Spanien: Banken werden auf schwere Rezession vorbereitet

Weitere 35 Milliarden Euro sollen die heimischen Banken beiseitelegen, um sich gegen Ausfälle von Immobilien-Krediten zu wappnen, wie aus Finanzkreisen verlautete. Ziel ist es, die Geldhäuser krisenfest zu machen für den Fall einer noch tieferen Rezession. Dann nämlich könnten auch bislang unproblematische Darlehen die Bilanzen vergiften.

Die neuen Auflagen sind Teil eines mit großer Spannung erwarteten Gesamtpakets zur Stabilisierung der Bankenbranche, das auf der wöchentlichen Kabinettssitzung am Freitag beschlossen werden soll. Dazu dürften nun doch auch neue Milliarden-Hilfen gehören. Nachdem der Staat bereits 18 Milliarden Euro in den Sektor gesteckt hat, schloss die konservative Regierung monatelang weitere Geldspritzen aus. Aber Ministerpräsident Mariano Rajoy signalisierte jüngst, dass er im äußersten Notfall wieder zu diesem Mittel greifen werde. Es wird erwartet, dass bis zu zehn Milliarden Euro in den schwer angeschlagenen Sparkassen-Konzern Bankia gepumpt werden. Denn auf internationale Unterstützung will die Regierung in Madrid tunlichst verzichten, um ihre Kreditwürdigkeit zu behalten.

An den Finanzmärkten kamen am Mittwoch einmal mehr Ängste hoch, dass Spanien vom Virus der Schuldenkrise befallen wird und wie zuvor bereits Griechenland, Irland und Portugal an den Geldtropf der Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds (IWF) gelegt werden muss. Die Renditen zehnjähriger spanischer Staatsanleihen kletterten wieder über die als kritisch geltende Marke von sechs Prozent. Spanische Bankaktien rutschten ab. Der Kurs des Probleminstituts Bankia fiel sogar auf ein Rekordtief.

Hohe Altlasten

Die neuen Rückstellungsauflagen bedeuten für die Institute zusätzliche Bürden. Die Regierung hat sie bereits zu Abschreibungen auf faule Immobilienkredite in Höhe von 54 Milliarden Euro gezwungen. Nun sollen sie sich auch für künftig drohende Ausfälle rüsten. Wie es in den Finanzkreisen am Dienstag hieß, sollen die Rückstellungen nun einen deutlich höheren Anteil am Volumen der Immobilienkredite abdecken als bisher.

In ihren Büchern haben die spanischen Banken Darlehen an Wohnungs- und Hausbauer in Höhe von insgesamt 298 Milliarden Euro stehen, das entspricht etwa 30 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. Die Hälfte dieser Kredite ist bereits im Verzug, und bei einer weiteren Verschärfung der Wirtschaftskrise drohen noch mehr Ausfälle. Analystenschätzungen zufolge könnte der zusätzliche Rückstellungsbedarf sogar auf bis zu 100 Milliarden Euro steigen.

Auch bei international starken spanischen Bankriesen wie Santander und BBVA zehrt die Vorsorge bereits deutlich an den Gewinnen. Kapitalerhöhungen und Geschäftsverkäufe sollen Abhilfe schaffen und Staatsgelder unnötig machen. Tief in der Bredouille steckt der Bankia-Konzern, der das Resultat eines staatlich erzwungenen Zusammenschlusses mehrerer Sparkassen ist. Dem viertgrößten Kreditinstitut des Landes macht der Zusammenbruch des Immobilienmarktes vor vier Jahren besonders schwer zu schaffen.

Um die Bilanzen von diesen Altlasten zu säubern, sollen die Geldhäuser sogenannte Bad Banks gründen. In diese Zweckgesellschaften sollen die faulen Kredite und Wertpapiere ausgelagert werden, um sie dann von dort aus verkaufen oder abzuwickeln zu können. Damit will die Regierung das Vertrauen in den heimischen Finanzsektor wiederherstellen. Doch wer die kostspielige Haftung für die Bad Banks übernimmt und woher die Banken frisches Kapital bekommen, ist unklar.

Reuters

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