USA rücken von Strauss-Kahn ab

Wegen der Inhaftierung von IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hat die US-Regierung den Internationalen Währungsfonds aufgefordert, eine Interimsführung zu ernennen. Er könne sich zwar zu dem konkreten Fall nicht äußern, aber Strauss-Kahn sei derzeit offensichtlich nicht in der Lage, den IWF zu leiten, sagte Finanzminister Timothy Geithner am Dienstag in New York.

Es sei daher wichtig, dass das IWF-Direktorium offiziell jemanden einsetze, der für eine Übergangszeit die Führung übernehme. Die USA sind das wichtigste Geberland für den Währungsfonds. Geithner sagte zudem, er sei zuversichtlich, dass der IWF trotz der gegenwärtigen Herausforderung seine Rolle in der Finanzwelt spielen werde.

Derzeit hat IWF-Vize John Lipsky die Aufgaben von Strauss-Kahn übernommen, der wegen des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung einer Hotelangestellten in Untersuchungshaft sitzt. Ein offizieller Interimschef wurde aber nicht ernannt.

Aus dem Umfeld des IWF-Direktoriums hieß es, dass das Führungsgremium Kontakt zu Strauss-Kahn aufnehmen wolle, um zu erfahren, ob er sein Amt weiter ausführen wolle. Das 24-köpfige Gremium kann den IWF-Chef von seinem Posten entheben.

In die Debatte über eine Nachfolge von Strauss-Kahn kam weiter Bewegung, weil sich vor allem die großen Schwellenländer in Stellung brachten. China, Brasilien und Südafrika begannen indirekt die Regelung infrage zu stellen, wonach Europa traditionell den IWF-Chef stellt. Als zweiten Mann an der Spitze wollen die USA offenbar Präsidentenberater David Lipton als Nachfolger von Lipsky, wenn dieser wie geplant sein Amt im August aufgibt, wie Reuters aus IWF-Kreisen erfuhr.

Der IWF ist in der weltweiten Finanzkrise zu einem der wichtigsten Krisenhelfer aufgestiegen. Gerade in der Bewältigung der Euro-Schuldenkrise spielt der IWF eine wichtige Rolle. Zusammen mit den Europäern schnürte der Währungsfonds Milliarden-Rettungspakete für die Schuldensünder Griechenland, Irland und Portugal.

Strauss-Kahn war am Samstag festgenommen worden. Der 62-jährige Franzose soll versucht haben, in einem Hotel ein Zimmermädchen zu vergewaltigen - was er bestreitet.

Einem Medienbericht zufolge steht Strauss-Kahn unter besonderer Überwachung zur Verhinderung eines Selbstmordes. Wie der US-Fernsehsender NBC am Dienstag (Ortszeit) auf seiner Internetseite unter Berufung auf mit dem Fall Vertraute berichtete, ordnete die Verwaltung der Haftanstalt auf der Gefängnisinsel Rikers Island in New York die Maßnahme auf Anraten von Ärzten an. Demnach wird die Zelle Strauss-Kahns alle 15 bis 30 Minuten in Augenschein genommen. Der Inhaftierte trage Gefängniskleidung und Schuhe ohne Schuhbänder.

- APA

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