UniCredit braucht Geld: 7,5
Mrd. Kapitalerhöhung

Die italienische Großbank UniCredit muss massive Zugeständnisse machen, um ihre am Montag startende 7,5 Mrd. Euro schwere Kapitalerhöhung bei Investoren unterzubringen.

Sie können die neuen Aktien der Mutter von Münchener HypoVereinsbank und der Wiener Bank Austria mit einem Abschlag von mehr als zwei Drittel zum Börsenkurs vom Dienstag kaufen, wie Italiens größte Bank am Mittwoch in Mailand nach dem Aufsichtsrat mitteilte. Die Aktie brach daraufhin wieder um rund 10 Prozent ein. Weil viele Banken in Europa gerade frisches Kapital brauchen, gingen die Aktien der wichtigsten Geldhäuser heute ebenfalls nach unten. In Wien lag die Erste um 2 Prozent im Minus, Raiffeisen um 2,8 Prozent. Deutsche und Commerzbank notierten um 2 bis 3 Prozent tiefer.

UniCredit braucht Geld

UniCredit braucht das Geld, um eine kürzlich von der EU-Bankenaufsicht EBA ausgemachte Lücke von 8 Mrd. Euro Eigenkapital zu stopfen. Mit der Kapitalaufstockungs-Aktion für die größten 70 europäischen Institute will die EU in der Euro-Schuldenkrise das Vertrauen in die Finanzbranche und unter den Banken wieder herstellen.

Banken haben UniCredit die Einnahmen von 7,5 Milliarden Euro bereits vorweg garantiert. Mit Spannung erwartet war daher nur noch der Preis, der heute geliefert wurde: 1,943 Euro sollen die 3,86 Mrd. neuen Papiere kosten, das ist knapp ein Drittel des Schlusskurses vom Dienstag von 6,33 Euro. Bezogen auf den um die Bezugsrechte bereinigten Kurs liegt der Abschlag bei 43 Prozent für die Altaktionäre.

Die kleinere italienische Banca Popolare di Milano hatte neue Aktien mit 40 Prozent Abschlag ausgegeben, die deutsche Commerzbank musste bei ihrer ähnlich großen Kapitalerhöhung vor rund einem Dreivierteljahr nur 30 Prozent hinnehmen.

Auch die Alt-Aktionäre sollen dabei eine bittere Pille schlucken. Denn die neuen Aktien werden zu knapp 2 Euro angeboten - ein Abschlag von 43 Prozent, wie die Bank am Mittwoch in Mailand mitteilte. Dies ist deutlich höher als von Analysten erwartet. Der Kurs sank am Mittwoch an der Börse um knapp 10 Prozent auf 5,72 Euro und damit auf ein neues Tief in der Geschichte der Bank. Im Zuge dessen verloren auch die Papiere der deutschen Commerzbank, die ebenfalls frische Milliarden braucht, deutlich. Österreichische Großbanken Erste und RBI verzichten wegen der tiefen Kurse auf Börse-Emissionen, sie wollen die neuen Kapitalziele anders erreichen.

Der höher als erwartet ausgefallene Preisnachlass bei UniCredit zeige, wie schwer es für Banken in Europa sei, neue Investoren anzulocken, sagte ein Analyst. Die begleitenden Investmentbanken hätten wohl auf einen hohen Discount gedrungen, um am Ende nicht auf den Papieren sitzenzubleiben. "Europäische Banken werden daher alles tun, um Kapitalerhöhungen zu vermeiden", sagte der Analyst, der ungenannt bleiben wollte. UniCredit betonte, dass der Abschlag den derzeitigen Marktbedingungen entspreche.

Grundkapital soll verdoppelt werden

Mit der Kapitalerhöhung wird UniCredit ihr Grundkapital in etwa verdoppeln. Die Aktionäre haben ein Bezugsrecht: Sie können ab kommenden Montag bis zum 27. Jänner für jede ihrer Aktien zwei neue kaufen. Die Aktienzahl steigt durch die Kapitalaufstockung von knapp 2 Milliarden auf fast 5,8 Milliarden Stück. UniCredit arbeitet gerade wieder an einem Sparprogramm, zuletzt schrieb die Bank nach hohen Abschreibungen einen Verlust in zweistelliger Milliardenhöhe.

Es zeichne sich ab, dass rund 24 Prozent der Kapitalerhöhung von den bisherigen Aktionären gezeichnet würden, erklärte die Bank. Der Münchener Versicherer Allianz und mehrere italienische Sparkassen-Stiftungen haben sich verpflichtet, neue Aktien zu kaufen. Aus der Allianz verlautete, man wolle sich "im Rahmen seiner Aktienquote" von 2 Prozent beteiligen. Damit ließe sich die Allianz die Kapitalspritze 150 Millionen Euro kosten. Insgesamt 30 Banken arbeiten an der Umsetzung der bereits im November angekündigten Kapitalerhöhung, angeführt von BofA Merrill Lynch, Mediobanca und der UniCredit selbst.

3.Kapitalerhöhung seit Ausbruch der Finanzkrise

Die jetzt geplante Kapitalerhöhung ist die dritte seit der Finanzkrise im Jahr 2008. Bei den zwei vorangegangenen Schritten hatte die Bank zusammen 7 Milliarden Euro eingenommen. Seitdem ist Libyen als Großaktionär mit insgesamt rund 7,5 Prozent Anteile an der Bank beteiligt. Daneben sind die Mediobanca, andere italienische Banken und auch die Allianz an der Bank beteiligt. Der deutsche Versicherer hat sich zusammen mit einigen italienischen Sparkassen bereiterklärt, etwas mehr als 14 Prozent der neuen Aktien zu zeichnen.

Zugleich hat die Führungsspitze der Bank die Hoffnung geäußert, dass andere Großaktionäre rund 10 Prozent der neuen Aktien kaufen. Hier gebe es aber noch keine festen Absichtserklärungen.

- APA, Red

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