Telekom Austria im Strudel von Kursaffäre und Gewinneinbruch

Die Telekom Austria kämpft derzeit gleich an zwei Fronten - in der Kursaffäre werden immer neue Details bekannt und obendrein musste der börsenotierte teilstaatliche Marktführer heute auch noch einen Gewinneinbruch im 1. Halbjahr vermelden.

Der Ausblick für das Gesamtjahr wurde wegen der Wechselkursprobleme bei der Tochter in Weißrussland leicht zurück genommen, die Dividendenhöhe aber beibehalten - was für Kritik vonseiten der Belegschaftsvertretung sorgte.

"Ich bin über die Situation schockiert", eröffnete CEO Hannes Ametsreiter heute Mittwoch die Halbjahresbilanzpressekonferenz in Wien. Der jetzige Vorstand habe aber mit den "Malversationen" von 2004 nichts zu tun, versicherte er. Dass er selber seinen damals als Marketingleiter erhaltenen 92.000 Euro-Bonus auf ein Treuhandkonto eingezahlt habe, sei "kein Schuldeingeständnis". Mittlerweile wurden in der Kursaffäre und wegen "Malversationen" bei Immobiliengeschäften Anzeigen eingebracht, wegen der Telekom-Geschäften mit Peter Hocheggers Valora ist das Unternehmen nun Privatbeteiligter im Strafverfahren gegen Hochegger, Walter Meischberger und Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (V) rund um die Buwog.

"Zusammenhänge zwischen der Causa Valora und der Kursmanipulation sind dem internen Untersuchungsbericht der Telekom zu entnehmen, der bei der Staatsanwaltschaft liegt", so Ametsreiter. Weiter wolle er das nicht kommentieren. Zu Valora gibt es aber laut dem Magazin "News" einiges zu erzählen. Dem Bericht zufolge erhielt auch der Lobbyist und Ex-FPÖ-Politiker Meischberger von den Aufträgen der Telekom an Hochegger in Höhe von rund 9 Mio. Euro als Subauftragnehmer 900.000 Euro. Meischberger bestätigte gegenüber "News", er sei "indirekt" für die Telekom tätig gewesen. Zur Höhe der Honorare von 900.000 Euro meint Meischberger, "das kann sein. Aber die Summe habe ich nicht im Kopf".

Meischberger selber bestätigt gegenüber "News", dass seine guten Kontakte zur damaligen Regierung Wolfgang Schüssel (V) und zu Grasser für die Telekom Austria wertvoll waren. Vor allem seien aber seine "Kontakte in den gesetzgebenden Bereich" wichtig gewesen."Ich war zehn Jahre lang Parlamentarier und weiß, wie die Dinge dort funktionieren und wann wer was entscheidet." Das sei nichts Besonderes, sondern "ganz normales Lobbyinggeschäft". Der früherer FPÖ-Generalsekretär Meischberger saß als FPÖ-Abgeordneter im Parlament.

Zu der Causa Hochegger/Telekom äußerte sich heute auch die Grüne Telekom-Bereichssprecherin Gabriela Moser, die mit ihrer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft die Affäre nach vielen Jahren wieder ans Tageslicht gebracht hatte. Sie hat am Mittwoch zu einem Rundumschlag gegen die Staatsholding ÖIAG, die Finanzmarktaufsicht (FMA) und die Staatsanwaltschaft (StA) Wien ausgeholt. Der ÖIAG bzw. deren damaligem Chef Peter Michaelis wirft Moser vor, die Kontrollbefugnis nicht wahrgenommen zu haben und stattdessen die umstrittenen Boni ausbezahlt, die Vorstände entlastet und sogar wiederbestellt zu haben. Der Vorwurf an die FMA lautet "bewusstes Augenzudrücken" und "Kontrollversagen". Die FMA hätte der Staatsanwaltschaft jederzeit eine Sachverhaltsdarstellung über die Kursentwicklung übermitteln können, auch wenn die Sachlage rein börsenrechtlich damals so war, dass die FMA nicht unbedingt eingreifen musste.

Der eigentliche Grund der heutigen Pressekonferenz, die Präsentation der Halbjahreszahlen, rückte angesichts der Fülle der Affären in den Hintergrund. Aber auch hier gab es für Ametsreiter nicht viel positives zu berichten. Sein Credo "operativ erfolgreich in schwierigem Umfeld" stehen ein Gewinneinbruch und ein zurückgenommener Ausblick gegenüber. Neben den Wechselkursschwankungen bei der weißrussischen Telekomtochter Velcom und den Margenrückgängen durch strengere Regulierungsauflagen machte der Telekom einmal mehr der Personalabbau zu schaffen. 219 Mio. Euro wurden dafür in den ersten sechs Monaten aufgewendet.

Das Betriebsergebnis (Ebit) der Telekom Austria Group gab von Jänner bis Juli um 85,8 Prozent auf 42,7 Mio. Euro nach. Das bereinigte Ebitda lag bei 777,6 Mio. Euro, ein Minus von 7,8 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr des Vorjahres. Das Nettoergebnis drehte im ersten Halbjahr von plus 159,9 Mio. Euro auf minus 59,2 Mio. Euro. Der Umsatz ging um 2,9 Prozent auf 2,227 Mrd. Euro zurück.

Der Umsatz soll im Gesamtjahr bei 4,5 Mrd. Euro liegen, bei der Präsentation der Zahlen für das erste Quartal wurden noch 4,6 Mrd. Euro angepeilt. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll nun bei 1,55 statt 1,6 Mrd. Euro liegen. An der Mindestdividende von 0,76 Euro werde jedenfalls nicht gerüttelt. Wobei sich die Schuldenlast des teilstaatlichen Konzerns seit Jahresende 2010 um 7,5 Prozent erhöht hat. Die Nettoverschuldung liegt nun bei 3,55 Mrd. Euro. An die Substanz gehe die Dividendenausschüttung nicht, versicherte Finanzvorstand Hans Tschuden.

Das erste Halbjahr 2011 war für die Telekom Austria Group auch in Österreich ein schwieriges. Die Erlöse fielen um 4,5 Prozent geringer aus, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ging um 9,8 Prozent zurück. Demgegenüber steht ein Kundenzuwachs von 4,2 Prozent auf nunmehr fast 5,2 Millionen Kunden. Auch bei den Festnetzanschlüssen konnte die Telekom zulegen. "Die Schallmauer von einer Million Kunden, die im Festnetz Kombi-Produkte in Anspruch nehmen, wurde im Juli 2011 durchbrochen", freut sich der Konzern.

Der Kurs der Telekom-Aktie lag am frühen Nachmittag bei 7,43 Euro und somit auf dem Niveau des Vortags. Der Ausgabekurs der Telekom im Jahr 2000 betrug 9 Euro. Die Republik Österreich hält an der Telekom über ihre Staatsholding ÖIAG einen Anteil von 28,42 Prozent.

- APA

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