So funktioniert der griechische Schuldenschnitt

Private Gläubiger sollen auf Forderungen von mehr als 100 Milliarden Euro verzichten, um dem Mittelmeerland wieder auf die Beine zu helfen.

Zugleich pumpen die Euro-Staaten nochmal 130 Milliarden Euro nach Athen. Ziel ist es, den Schuldenberg bis 2020 auf gut 120 Prozent von derzeit mehr als 160 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung zu drücken. Wie funktioniert der Schuldenschnitt, auf den sich der Internationale Bankenverband (IIF) in der Nacht zu Dienstag mit der Regierung in Athen verständigt hat?

* Im Kern wird die Entlastung Griechenlands über einen Anleihetausch erreicht. Die privaten Gläubiger - Banken, Versicherer, Hedgefonds und andere Marktteilnehmer - tauschen ihre alten griechischen Staatsanleihen in neue Papiere mit 30-jähriger Laufzeit. Dabei verzichten sie auf 53,5 Prozent ihrer Forderungen, sprich der Nominalwert der Bonds reduziert sich entsprechend. Das entspricht 107 Milliarden Euro an Entlastung für Griechenland. Die Gläubiger können bis 11. März entscheiden, ob sie das Tauschangebot annehmen.

* Die neuen Anleihen werden in den ersten drei Jahren nur mit zwei Prozent verzinst - deutlich weniger als bislang. Der Kupon steigt dann im Laufe der Zeit schrittweise. Über die 30-jährige Laufzeit hinweg liegt der Zinssatz im Schnitt bei 3,65 Prozent. Der geringere Nennwert, der niedrigere Zins und die längere Laufzeit führen dazu, dass die Banken insgesamt deutlich mehr als 50 Prozent auf ihre griechischen Staatsanleihen abschreiben müssen. "Nach Lage der Dinge konkretisiert sich jetzt eine Abschreibung in der Größenordnung von 70 Prozent", sagt Klaus-Peter Feld vom Institut der Wirtschaftsprüfer der Nachrichtenagentur Reuters. Banker rechnen mit 73 bis 74 Prozent. Viele Banken haben bereits deutlich Wertberichtigungen vorgenommen, als sich die Umschuldung abzeichnete. Im vergangenen Sommer waren sich IIF und die Regierung in Athen schon einmal einig: Doch damals ging es nur um Abschreibungen von 21 Prozent. Das ist längst Makulatur, da sich die griechische Wirtschaft seither deutlich schlechter entwickelt hat als erwartet.

* Die angestrebte Schuldenentlastung von 107 Milliarden Euro kommt nur zustande, wenn sich mehr als 90 Prozent der privaten Gläubiger an dem Umtausch beteiligen. Um das sicherzustellen, will die griechische Regierung per Gesetz die Konditionen der alten Staatsanleihen rückwirkend so ändern, dass eine Teilnahme de facto erzwungen wird. Dabei geht es um neue Vertragsklauseln - so genannte Collective Action Clauses. Diese bewirken, dass eine Mehrheit der Gläubiger alle anderen zur Teilnahme an einer Umschuldung zwingen könnte.

* Sollten die Klauseln zum Einsatz kommen, gehen Experten davon aus, dass damit der Schuldenschnitt nicht mehr freiwillig ist. Das wiederum löst Zahlungen an diejenigen aus, die Kreditausfallversicherungen (CDS) erworben haben, um sich gegen einen Ausfall abzusichern. Allerdings ist das CDS-Volumen bezogen auf griechische Staatsanleihen mit rund 2,5 Milliarden Euro mittlerweile überschaubar. "Damit ist die ursprüngliche Angst vor einer Kettenreaktion an den Finanzmärkten heute nicht mehr gegeben - zumal die Brandwälle um die anderen Krisenstaaten heute schon hoch genug zu sein scheinen", sagt ein Bankinsider.

* Als öffentlicher Gläubiger soll auch die Europäische Zentralbank (EZB) einen Beitrag zur Entschuldung leisten und künftige Gewinne aus ihren Beständen griechischer Staatsanleihen an die Mitgliedstaaten ausschütten. Diese können das Geld an Griechenland weitergeben - wie genau, ist noch offen. Die EZB hat ihre alten griechischen Staatsanleihen im Nennwert von schätzungsweise 50 Milliarden Euro in jedem Fall vorsorglich bereits in neue getauscht - mit den identischen Konditionen, aber einer neuen Wertpapiernummer. Damit verhindert die Notenbank, dass sie von den neuen Vertragsklauseln betroffen ist. Denn die beziehen sich nur auf die alten Papiere.

Reuters/hahn

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