verhandlungen bereits am Laufen, kommenden Montag findet die nächste Gesprächsrunde statt.

ZU APA0123 VOM 14.9.2022 - Vida Vorsitzender Roman Hebenstreit am Mittwoch, 14. September 2022, anl. einer Pressekonferenz der Gewerkschaft vida in Wien.

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