Sonntagsöffnung erregt weiterhin Gemüter

In der seit Jahrzehnten laufenden Debatte um längere Ladenöffnungszeiten wird ein neues Kapitel geschrieben. In der aktuellen Diskussion geht es um die Erlaubnis, an bestimmten, besonders umsatzträchtigen Sonntagen offen zu halten. In der ORF-Diskussionsendung "Im Zentrum" am Sonntagabend prallten altbekannte Allianzen aufeinander: Die Händler gegen die Gewerkschaft und die Kirche.

Die Debatte ausgelöst hatte Einkaufszentrumsbetreiber Richard Lugner, der vom prominenten Verfassungsjuristen Heinz Mayer beraten wird. Lugner und einige Kaufleute seiner Shopping City im 15. Wiener Gemeindebezirk wollen an umsatzstarken Sonntagen künftig die Geschäfte offenhalten und bringen deswegen eine Klage beim Verfassungsgerichtshof ein.

Lugner, der in der ORF-Diskussion von interio-Chefin Janet Kath argumentativ unterstützt wurde, erinnerte an eine Ausnahmeregelung während der Fußball-EM 2008, die um 80 Prozent mehr Umsatz gebracht habe - eine Aussage, die vom Boss der Privatangestelltengewerkschaft GPA, Wolfgang Katzian bezweifelt wurde.

Vorbehalte äußerte auch Fritz Aichinger, Sprecher der Händler in der Wirtschaftskammer. Er schätzte, dass 90 Prozent der Handels-Mitglieder gegen ein Aufsperren am Sonntag seien: Zum einen bringe ein offener Sonntag nicht mehr Kaufkraft, zum zweiten müsse der Handel auf die Beschäftigten Rücksicht nehmen und drittens würden die Geschäfte in den schlechteren Lagen benachteiligt werden.

Wirtschaftsminister Mitterlehner betonte zwar, nicht für eine generelle Sonntagsöffnung einzutreten - eine Öffnung an manchen Sonntagen sei aber speziell in Wien für den Tourismus notwendig. Mitterlehner forderte Wiener Händler und Gewerkschaften auf, Gespräche dazu aufzunehmen.

Gewerkschaft und Sonntagsöffnungs-Skeptiker im Handel bekamen Unterstützung von Peter Schipka von der Österreichischen Bischofskonferenz, der die von den Befürwortern bemühten gesellschaftlichen Veränderungen für seine Position in Anspruch nahm: "Gerade wegen der gewandelten Zeiten braucht es heute einen Tag des Verschnaufens."

- APA

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