Trend Logo

Tirol Werbung-Chefin will Gesetze für Ganzjahrestourismus

Subressort
Aktualisiert
Lesezeit
7 min
Seiler plädiert für Gesetzesänderungen und warnt vor Gastrosterben
©APA/APA/EXPA/JOHANN GRODER/EXPA/JOHANN GRODER
  1. home
  2. Aktuell
  3. Nachrichtenfeed
Die Tirol Werbung forciert den Ganzjahrestourismus. Die Saisonen würden wegen der Klimaveränderung mehr und mehr verschwimmen, daher sollte die Politik notwendige Gesetzesänderungen auf den Weg bringen, erklärte Geschäftsführerin Karin Seiler im APA-Interview. Dies betreffe etwa das Mountainbiken, das länger als bisher möglich gemacht werden solle. Auch trat sie für eine Änderung der Ferienzeiten ein. Indes warnte Seiler vor einem "Gastrosterben" in den Tourismusgebieten.

von

Die Tirol Werbung forciert den Ganzjahrestourismus. Die Saisonen würden wegen der Klimaveränderung mehr und mehr verschwimmen, daher sollte die Politik notwendige Gesetzesänderungen auf den Weg bringen, erklärte Geschäftsführerin Karin Seiler im APA-Interview. Dies betreffe etwa das Mountainbiken, das länger als bisher möglich gemacht werden solle. Auch trat sie für eine Änderung der Ferienzeiten ein. Indes warnte Seiler vor einem "Gastrosterben" in den Tourismusgebieten.

"Wir in Tirol setzen auf den Ganzjahrestourismus. Und wollen vor allem auch eine Destination für die Zwischensaisonen werden, um damit Reiseströme zu entzerren und die Monate Mai/Juni sowie September/Oktober zu stärken. Hier verzeichneten wir zuletzt ein tolles Plus", gab die Tirol Werbung-Geschäftsführerin die Marschrichtung vor. Die Politik müsse hier nachziehen und die Voraussetzungen für Ganzjahrestourismus erleichtern - weil nicht zuletzt Urlauber während jeder Jahreszeit sehr viel Verschiedenes gleichzeitig machen wollen.

So laufe etwa jedes Jahr mit 1. November das sogenannte "Mountainbikemodell" aus - das heißt, dass ab diesem Zeitpunkt auf den Bike-Strecken nicht mehr gefahren werden dürfe - unabhängig davon, wie die tatsächlichen Verhältnisse sind. "Die Regierung sollte nachziehen und das ändern", so Seiler in Richtung Land Tirol. Man sollte das gesamte "Freizeitangebot durchforsten" und flexiblere, gesetzliche Regelungen finden, richtete die Geschäftsführerin einen entsprechenden Appell.

Aber nicht nur die Politik sei gefordert, auf verändertes Angebot sowie Nachfrage zu reagieren. "Es braucht auch das Verständnis der Hütten und Seilbahnen, länger offen zu lassen, etwa nach dem Sommer, im September und Oktober", erklärte Seiler. Natürliche Gegebenheiten zu respektieren, bedeute automatisch "Angebotsanpassungen und mehr Flexibilität", betonte sie. Und wies auf einen weiteren Vorteil der Veränderung hin: "Wir haben die Möglichkeit, Ganzjahresarbeitsplätze zu schaffen."

Auch in Richtung Bundesregierung machte die Tourismusmanagerin einen Vorstoß. Dieser betraf die Ferienzeiten. Sie fragte: "Kann man diese nicht verändern, entzerren. Beispielsweise statt neun Wochen im Sommer sechs Wochen. Und die restlichen drei Wochen dafür im Mai oder Juni hinzugeben." Dies hätte nicht nur positive Effekte im Sinne des Ganzjahrestourismus. Sondern auch für viele andere Lebensbereiche. So wären auch weniger Staus die Folge, weil sich nicht das gesamte Ferien- und Urlaubsgeschehen quasi geballt auf eine bestimmte Zeit fokussiere bzw. zuspitze.

Die Tirol Werbung, die schon lange keine klassische Vermarktungsplattform mehr sei, beschäftige sich in ihren eingesetzten Teams wie "Future Lab" und "Kompetenzzentrum für Nachhaltigkeit" aber nicht nur mit dem Trend hin zum Ganzjahrestourismus, sondern auch mit konkreten, kurzfristig drängenden Problemstellungen. "Wir wollen ein Vermittler sein zwischen den verschiedenen Playern", meinte Seiler. Ein "großes Problem" sei das zunehmende Sterben bzw. Verschwinden von Gastronomiebetrieben in den Tourismusgebieten. "Bestehende Hotels nehmen oft keine À la carte-Gäste mehr. Traditionelle Gasthäuser finden oft keine Nachfolger", listete die Geschäftsführerin zentrale Gründe dafür auf.

Immer wieder bekomme sie dahingehend Rückmeldungen aus den Regionen. Hinzu komme der Arbeitskräftemangel - wenngleich sich etwa die Arbeitskräftesuche nach Köchen in Tirol "leicht entspannt" habe. Und wenngleich es einen Trend zu Ferienwohnungen gebe - die Gäste würden trotzdem zu einem Gutteil die jeweils lokale Gastronomie aufsuchen wollen. Bis September kommenden Jahres solle eine Projektgruppe jedenfalls "Konzeptideen" sowie "konkrete Hilfestellungen" für die Regionen aufsetzen, kündigte Seiler an. Konkret gehe es auch darum, ein Netzwerk mit den Gemeinden aufzubauen, aber auch etwa um Essenslieferungen zu Konsumenten in die Ferienwohnungen.

All diese Arbeiten würden sich aus dem viel zitierten "Neuen Tiroler Weg" im Tourismus ableiten, den das Land vorgegeben habe, wehrte sich Seiler gegen mitunter auftauchende Vorhaltungen, wonach dieser Weg nur Schall und Rauch bzw. ein reines Marketingtool sei.

Zu diesem "Neuen Tiroler Weg" gehöre auch die Forcierung der Gästeanreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln. "Unser Ziel ist es, dass bis 2030 15 Prozent der Gäste mit Öffis anreisen. Das wäre eine Verdoppelung. Derzeit sind es sieben Prozent", sagte die Tirol Werbung-Chefin. Um das Ziel zu erreichen, müsse aber auch die "Infrastruktur nachziehen." Denn klar sei: "Die Züge sind voll. Zudem bräuchte es einen Ausbau der Infrastruktur." Und die Erfahrung zeige: Der Gast ist nur dann bereit, auf die Öffis umzusteigen, wenn die "Convenience passt", also die Bequemlichkeit und der Komfort. Das Gepäck müsse etwa pünktlich beim Hotel ankommen, die Ticketbuchung müsse einfach vonstatten gehen. "Wichtig wäre, dass die Gäste ein Ticket buchen können, also für alle in Anspruch genommenen Öffis bis zum Urlaubsort", so Seiler. Dies habe man bis dato noch nicht erreicht, sei aber in "so engem Austausch mit der Deutschen Bahn und der ÖBB wie kein anderes Alpenland."

Hinsichtlich der Gästemärkte zeigte sich Seiler optimistisch. "Der Individualtourismus aus China ist bereits zurück. Der Gruppentourismus kommt diesen Winter. Wir erwarten, dass es wieder so sein wird wie vor Corona. Auch die Inder sind zurück." Und was im Sommer sicher Zuwächse in Tirol zeitigen werde, sei der arabische Raum.

Im vergangenen Winter hatte Tirol hinsichtlich Ankünften und Nächtigungen noch nicht ganz das Vor-Corona-Niveau erreicht, man war aber relativ nah dran. In diesem Sommer verzeichnete man zudem die beste Saison in den vergangenen 30 Jahren. Es gehe aber nicht mehr in erster Linie um quantitatives Wachstum, betonte die Tirol Werbung-Geschäftsführerin einmal mehr. Was zähle, sei Qualität und Nachhaltigkeit.

Über die Autoren

Logo
Abo ab €16,81 pro Monat
Ähnliche Artikel
Fahrradboten ritten zum Warnstreik für mehr Lohn aus
Nachrichtenfeed
Fahrradboten ritten zum Warnstreik für mehr Lohn aus
Arbeitsmarkt 2023: Teilzeitquote stabil, viele Überstunden
Nachrichtenfeed
Arbeitsmarkt 2023: Teilzeitquote stabil, viele Überstunden
Viele Unternehmen sind nach dem Angriff Russlands geblieben
Nachrichtenfeed
Nur wenige ausländische Firmen kehrten Russland den Rücken
Ausbau der Ladestellen kommt rasch voran
Nachrichtenfeed
Elektroautos im Vormarsch, aber hohe Preise schrecken ab
Die Addiko Bank könnte an die slowenische Bank gehen
Nachrichtenfeed
Addiko Bank rückt ins Visier von Investoren
Der Vertrag von ÖBAG-Chefin Hlawati wurde bis Februar 2027 verlängert
Nachrichtenfeed
ÖBAG-Chefin will Dividende für Infrastruktur zweckwidmen
Diesel-Preise gehören zu den Preistreibern in der Landwirtschaft
Nachrichtenfeed
Entlastungspaket soll Bauern 20 Cent/Liter Diesel bringen
Überlegungen zur Kopplung von Strom- und Gasleitung in Oberösterreich
Nachrichtenfeed
Grundeigentümer wollen Gas- und 110-kv-Leitung gekoppelt
Europas Wirtschaft kommt nicht voran
Nachrichtenfeed
EU-Prognose: Wirtschaftswachstum bleibt schwach
Selbstbediener-Kassen haben sich in Österreich noch nicht durchgesetzt
Nachrichtenfeed
Hofer will in bis zu 200 Filialen Selbstbedienungskassen
OeNB: Außenwirtschaft hat sich von Pandemie und Inflation erholt
Nachrichtenfeed
OeNB: Außenwirtschaft hat sich von Pandemie und Inflation erholt
Firmenpleiten dürften in Österreich auf Höchstwert seit 2009 steigen
Nachrichtenfeed
Creditreform erwartet heuer über 7.000 Firmenpleiten