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Sommerbuchungen sprangen kräftig nach oben

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Mehr Kapazitäten beruhigen die Preise
©APA/APA/dpa/Christoph Schmidt
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Mit den Urlaubsbuchungen sind die Österreicherinnen und Österreicher heuer deutlich früher dran als 2023. "Wir haben circa 25 Prozent mehr Vorausbuchungen derzeit", sagte WKÖ-Reisebürosprecher Gregor Kadanka zur APA. Das war in etwa auf dem Vor-Corona-Niveau. Im vergangenen Jahr seien Auslastung und Preise deutlich gestiegen. "Das wird sich etwas abbremsen, wenn die Kapazitäten wieder wachsen." Das Flugangebot sei heuer wieder größer, aber immer noch unter jenem von 2019.

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Mit den Urlaubsbuchungen sind die Österreicherinnen und Österreicher heuer deutlich früher dran als 2023. "Wir haben circa 25 Prozent mehr Vorausbuchungen derzeit", sagte WKÖ-Reisebürosprecher Gregor Kadanka zur APA. Das war in etwa auf dem Vor-Corona-Niveau. Im vergangenen Jahr seien Auslastung und Preise deutlich gestiegen. "Das wird sich etwas abbremsen, wenn die Kapazitäten wieder wachsen." Das Flugangebot sei heuer wieder größer, aber immer noch unter jenem von 2019.

2024 erreiche das weltweite Sitzplatzangebot in den Fliegern etwas über 90 Prozent der Vor-Corona-Kapazitäten, im Vorjahr seien es rund 80 Prozent gewesen. Zusätzlich fehlte in den Pandemiejahren aber auch das in Normaljahren übliche Wachstum von 10 Prozent jährlich. Daher sei "das Delta in Wirklichkeit noch größer", so der Fachverbandsobmann der heimischen Reisebüros in der Wirtschaftskammer Österreich..

Im Vorjahr hatten die Preise kräftig angezogen - um die 20 bis 30 Prozent weltweit, so die grobe Schätzung Kadankas. Ein Durchschnitt sei jedoch schwer zu nennen. So seien die Flüge aus europäischen Hubs wie etwa Frankfurt doppelt so teuer geworden; gewisse Strecken hätten sich "extrem verteuert", andere gar nicht. "Der 'Spread' ist enorm groß geworden - weitere Flüge sind zum Teil günstig und ums Eck nach Zürich zahlt man 1.000 Euro." Auch Wien-Amsterdam koste deutlich mehr, während Wien-Palma nicht teurer geworden sei. Grund sei die unterschiedliche Konkurrenzsituation.

Vor Corona war ein Gutteil der Jahresurlaube bereits zwischen November und Jänner fixiert worden. Nach drei Corona-Wintern seien die Kundinnen und Kunden im Vorjahr in diesen ansonsten starken Buchungsmonaten aber noch zurückhaltend gewesen. Ihre Reisen für 2023 hatten sie laut Kadanka erst ab Ende Jänner bis März zu buchen begonnen: "Da gab es einen starken Aufschwung." Angesichts der noch verknappten Kapazitäten hatten dann einige nicht mehr das bekommen, was sie wollten.

Bei den gewählten Destinationen gebe es 2024 "keine große Verschiebungen". Im Sommer sei das Mittelmeer gut gebucht - "die Türkei wieder ein bisschen stärker". Im Winter seien der Indische Ozean mit Mauritius, den Malediven und den Seychellen, Afrika mit Tansania, Namibia, Marokko und auch Safari als Thema gefragt, ebenso die USA sowie Asien vor allem mit Thailand. "Thailand kommt wieder - dort hatten sie relativ lange und harte Corona-Einschränkungen", so der Branchensprecher.

Während die Buchungen bestens angelaufen sind, droht den Reiseanbietern Ungemach an der EU-Bürokratie-Front, konkret mit dem Entwurf für die Überarbeitung der Pauschalreiserichtline aus dem Jahr 2015, der seit November in den Schubladen der EU-Kommission in Brüssel liegt und noch nicht durch das Parlament ist. Die geplante Reform des Reiserechts sorgt für Unmut und Aufregung in der Branche: Angestrebt ist, dass Reisebüros zu Reiseveranstaltern - mit der entsprechenden Reiseveranstalterhaftung - werden, sobald Kundinnen und Kunden "mehrere Einzelleistungen wie Flug und Hotel innerhalb von drei Stunden" buchen. "Wenn ein Reisebüro zwei Einzelleistungen zusammenstellt, wird es zum Reiseveranstalter", so Kadanka. Wenn Einzelleistungen individuell nach Kundenwunsch kombiniert werden, fällt das komplette Veranstalterrisiko auf die Anbieter. Diese Haftung käme zur Insolvenzabsicherung hinzu.

Nicht mehr geben soll es dann laut EU-Entwurf die sogenannte "verbundene Reiseleistung" im Reisebüro, also die derzeit noch mögliche Verknüpfung verschiedener Einzelleistungen, die laut Kadanka mit einer Insolvenzabsicherung sowie mit Beratung einhergeht und die erst 2015 in die Pauschalreiserichtlinie aufgenommen worden ist. "Der Kunde hat durch die Neuregelung keinen Vorteil", meinte der Branchensprecher.

Vielmehr werde den Kundinnen und Kunden aufgezwungen, dass sie im Reisebüro nur noch eine Pauschalreise buchen können. Da die Verbraucherinnen und Verbraucher aufgrund des wirtschaftlichen Umfeldes noch preisbewusster geworden seien, würden dann viele aus Kostengründen ohne den Schutz der Pauschalreise reisen, vermutet der Branchensprecher. "Da ist Wildwest", so Kadanka mit Blick auf den mangelhaften rechtlichen Schutz im Internet.

Und sollten sich die Urlauberinnen und Urlauber für das Zusammenstellen einer Reise, die ihren individuellen Wünschen entspricht, doch für das Reisebüro entscheiden, sei das in jedem Fall teurer als derzeit. Im Reisebüro sei dann ein "Risikoaufschlag" für die Ausweitung der Haftung zu zahlen. Denn wenn die Einzelbuchungen als Pauschalreise gelten, fielen für die Reiseanbieter wegen der zusätzlichen Haftung höhere Versicherungsprämien an, erklärte Kadanka. Die höheren Kosten werden letztlich auf den Kunden überwälzt.

Dem Konsumentenschutz sei mit der angestrebten Neuregelung jedenfalls kein Dienst erwiesen, "wenn der Kunde dann beim Buchen auf sich alleine gestellt ist und sein Geld ins Ausland schicken muss und bei Problemen einen Gerichtsstand irgendwo hat", hielt der Sprecher der Reisebüros fest. "Die EU hatte angekündigt, sie will es für die Betriebe einfacher und für die Konsumenten sicherer machen - beide Ziele wurden diametral verfehlt", urteilte Kadanka.

(Das Gespräch führte Birgit Kremser/APA)

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