Spanien: Bankia muss notverstaatlicht werden

Spanien werde die Bankengruppe BFA- Bankia am 11. Mai verstaatlichen, berichtet die Zeitung El Confidencial und beruft sich dabei auf Finanzkreise, die mit den Plänen der Regierung vertraut seien. Eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums in Madrid lehnte einen Kommentar dazu ab.

Die Regierung werde die in Valencia ansässige Bankia SA und ihre Muttergesellschaft BFA verstaatlichen. Die Wirtschaftsprüfer von Deloitte hätten den Bestätigungsvermerk für den Jahresabschluss von BFA verweigert, heißt es in dem Bericht weiter.

Bankia ging aus einer Fusion von sieben spanischen Sparkassen hervor und debütierte erst im Juli 2011 an der Börse.

Erst der Anfang

Spanien steht in den kommenden Monaten vor einigen Herausforderungen bei der Refinanzierung seiner Schulden. Im Mai und Juni muss der Staat elf Mrd. Euro aufnehmen, wie die Citigroup schätzt.

“Es gibt keine ausländischen Investoren, die spanische Anleihen kaufen, weil sie auf eine überdurchschnittliche Entwicklung setzen. Und es gibt auch keinen Grund anzunehmen, dass dies plötzlich der Fall sein wird”, sagt John Wraith, Stratege bei der Bank of America Merrill Lynch in London. Da die Wirkungen der EZB-Kredite abebben seien Wiederanlagen aus Kuponzahlungen oder Bondrückzahlungen hilfreich. Wenn diese wegfallen werde es für das Land umso schwieriger, ergänzt er.

Spanien schuldet seinen Anleihegläubigern mehr als 700 Mrd.
Euro, wovon gut 200 Mrd. Euro bis Ende kommenden Jahres fällig werden. In Laufe der Staatsschuldenkrise in der Eurozone sind die zehnjährigen spanischen Finanzierungskosten von durchschnittlich 4,0 Prozent im Jahr 2009 auf mittlerweile 5,79 Prozent geklettert. Die zehnjährigen italienischen Renditen sind von 3,75 Prozent im Oktober 2010 auf 5,51 Prozent gestiegen.

Mit einem Verlust von 2,47 Prozent weisen spanische Bonds mit einer Laufzeit von zehn Jahren oder mehr für das erste Quartal die schlechteste Entwicklung unter den Staatsanleihen der Eurozone aus. Das zeigen Indexes von Bloomberg und der European Federation of Financial Analysts Societies (EFFAS).

Risikoaufschlag steigt und steigt

Der Risikoaufschlag der zehnjährigen Spanien-Bonds gegenüber Bundesanleihen liegt bei rund 422 Basispunkten und ist seit der Regierungsübernahme durch Ministerpräsident Mariano Rajoy am 21. Dezember um gut 75 Basispunkte geklettert. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hatte die Kreditwürdigkeit des Landes am 26. April von “A” auf “BBB+" abgesenkt. Sie begründete den Schritt mit Besorgnis, dass der Bankensektor angesichts der schrumpfenden Wirtschaftsleistung Spaniens voraussichtlich mit weiteren Staatsgeldern gestützt werden müsse. Die zweite Rezession seit 2009 gefährdet Rajoys Ziel zum Abbau des Haushaltsdefizits. 2012 soll dies um 3,2 Prozentpunkte auf 5,3 Prozent reduziert werden. Die Arbeitslosigkeit des Landes liegt bei über 24 Prozent und ist die höchste in der Region.

Für dreijährige Papiere musste Spanien in der vergangenen Woche eine Rendite von 4,037 Prozent bieten. Bei einer Auktion am 1. März waren es erst 2,617 Prozent. In diesem Jahr hat Spanien bereits Staatspapiere im Volumen von 40,4 Mrd. Euro am Markt untergebracht und damit Bloomberg-Daten zufolge die Hälfte seines Finanzierungsbedarfs für dieses Jahr gedeckt.

Hielten ausländische Investoren im Februar noch spanische Staatspapiere im Volumen von 245 Mrd. Euro, so waren es im März nur noch 220 Mrd. Euro, wie das Finanzministerium des Landes mitteilte. Nach Ansicht von Nishay Patel, Stratege bei der Citigroup in London, bedeutet die geringere Nachfrage, dass Spanien - und auch Italien - höhere Renditen bieten müssen, um die Anleihen am Markt unterzubringen und dies sei besorgniserregender als das Volumen der erforderlichen Mittelbeschaffung.

Die spanische Staatsverschuldung wird nach Prognosen des Internationalen Währungsfonds von 79 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr auf 84 Prozent im kommenden Jahr anwachsen. Das liegt zwar unter der französischen und der italienischen Staatsverschuldung, ist aber 40 Prozent höher als 2008. Damals begannen die Preise am Immobilienmarkt einzubrechen.

“Der spanische Renditeaufschlag wird sich nicht von selbst verringern und die Märkte brauchen gewisse Hinweise, dass die Zentralbank hinter den schwachen Volkswirtschaften steht”, sagt Marchel Alexandrovich, leitender Volkswirt bei Jefferies International in London. Die EZB hat ihrerseits zuletzt signalisiert, dass sei keine weiteren außerordentlichen Maßnahmen ergreifen wird, so lange sich der wirtschaftliche Ausblick nicht verdüstert.

Bloomberg/hahn

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